Kommentar — Lokale 5G-Frequenzgebühren Industrie freut sich über vorgezogenes Weihnachtsgeschenk

Gerhard Stelzer, Editor-at-Large der Elektronik und Elektronik automotive
Gerhard Stelzer, Editor-at-Large der Elektronik und Elektronik automotive

Seit die Bundesnetzagentur Mitte 2019 die Funkfrequenzen für 5G versteigert hatte, wurde die deutsche Industrie nicht müde, zwei Dinge von der Politik zu fordern: Eine zügige Vergabe und moderate Preise. Warum sich die Industrie nun freuen kann, lesen Sie in diesem Kommentar.

Ein wesentlicher Grundpfeiler für Industrie 4.0 wird die fünfte Mobilfunkgeneration (5G) sein und dabei interessiert sich die deutsche Industrie insbesondere für lokale »Campusnetze«. Denn die 5G-Technik verspricht unter anderem niedrige Latenzzeiten, hohe Datenraten sowie hohe Sicherheit und Robustheit.

Im Anschluss an das Ende der Auktion der bundesweiten 5G-Frequenzen Mitte 2019 hatten die vier Industrieverbände VCI (Verband der Chemischen Industrie), VDA (Verband der Automobilindustrie) sowie der VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) und ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie) unisono gefordert, »dass die Bundesnetzagentur schnellstmöglich die Vergabebedingungen für die lokalen Frequenzen im Bereich von 3,7 bis 3,8 Gigahertz bekannt gibt.«

Dabei machten die vier Verbände zu Recht darauf aufmerksam, dass »die lokale Nutzung von Frequenzen für die deutsche Industrie kein Geschäftsmodell, sondern Voraussetzung ist, um Leitmarkt und Leitanbieter für industrielle 5G-Anwendungen werden zu können.«

Nun handelt es sich bei Frequenzen um ein knappes Gut, deren Nutzung nicht völlig kostenlos sein darf. Darüber hinaus ist auch wichtig, dass diese Frequenzen genutzt werden und nicht zum Spekulationsobjekt verkommen. Deshalb sind Auflagen unvermeidbar.

Moderates Gebührenmodell

Gleich einem vorgezogenen Weihnachtsgeschenk hat nun die Bundesnetzagentur (BNA) die 5G-Frequenzgebühren für den Frequenzbereich von 3,7 bis 3,8 GHz veröffentlicht. Die Höhe der Gebühr hängt von der zugeteilten Bandbreite, der Laufzeit sowie der Fläche des Zuteilungsgebietes ab.

Das Interesse der Industrie an 5G ist groß, wie eine kürzlich erfolgte Umfrage des VDMA ergeben hat: Mit einer großen Mehrheit von 69 Prozent planen Maschinen- und Anlagenbauer, ihre Produkte mit einer 5G-Schnittstelle auszurüsten. 35 Prozent der Befragten planen, ein Campusnetz einzuführen. Noch Anfang Oktober äußerte der VDMA Befürchtungen: »dass eine schnelle Eröffnung der Frequenzvergabe als unwahrscheinlich gilt, da das Finanzministerium die fünffache Gebühr im Vergleich zum bisherigen Entwurf der Gebührenordnung von der Bundesnetzagentur fordert.« Die Gebührengestaltung dürfe nicht dazu führen, dass eine prohibitiv hohe Eintrittsbarriere in 5G für den innovativen Mittelstand errichtet wird, welche die Innovationskraft hiesiger Wertschöpfungsketten und den Standort Deutschland hemmen würde.

Dr. Reinhard Heister, Geschäftsführer VDMA Elektrische Automation, zeigte sich nun auf Nachfrage angesichts der von der BNA veröffentlichten Frequenzgebühren erleichtert und begrüßt die Regelung, denn sie liege jetzt beim eineinhalb- und nicht beim fünffachen der Gebühren.

Damit stellt die BNA mehr Planungssicherheit für Industriebetriebe her. Dass dieses Thema nun endlich abgeräumt wurde, dürfte der Automatisierungsmesse SPS, die in gut zwei Wochen in Nürnberg stattfindet, Rückenwind verleihen. Die Elektronik ist übrigens auch auf der Messe, mit dem »Automation 4.0 Summit« und am Stand der WEKA Fachmedien in Halle 7A-300.