Studie zur Privatsphäre im Internet Der Feind in der Hosentasche

Besonders für »Digital Natives« – Menschen die frühestens 1980 geboren wurden – ist das Smartphone und damit auch das Internet ein ständiger Begleiter.
Besonders für »Digital Natives« – Menschen die frühestens 1980 geboren wurden – ist das Smartphone und damit auch das Internet ein ständiger Begleiter.

Laut der Studie von TNS Emnid nutzt ein Großteil der Deutschen das Internet hauptsächlich zur Informationsbeschaffung. Es gibt jedoch auch viele, die online shoppen, Überweisungen tätigen oder Reisen buchen - und somit ihre privaten Daten preisgeben. Wie bedeutet das für die Online-Privatsphäre?

Das Smartphone ist ein Statussymbol geworden. Besonders für Menschen, die frühestens 1980 geboren sind und digitale Geräte als Selbstverständlichkeit betrachten. Somit ist auch das Internet für viele ein ständiger Begleiter geworden. Doch 74 Prozent aller Deutschen sehen ihre Online-Privatsphäre durch die Nutzung digitaler Geräte bedroht. Die Mehrheit davon lebt in Berlin (81 Prozent), dicht gefolgt von Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen mit 78 Prozent und Nordrhein-Westfalen mit 76 Prozent.
Doch warum? Zwei Drittel geben an, dass sie ein allgemeines Misstrauen gegenüber Online-Sicherheit haben. Mehr als jeder zweite Deutsche möchte seine Privatsphäre im Netz aufgrund der vermehrten Berichterstattung in den Medien über Datendiebstahl schützen. 41 Prozent sehen den Hackerangriff auf die Bundesregierung 2015 als Anlass, verstärkt die eigene Online-Privatsphäre zu schützen. Auch Vorfälle aus dem familiären Umfeld oder Freundeskreis verleiten dazu, sich vorsichtiger im Internet zu bewegen.
Jeder dritte Deutsche kennt mindestens ein Cybercrime-Opfer – 53 Prozent davon leben in Berlin – oder ist bereits selbst Opfer geworden. In der Altersgruppe von 14-29 Jahren sind es sogar 47 Prozent. Das Online-Verhalten der Deutschen spiegelt solche Ängste jedoch nur teilweise wieder.

Leichtsinnig trotz Angst

Zwar ist den Deutschen die eigenen Online-Privatsphäre sehr wichtig, doch mit der Online-Privatsphäre anderer nehmen sie es nicht so genau: 40 Prozent geben an, schon einmal die Daten von anderen Personen genutzt zu haben. Dazu zählen Passwörter, Kreditkartennummern sowie Fotos und Videos von anderen Personen in Social Media oder Namen einer anderen Person. Unter den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 65 Prozent. 27 Prozent der Deutschen haben bereits Passwörter des Partners beziehungsweise der Partnerin oder andere Familienmitglieder verwendet. Unter den 14- bis 29-Jährigen sogar fast jeder Zweite.
78 Prozent der Deutschen schützen ihre Online-Privatsphäre aktiv. Aber nur 18 Prozent der Deutschen nutzen VPN, um ihre Online-Privatsphäre zu schützen. Dabei bieten VPNs einen Schutz, der Kriminelle hindert, persönliche Passwörter, Kontonummern oder Kreditkarteninformationen zu stehlen. Laut Danvers Baillieu, COO von Hide my Ass! (HMA!) ist die Privatsphäre – ob nun in der realen oder der digitalen Welt – für die Deutschen aufgrund aktueller und historischer Ereignisse sehr wichtig. Trotzdem zeigt die Studie, dass viele ihre Privatsphäre nicht ausreichen schützen und die bestehenden Möglichkeiten nicht wahrnehmen.