Kommentar Hannover Messe – Industrie besetzt 5G

Auf der Hannover Messe 2019 nimmt 5G erstmals breiten Raum ein.
Auf der Hannover Messe 2019 nimmt 5G erstmals breiten Raum ein.

Schon viel zu lange wird über die fünfte Mobilfunkgeneration gesprochen, aber offensichtlich hapert es bislang an der Umsetzung. Auf der diesjährigen Hannover Messe scheint Bewegung in das Thema 5G gekommen zu sein. Dort heißt es »Industrie 4.0 braucht 5G«.

Die Industrie wartet offenbar nicht nur sehnsüchtig auf 5G, sondern möchte die neue fünfte Mobilfunkgeneration auch aktiv mitgestalten. Auf der Hannover Messe (HM) sieht man im Gegensatz zu den früheren Mobilfunkgenerationen nicht Consumer und Smartphone-Nutzer an vorderster Stelle der Anwender. Die könnten durchaus auch noch eine Weile mit 4G bzw. LTE leben, ist man dort überzeugt. Vielmehr besitze 5G das Potential völlig neue Anforderungen in der Automation zu erfüllen. Dieser hohe Stellenwert für die Industrieautomatisierung spiegelt sich in der 5G-Arena auf der HM wider, wo es an fünf Tagen um nichts anderes als den Einsatz von 5G abseits der Smartphone-Nutzer ging.

Außerdem kündigte die Deutsche Messe als wohl erste und bislang einzige Messegesellschaft der Welt an, ihr Gelände mit einer flächendeckenden 5G-Infrastruktur auszustatten. Damit soll sich das 100 Hektar große Ausstellungsgelände sukzessive zu einem innovativen Multifunktions-Campus weiterentwickeln, der an 365 Tagen als Testfeld für 5G-Echtzeit-Anwendungsfälle zur Verfügung steht. Für Herbst 2020 soll zudem noch eine neue 5G-Messe an den Start gehen: die 5G CMM Expo.

Gartner: IoT-Kommunikation an erster Stelle

Im vergangenen Jahr untersuchte das Marktforschungsunternehmen Gartner das Thema »5G Anwendungsfälle und Adaption«, bei dem 185 Unternehmen in einer nicht-repräsentativen Studie befragt wurden. Ergebnis der Studie war, dass an erster Stelle das Internet der Dinge von der 5G-Einführung profitieren werde. Zwei Drittel der befragten Unternehmen wollen bis 2020 IoT-Anwendungen auf Basis von 5G entwickeln. Dabei sind die wichtigsten Anwendungen:

  • Die Kommunikation mit IoT-Geräten (59 %)
  • Video-Übertragungen einschließlich AR und VR (53 %)
  • Fernsteuerung und Automation
  • Stationäres kabelloses Breitband und
  • Rechenintensive Analysen per Edge-Computing

Sylvain Fabre, Autor der Studie bei Gartner, war vom hohen Stellenwert der IoT-Kommunikation überrascht, da es mit LTE-M und NB-IoT bereits verfügbare Alternativen bei niedrigeren Datenraten gebe.

5G -- durchsatzstark, echtzeitfähig, energieeffizient

Allerdings bietet 5G eine Reihe von Leistungsmerkmalen, die bisherige Technologien deutlich in den Schatten stellen: Mit bis zu 20 Gbit/s lassen sich die möglichen Datenraten um zwei Größenordnungen steigern. Latenzzeiten von bis zu 1 ms ermöglichen erstmals Echtzeit-Anwendungen über Mobilfunk. Dank eines reduzierten Energiebedarfs sind Batterielaufzeiten von bis zu 10 Jahren möglich. In 5G-Netzen sollen zudem pro Quadratkilometer bis zu eine Million Endgeräte senden und empfangen können. Höchste Zuverlässigkeit des Übertragungskanals erlaubt komplexe industrielle Anwendungen, die bisher so nicht möglich waren. Denn während eine 4G/LTE-Antenne nur vier Sende- und Empfangseinheiten umfasst, sind es bei 5G vierundsechzig, die eine viel gezieltere und engmaschigere Signalversorgung sicherstellen. Dies sorgt für stabilere Verbindungen, die kaum mehr abreißen und für drastisch niedrigere Reaktionszeiten im Datenverkehr.

Kein Wunder also, dass die Protagonisten von Industrie 4.0 zum engsten Fanclub von 5G zählen, während klassische Mobilfunknutzer nicht über 4G/LTE klagen, solange es abseits von Funklöchern verfügbar ist. Aber es gibt noch einen glühenden Anhänger von 5G jenseits der Industrieautomatisierung: die Automobilindustrie. Denn ohne 5G wird es auch kein autonomes Fahren geben.