Location Services Navigation in Gebäuden gehört bald zum Alltag

Kanwar Chadha, SiRF-Technology-Gründer, ist sicher, das künftig die Navigation in Gebäuden auch ohne Satellitenempfang bis auf wenige Meter genau funktionieren wird.
Kanwar Chadha, SiRF-Technology-Gründer, ist sicher, das künftig die Navigation in Gebäuden auch ohne Satellitenempfang bis auf wenige Meter genau funktionieren wird.

Kanwar Chadha, der Gründer der bekannten GPS-Chip-Firma SiRF Technology, die seit längerem bereits in den CSR-Konzern eingegliedert ist, zeigt sich bezüglich neuer Navigations-Aufgaben optimistisch: vor allem im Automotive- und Social-Media-Sektor sollen Anwendungen dazu kommen. Und die Navigation in Gebäuden soll technisch massiv verfeinert werden.

SiRF Technology, bekannt durch seine sehr leistungsfähigen GPS-Chipsätze der SiRFstar-Familie, war im Herbst 2009 vom Kommunikations-Halbleitertechnik-Unternehmen CSR übernommen worden. Kanwar Chadha ist im dortigen Führungsgremium nun als Chief Marketing Officer tätig und koordiniert die Produkt-Philosophie des Konzerns vor allem unter Berücksichtigung der Satellitennavigationstechnik und der Synergie-Effekte mit der Audio- und Multimedia-Technik.

Er ist der Meinung, dass derzeit China der Markt ist, der in Bezug auf Wireless-Anwendungen, nicht zuletzt in Bezug auf die Integration von Navigationsfähigkeiten in alle Geräte, am meisten boomt.

Seiner Einschätzung nach wird der weltweite Smartphone-Sektor die dominierende Gerätekategorie für Navigationsanwendungen werden, der reine PND-Sektor (Personal Navigation Devices) wird nur einen kleinen Marktanteil für sich beanspruchen. „PNDs werden nur mit Zusatzfunktionen noch punkten können, beispielsweise mit Augmented Reality z.B. für Stadtführungen, oder auch mit Multimedia- und Entertainment-Fähigkeiten oder mit automatischer Spracherkennung“, so Chadha.

Diese Ansicht wird übrigens auch durch die Marktforscher von IHS-iSuppli gestützt, die den weltweiten Absatz von navigationstauglichen Smartphones und PNDs bis 2013 prognostizierten und die berechneten, dass in 2013 rund 436 Mio. GPS-Smartphones weltweit verkauft werden dürften. Nur rund 10 Mio. Stück werden demnach 2013 der PND-Kategorie zuzurechnen sein.

Neu entwickelt hat man jetzt unter Kanwar Chadhas Leitung bei CSR nun die hochempfindliche Mobil-Location-Plattform SiRFstar V plus SiRFusion zur hochgenauen Indoor-Navigation mit Smartphones und mit HF-Sniffing-Funktion sowie MEMS-Interfaces. Auch die Plattform SiRFprimaII und SiRFdrive zur Automobil-Navigation ist hinzugekommen. Alles unter der Prämisse des Ausnutzens der gesamten HF-Umgebung zur Positionsbestimmung.

Das überwiegende Anwendungsgebiet der Navigation wird nach Kanwar Chadha künftig der Social-Networking-Sektor sein, wobei die Lokalisierungsfunktionen z.B. von Freunden in sehr umfangreiche Multimedia-Inhalte eingebettet sein werden. Kommunikation und Navigation gehen dabei eine Synergie ein.

Die neuen Chip-Generationen sind, so Chadha, in der Lage, das amerikanische GPS-, das europäische Galileo-, das russische Glonass- und das chinesische Compass-Satellitennavigationssystem simultan als Single-Chip-CMOS-Lösungen nutzen zu können, bei weiter steigender HF-Empfindlichkeit. Dadurch steht künftig ein Vielfaches der heutigen Satellitenanzahl zur Positionsbestimmung zur Verfügung.

Ein Aspekt verdient nach Meinung von Kanwar Chadha jedoch besondere Beachtung: Die neuen Chipgenerationen erfassen und beobachten das gesamte HF-Spektrum von 800 MHz bis 2,5 GHz in ihrer jeweiligen Umgebung, sie ziehen daraus Schlüsse auf die Position und stellen ihre Betriebsarten darauf ein.

So deutet z.B. das Fehlen von Satellitensignalen bei gleichzeitig starken WLAN-oder Buetooth-Signalen darauf hin, dass man sich in einem Gebäude befindet. Die Abfrage z.B. der WLAN-Hotspot-Positionen aus einer Datenbank über das ebenfalls genutzte Mobilfunknetz wird dann eine äußerst genaue Positionsangabe ergeben. Man wird dabei sogar einzelen Stockwerke und fast meternegaue Präzision erreichen. Die Satellitennavigation könnte in diesem Fall auch abgeschaltet werden, was zusätzlich Strom sparen hilft.

„Und wenn die Signale aus der gesamten Hochfrequenz-Umgebung einmal nicht mehr zur Navigation ausreichen sollten“, so Kanwar Chadha, „dann nutzen die neuen Chip-Generationen sogar Mini-MEMS-Sensoren, um beispielsweise Bewegungen von der letzten HF-navigatorisch erfassten Position aus aufzuzeichnen, ähnlich wie dies heute schon die aufwendigen Radsensoren bei Tunnelfahrten im Auto machen – nur wird das dann alles extrem miniaturisiert und in ein Smartphone eingebaut sein. Beschleunigungs- und Gyro-Sensoren übernehmen dabei die Hauptaufgaben des Registrierens von Bewegungen. CSR geht mit den neuen Chip-Entwicklungen übrigens schon in die Richtung der Multimedia- und Location-Chipkombinationen.“

Smartphones mit diesen Eigenschaften erwartet der Navigations-Spezialist Kanwar Chadha übrigens für Mitte bis Ende 2012.

Und einen weiteren Trend für die Kombination aus Navigation und Kommunikation sieht der SiRF-Gründer in intelligenten Automotive-Netzen, bei denen kleine Funksysteme im Wagen, die natürlich ihre Position genau kennen, mit anderen Automobil-Funksystemen der Umgebung Kontakt aufnehmen und wichtige Daten, z.B. über den Straßenzustand, weiterfunken. Dabei wirken andere, gleichartige Auto-Funkstellen als Stafetten-Relaisstationen.