Apples Quartalzahlen lassen Aktienkurs einbrechen iWatch-Zahlen können Börsianer nicht überzeugen

Die vom Elektronikkonzern Apple präsentierten Quartalszahlen haben trotz 47,5 Mio. verkaufter iPhones den Aktienkurs zeitweise um 8 Prozent einbrechen lassen. Der Grund: Die iWatch könnte sich tatsächlich zu dem prognostizierten iFlop entwickelt haben, genaue Zahlen gibt es nicht.

Das iPhone bleibt Apples Lizenz zum Gelddrucken. Das erfolgreichste Handy aller Zeiten verkaufte sich im abgelaufenen Quartal 47,5 Mio. Mal – ein Plus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von über 650 Dollar steht hiermit alleine ein Umsatz von 31,4 Mrd. Dollar zu Buche.

Auch sonst liefert der Hightech-Riese auf den ersten Blick starke Zahlen: Der Umsatz kletterte um knapp ein Drittel auf 49,6 Mrd. Dollar, der Gewinn sogar um 38 Prozent auf 10,68 Mrd. Die Geldbestände sind auf geradezu unfassbare 202,8 Mrd. Dollar gewachsen, was bedeutet, dass Apple theoretisch gemessen an ihren Marktkapitalisierungen Daimler und Siemens im Paket kaufen könnte - oder auch IBM, Walt Disney oder die Citigroup.

Extrem gut liefen auf die Mac-PCs: Im Gegensatz zum erodierenden Windows-PC-Markt konnte Apple 10 % mehr Geräte verkaufen als im Vorjahr (konkret 4,8 Mio. Stück) und damit 6 Mrd. Dollar Umsatz in die Kasse spülen.

Es gibt allerdings auch Schattenseiten in den präsentierten Zahlen. Der iPad-Absatz sank im Vergleich zum Vorjahr um 23 % auf 10,9 Mio. Einheiten, was Apple weitere Marktanteile gegenüber der Android-Konkurrenz kosten wird. Der Umsatz beläuft sich hier auf 4,5 Mrd. Dollar.

Keine Zahlen für die iWatch - ein Blick hinter die Kulissen

Bedenklich hat die Analysten vor allen Dingen die Tatsache gestimmt, dass Apple keine Verkaufszahlen für die in diesem Quartal erstmals verkaufte iWatch veröffentlicht hat. Die Uhr wird stattdessen in der Kategorie "andere Produkte" zusammen mit iPods, Apple-TV und dem ganzen Zubehör wie Handy-Hüllen aufgeführt. Mit 2,641 Mrd. Dollar wurden 952 Mio. Dollar mehr erlöst als im Vorjahr.

Allerdings erklärte CEO Tim Cook,  der Umsatz der iWatch sei höher, da die Umsätze mit dem iPoad rückläufig sein. Zudem sei der Start besser als beim iPad, von dem innerhalb der ersten 60 Tage 2 Mio. Stück abgesetzt werden konnten.

Nichtsdestotrotz können selbst in einem für Apple kalkulierten Best-Case-Szenario, das vollkommen unrealistisch sein dürfte, die iWatch-Verkäufe nicht einmal die pessimistischsten Annahmen - diese lagen bei den Börsianern im Schnitt bei 4,2 Mio. verkauften Geräten - erreicht haben.

Wenn man nämlich annehmen würde, dass von den 2,641 Mrd. Dollar Umsatz ganze 2 Mrd. von der iWatch kommen (was vollkommen übertrieben ist, wenn die iPod-Verkäufe nicht um 90 % gegenüber dem Vorjahr eingebrochen sind) und wenn man weiterhin einen durchschnittlichen Verkaufspreis von nur 500 Dollar annehmen würde (dieser dürfte in der Realität höher liegen), käme man gerade einmal auf 4 Mio. verkaufte Uhren.

Anders formuliert: Nicht einmal jeder 10. Käufer eines neuen iPhones im abgelaufenen Quartal hätte sich in diesem für die iWatch extrem positiven Szenario rechnerisch auch die iWatch dazugekauft, von der gigantischen installierten iPhone-Basis im Umfang von mehr als 450 Mio. Geräten ganz zu schweigen. Bezogen auf alle derzeitigen iPhone-Besitzer auf dem Planeten, die ihr Gerät aktiviert haben, haben selbst bei diesen optimistischen Annahmen somit bislang weniger als 1 Prozent eine iWatch gekauft.

Diese Berechnungen haben wohl auch diverse Börsinaner angestellt, um daraus ihre Schlüsse zu ziehen, in wieweit Apple in der Lage ist, eine neue innovative Produktkategorie zu entwickeln und zu verkaufen: Apples Aktienkurs gab zeitweise um 8 % nach.