iPhone 4 Software-Update wird Empfangsprobleme nicht beheben

In einem offenen Brief an die Käufer eines iPhone 4 hat Apple die Beseitigung der offensichtlichen Empfangsprobleme durch ein Software-Update versprochen - die Apple-Jünger jubeln, aber leider wird dieses Update gar nichts bewirken. Nur ein Hardware-Redesign kann Abhilfe gegen vergleichsweise viel zu hohe Signaldämpfungen schaffen.

Durch Kurzschließen der GSM- und GPS-Antennen mit der linken Hand wird der Empfang des iPhone 4 signifikant gestört (wir berichteten). Zusätzlich hat sich noch ein weiteres Problem aufgetan, nämlich dass die Anzeige der Signalqualität mit Hilfe von 1 bis 5 Balken nicht korrekt ist. Konkret werden 5 Balken bei einem Signal-Rauschabstand von -50 dbm bis unter - 90 dbm angezeigt (Bild oben), wobei schon bei -110 dbm Gesprächsabrisse an der Tagesordnung sind. Anders forumliert: Das iPhone 4 zeigt ein "perfektes Signal" bei viel zu geringen SNR-Werten an.

Dieses Problem kann Apple sicher mit einem Software-Update beheben. Was nicht behoben werden kann, ist die extrem hohe Signaldämpfung besonders dann, wenn man das Gerät eng mit der linken Hand umfasst oder mit dieser auf eine "natürliche Weise" hält (Bild unten). Im Vergleich zum iPhone 3 GS sind die von der Cardiff University gemessenen Werte desaströs, wenn man bedenkt, dass die 19,8 db eine Signalabschwächung um fast Faktor 100 bedeuten. Die noch geringste Signaldämpfung bekommt man beim iPhone 4, wenn man es in ein Plastikgehäuse verpackt (7,2 db).

Dieses Szenario führt je nach Empfangsqualität zu unterschiedlichen Ergebnissen:

  • Wenn man direkt an einem nicht überladenen Funktmast steht, wird ein Verlust von -19,8 db subjektiv keine Beeinträchtigung der Empfangsqualität sowohl bei der Sprache als auch beim Daten-Download mit sich bringen. Nichtsdestotrotz ergeben Messungen der Cardiff University, dass die durchschnittliche Datenrate um Faktor 4 fiel, wenn das Gerät statt auf der flachen Hand zu liegen, mit der Hand umschlossen wurde.
  • Wenn man sich an seinem Standort dagegen in einem SNR-Bereich von -90 dbm befindet, was für eine "normale" Signalstärke steht, bringen 19,8 db Verlust als Ergebnis hingegen schon Datenverluste und einen zunehmenden Verlust der Sprachqualität mit sich. Messungen ergaben, dass die durchschnittliche Datenrate um Faktor 16 fiel.
  • Wenn man sich dagegen schon an einem Standort mit schlechter Signalqualität befindet, wo ein SNR von -100 dbm anliegt, ist das Ergebnis ein Verbindgungsverlust. Mann wird weder telefonieren können noch irgendwelche Daten übertragen.

Das Fazit ist daher folgendes: Während beim iPhone 3GS ein Plastikgehäuse, das ja das Design eines High-End-Smartphones nicht unbedingt aufwertet, den Empfang sogar noch verschlechtert, scheint es beim iPhone 4 die beste Möglichkeit zu sein, seinen Empfang zu maximieren. In der linken Hand gehalten, hat man beim iPhone 3GS noch fast 65 % seiner normalen Empfangsleistung, beim iPhone4 hingegen nur noch etwas mehr als 1/100. Wenn man das iPhone 4 fest mit einer Hand umschliesst, sinkt dieser Wert auf etwas mehr als 3/1000 des Ursprungssignals ab, gegenüber fast 4/100 beim iPhone 3GS.

Mit einem Software-Update wird Apple sicherlich die Balken-Anzeige an die tatsächliche Signalstärke anpassen, nicht aber das Design-Problem mit den Metallband-Antennen lösen können. So bitter es für Apple ist, weder E-Mails von Steve Jobs noch Briefe an die Kunden oder Software-Updates werden irgendetwas ändern, nur ein Hardware-Redesign wird letztendlich Abhilfe schaffen. Wie man es gut machen kann, zeigt ja das iPhone 3GS.