Kommentar Katzenjammer nach 5G-Mobilfunk-Auktion

Gerhard Stelzer Chefredakteur
Gerhard Stelzer, Chefredakteur Elektronik und Elektronik automotive.

Das haben sich die etablierten Mobilfunkbetreiber in Deutschland sicherlich anders vorgestellt. Nach einem Auktions-Marathon von 52 Tagen mit bemerkenswerten 497 Runden sind die Frequenzen für den 5G-Mobilfunk endlich versteigert.

Rund 6,55 Mrd. Euro spült die 5G-Mobilfunk-Auktion nun in die Kassen des Bundes. Viel zu viel, wenn es nach den Mobilfunkbetreibern geht.

Dabei hätten wohl die großen drei, Deutsche Telekom, Vodafone und die Telefónica-Tochter O2, weiterhin gerne für moderatere Lizenzgebühren ihr bequemes Dreier-Oligopol weiter gepflegt. Doch der Neuling 1&1 Drillisch ließ nicht locker und wollte im elitären Club der 5G-Mobilfunker dabei sein. Der neue Spielverderber dürfte letztlich den Preis deutlich nach oben getrieben haben. Für die Verbraucher sind mehr Mobilfunkbetreiber eine gute Nachricht, denn mehr Wettbewerb bringt meist niedrigere Gebühren. Davon ist auch der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann überzeugt: »Das Ende der Auktion ist zugleich der Startschuss für 5G in Deutschland. Ich freue mich, dass vier Unternehmen Frequenzen ersteigert haben und beim 5G-Netzausbau in Wettbewerb treten.«
Den größten Teil des Kuchens an Mobilfunkfrequenzen sicherte sich die Deutsche Telekom für 2,17 Mrd. Euro. »Wir haben das Spektrum erhalten, das wir wollten. Nach einer langen Auktion herrscht jetzt Klarheit«, erklärte Dirk Wössner, Vorstand der Telekom Deutschland. Dennoch hinterlässt die Auktion bei der Telekom einen bitteren Nachgeschmack: »Der Netzausbau in Deutschland hat einen deutlichen Dämpfer erhalten. Das Ergebnis hätte wesentlich günstiger ausfallen können. Auch diesmal ist das Spektrum in Deutschland viel teurer als in anderen Ländern. Das Geld fehlt den Netzbetreibern jetzt für den Netzausbau. Mit dem Auktionserlös hätte man ca. 50.000 neue Mobilfunk-Standorte bauen und viele weiße Flecken schließen können«, beklagte sich Wössner.

Sicherlich sind 6,55 Mrd. Euro viel Geld, aber ist es nicht reichlich übertrieben, wenn ein Konzern mit einem Jahresumsatz von 75,7 Mrd. Euro und einem EBITDA von 23,3 Mrd. Euro über Lizenzgebühren von 2,17 Mrd. Euro jammert, die ihm den Einstieg in die völlig neue fünfte Mobilfunkgeneration erlauben, mit bisher nicht dagewesenen technischen Möglichkeiten, von niedrigen Latenzzeiten über hohe Teilnehmerdichten bis hin zu höchsten Datenraten. Frequenzspektren sind ein knappes Gut. Warum sollte der Staat die vorhandenen Frequenzbänder exklusiv einzelnen Unternehmen zur Profiterzielung zu Dumping-Preisen zur Verfügung stellen? Dafür gibt es keinen Grund.

Mobilfunkbetreiber müssen Ihre finanziellen Grenzen kennen

Erinnern Sie sich noch an die Auktion der UMTS-Frequenzen im Jahr 2000? Rund 50 Mrd. Euro (knapp 100 Mrd. DM) sammelte der Bund damals ein. Das war eine irrwitzige Summe, die den Mobilfunkbetreibern damals tatsächlich die finanziellen Möglichkeiten nahm, zügig ein neues Netz aufzubauen. Der UMTS-Start wurde zum Flop. Doch davon sind wir heute weit entfernt. Die vier Auktionsteilnehmer operieren ja alle nicht im luftleeren Raum, sondern im gleichen Markt. Sie sollten kalkulieren können, wie weit sie in der Auktion mitbieten können und zwar unter der Prämisse, dass es zur Erfüllung der Versorgungsauflagen der Bundesnetzagentur reicht. Erfolgreiche Bieter müssen bis Ende 2022 jeweils 98 Prozent der Haushalte je Bundesland und alle Bundesautobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen und Schienenwege mit mindestens 100 Mbit/s versorgen. Bis Ende 2024 sollen alle übrigen Bundesstraßen mit mindestens 100 Mbit/s, alle Landes- und Staatsstraßen, die Seehäfen und wichtigsten Wasserstraßen und alle übrigen Schienenwege mit mindestens 50 Mbit/s abgedeckt sein. Dafür muss noch keine einzige 5G-Basisstation installiert werden, es reicht zunächst 4G/LTE-Technik.
Für Neueinsteiger, konkret 1&1 Drillisch, gelten entspanntere Versorgungsauflagen. In der ersten Phase müssen diese lediglich 25 Prozent der Haushalte in Deutschland erreichen, bis 2025 dann 50 Prozent. Nach Branchenschätzungen würde es genügen, dafür rund 40 Städte mit LTE abzudecken.
Bleibt noch die Frage nach den »weißen Flecken«. Diese machen zwar wohlgemerkt nur zwei Prozent der Bevölkerung aus, aber flächenmäßig ein Vielfaches. Hier sollten die Mobilfunkbetreiber zusammenarbeiten, anstatt, dass jeder sein eigenes Netz aufbaut. Entweder mit einer gemeinsamen eigenen Betreibergesellschaft oder mit regionaler Aufteilung auf die Betreiber. Dann würde sich das Investitionsvolumen auf bis zu vier Schultern verteilen. Katzenjammer ist hier wirklich fehl am Platz.