Funkanlagenrichtlinie (RED) EU knüpft sich rekonfigurierbare Funksysteme vor

Wie sollen Hersteller die Konformität von rekonfigurierbaren Funktransceivern bei Software-Updates künftig nachweisen?
Wie sollen Hersteller die Konformität von rekonfigurierbaren Funktransceivern bei Software-Updates künftig nachweisen?

Funknetzwerke sind eine elementare Voraussetzung für IoT-Applikationen. Nun bereitet die EU-Kommission die Regulierung für »Reconfigurable Radio Systems (RRS)« vor, dem Grundstein heutiger IoT-Funkknoten.

Entsprechend Artikel 3 (Grundlegende Anforderungen) der Funkanlagenrichtlinie (RED – Radio Equipement Directive) – exakt: Richtlinie 2014/53/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. April 2014 über die Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Bereitstellung von Funkanlagen auf dem Markt und zur Aufhebung der Richtlinie 1999/5/EG – ist die Kommission befugt, die »Kategorien oder Klassen von Funkanlagen« festzulegen. Damit verbunden ist die Definition, wie die einzelnen Kategorien oder Klassen von den Anforderungen des Artikels 3.3 a bis i betroffen sind.

Verbunden mit Artikel 4 (Bereitstellung von Informationen über die Konformität von Kombinationen aus Funkanlagen und Software) ergibt sich daraus mehr oder weniger Aufwand für die Dokumentation und den Konformitätsnachweis.

Zwar suggeriert der Name der Richtline, dass als Objekt primär Funkanlagen von ihr betroffen werden, allerdings sind alle Anwendungen mit Funkschnittstelle als Funkanlage im Sinne der Richtlinie anzusehen – vom SoC mit Funktransceiver über Funkmodule und Funksensorknoten bis zu Endgeräten.

EU-Kommission befragt Stakeholder um Folgen abschätzen zu können

Es ist ein Vorteil der europäischen Vorgehensweisen, dass Anspruchsgruppen (Stakeholder) im Prozess der Entscheidungsfindung befragt werden und Informationen auf den Servern der Kommission veröffentlicht werden. In diesem Verfahren können sich Unternehmen beispielsweise, über Verbände wie den ZVEI einbringen, sie können aber auch selbst aktiv werden.

Insoweit handelt Europa vorbildlich transparent – Interessenten müssen sich lediglich die Mühe machen, die Informationen auf den Websites zu finden. Unternehmen, die in einem Verband organisiert sind, können hier von den Dienstleistungen des jeweiligen Verbandes profitieren und müssen nicht selbst nach den Informationen suchen.

Wie soll Konformität bei Softwareänderungen gewahrt werden?

Die EU-Kommission schlägt fünf Optionen zur Diskussion vor:

  • Option 0, Basisszenario: eine Situation, in der die Hersteller nicht verpflichtet sind, spezifische Maßnahmen durchzuführen, wie es derzeit der Fall ist;
  • Option 1, eine Situation, in der die Industrie sich selbst reguliert, um sicherzustellen, dass in Funkgeräte hochgeladene Software die anfängliche Konformität nicht gefährdet;
  • Option 2, Annahme eines delegierten Rechtsakts gemäß Artikel 4 der RED. Dies erfordert, dass die Hersteller von Funkanlagen und von Software, die eine bestimmungsgemäße Nutzung von Funkanlagen ermöglicht, den Mitgliedstaaten und der Kommission Informationen über die Konformität geplanter Kombinationen von Funkanlagen und Software zur Verfügung stellen, bevor die Software in Funkanlagen hochgeladen werden kann;
  • Option 3, Annahme eines delegierten Rechtsakts gemäß Artikel 3 Absatz 3 Buchstabe i der RED. Dies setzt voraus, dass die Funkausrüstung bestimmte Funktionen unterstützt, um sicherzustellen, dass Software nur dann in die Funkausrüstung geladen werden kann, wenn die Konformität der Kombination von Funkausrüstung und Software nachgewiesen wurde, und diese Anforderung muss für die Zwecke des Marktzugangs nachgewiesen werden;
  • Option 4, Annahme eines delegierten Rechtsakts sowohl nach Artikel 3 Absatz 3 Buchstabe i der RED als auch nach Artikel 4 der RED. In diesem Fall müssen beide Anforderungen der Optionen 2 und 3 für die Zwecke des Marktzugangs nachgewiesen werden.

Mit den Optionen verknüpft sind unterschiedlich hohe Aufwände, die ein Hersteller für die Dokumentation und die Bestätigung der Konformität treiben muss – vom Prinzip der Freiwilligkeit bis hin zur verpflichtenden Konformitätsprüfung durch akkreditierte Labore, für jedes Software-Update.

Die Optionen sollen unterschiedlich auf die 16 Klassen angewendet werden, in die Funkanlagen eingeteilt werden. Für »(radio) IoT« (Klasse 16) ist beispielsweise Option 4 vorgesehen. »Short Range Devices« wie RFID (Klasse 5) dagegen würden mit Option 0 bedacht.

Mitmachen und die Chance auf Mitbestimmung nutzen

Die Befragung der EU-Kommission zu den rekonfigurierbaren Funksystemen läuft online bis zum 22. Mai 2020. Auf der Website der EU-Kommission sind auch alle Hintergrundinformationen, zum aktuellen Verfahren und der RED zusammengefasst.

Der Fragebogen »Targeted consultation questionnaire on Reconfigurable Radio Systems (RRS)« mit 50 Fragen kann online beantwortet und auch als PDF abgerufen werden.