Kommentar Geld regiert die Welt – und die Apps

Der Betriebssystemmarkt von Mobilgeräten wird durch Googles Android und Apples iOS dominiert – jeweils 400.000 Apps kann der geneigte Nutzer installieren. Was beide bei aller Rivalität gemeinsam haben: Sie laufen auf ARM-CPUs. Intel und MIPS würden gerne ein Teil vom Mobil-Kuchen abhaben – aber nur einer wird Erfolg haben können.

Wer ein Smartphone oder Tablet kauft, kauft ARM. Egal, wie heftig sich die Lizenznehmer Qualcomm, Texas Instruments, Samsung oder Nvidia bekämpfen, einen Gewinner gibt es immer: ARM-CEO Warren East, dessen Firma allen genannten Kampfhähnen die Prozessor-IP verkauft. 785 Mio. Dollar setzte ARM im Geschäftsjahr 2011 um, 24 % mehr als im Vorjahr, der Marktanteil im Mobilsektor beträgt mittlerweile 95+X %.

Intel stellte kürzlich auf der CES ein SoC mit der Bezeichnung Z2460 (Codename “Medfield”) vor, mit dem der weltgrößte Chip-Hersteller Qualcomm & Co. richtig einheizen will – in der Tat sehen die technischen Daten nicht schlecht aus. MIPS hat in China einen kleinen Hersteller mit dem Namen Ingenic gefunden, der einen Low-Cost-Applikations-Prozessor mit der Bezeichnung JZ4770 für den chinesischen Markt entwickelt hat.

Ein Prozessor, egal von Intel oder MIPS, bringt ohne Software herzlich wenig. Die Portierung des OS und eines Web-Browsers ist mit Unterstützung des Herstellers relative einfach. Intel hat Android 4.0. bereits auf Medfield vorgeführt und der Tablet-Hersteller Ainol verkauft in China bereits ein 7-Zoll-Gerät mit dem Ingenic-Chip.

Die große Herausforderung besteht in der Anwendungs-Infrastruktur. Android-Apps werden in der Regel in Java entwickelt und laufen auf Dalvik, einer virtuellen-Open-Source-Maschine, die Teil von Android selbst ist. Wenn also eine App komplett in Java entwickelt ist, läuft sie auf ARM, x86, MIPS oder was auch immer.

Tragischerweise nutzen aber rund 10 % aller Android-Apps meist aus Geschwindigkeitsgründen Sub-Routinen, die in Maschinencode entwickelt wurden. Dieser aus ARM-Instruktionen bestehende Code läuft weder auf x86 noch auf MIPS.

Intels Lösungsansatz ist einfach: Geld. Schon vor der Vorstellung von Medfield arbeitete Intel mit dutzenden App-Entwicklern zusammen um diese bei der Portierung von ARM- auf x86-Code zu unterstützen. Da die Entwickler natürlich kaum motiviert sein dürften, Code für eine Architektur mit einer Installation-Basis von 0 Geräten zu entwickeln, ist anzunehmen dass sie von Intel – drücken wir es vorsichtig aus – eine gewisse Unterstützung erfahren haben.

Da selbst Intel nicht die Umsetzung von 40.000 Apps bezahlen will, hat man noch einen ARM-Emulator für x86 entwickelt. Damit sollten zwar alle Apps laufen, die Frage ist, wie schnell sind sie auf dem Emulator im Vergleich zum Original-ARM-Prozessor. Hoffnung macht eine Demo von “Angry Birds” auf Medfield, einer sehr ressourcenfressenden Spiele-App, die besser lief als erwartet.

MIPS hat sich auf China fokussiert, wo Ingenic angesiedelt ist. Der Umsatz von MIPS beträgt eine Größenordung, welche in der Intel-Bilanz wohl als Rundungsfehler auftauchen würde. Nichtsdestotrotz sagt MIPS selbst, “sehr stark” in die Portierung der am weit verbreitetsten Android-Apps in China auf die eigene Plattform zu investieren. Aktuell hat man einige Dutzend Software-Partner gewonnen. Daneben gibt es einen MagicCode genannten Open-Source-Emulator, die allerdings nicht offiziell unterstützt wird.

Selbst wenn in China mehr Smartphones als sonstwo auf der Welt verkauft werden, bedeutet MIPS’ Fokussierung auf China, dass 85 % des Weltmarktes außen vor bleiben. Offenbar hofft man, in China Fuß zu fassen und von dort sein Geschäft ausdehnen zu können.

Ingenic baut Prozessoren für Tablets, die weniger als 100 US-Dollar kosten. Dass Käufer von derart billigen Geräten ggf. nicht eine 100% Android-App-Kompatibilität erwarten, mag sein. Wer allerdings das meiste aus seinen Tablets rausholen möchte, dürfte nachwievor ARM oder aber auch Intel bevorzugen. Im Vergleich zu MIPS kann Intel nämlich auf ein vielfach größeres Ecosystem zurückgreifen, auf das man auch für Mobilgeräte zurückgreifen kann.

Wenn daher wirklich in absehbarer Zeit ein Herausforderer am ARM-Kuchen knabbern kann, dann Intel. MIPS wird nach meiner Überzeugung wegen limitierter Ressourcen zumindest in den nächsten Jahren selbst in China ein Nischenanbieter bleiben.