Kommunikationsnetze Das zentrale Nervensystem der Digitalisierung

Dr. Ulf Lange, Leiter des Referats Kommunikationssysteme, IT-Sicherheit am BMBF: "Netzwerke sind das zentrale Nervensystem der Digitalisierung".
Dr. Ulf Lange, Leiter des Referats Kommunikationssysteme, IT-Sicherheit am BMBF: "Netzwerke sind das zentrale Nervensystem der Digitalisierung".

Das ZDKI-Forschungsprogramm wird vom BMBF gefördert. Im Interview mit Elektronik erklärt Dr. Ulf Lange, Leiter des Referats Kommunikationssysteme, IT-Sicherheit im BMBF, welches Ziel das Ministerium damit verfolgt und welche Bedeutung es für die Fabrik der Zukunft hat.

Elektronik: Herr Lange, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Forschungsprogramm ZDKI mit insgesamt 40 Millionen Euro. Warum?

Dr. Ulf Lange: Voraussetzung für Industrie 4.0 ist die hochflexible, schnelle und vor allem sichere Vernetzung von Sensoren, Maschinen und Prozessen. Das ist nur durch innovative Funktechniken zu lösen und nicht wie bisher durch kabelgebundene Kommunikation. Denken Sie nur an selbstständig agierende Roboter, die sich frei in der Fabrik bewegen, oder an rotierende Komponenten von Werkzeugmaschinen, die melden, wenn das Lager defekt ist – und zwar bevor teure Schäden entstehen.
Das BMBF hat die Bedeutung der funkbasierten Vernetzung für die Umsetzung von Industrie-4.0-Anwendungen schon frühzeitig erkannt und Anfang 2015 den Forschungsschwerpunkt „Zuverlässige drahtlose industrielle Kommunikation (ZDKI)“ gestartet. In den insgesamt acht Projekten arbeiten Forscher aus Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Industrie eng zusammen, um alltagstaugliche Lösungen insbesondere auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bereitzustellen. Damit leistet das Programm einen ganz entscheidenden Beitrag zur Realisierung von Industrie 4.0 in Deutschland und darüber hinaus.

Elektronik: Was ist das Ziel des ZDKI-Forschungsprogramms?

Dr. Lange: Deutschland ist im Anlagenbau und in der Automatisierungstechnik weltweit führend. Ziel von ZDKI ist es, aufbauend auf diesen Kompetenzen, den nächsten Schritt Richtung intelligenter Fabrik der Zukunft zu realisieren. Das ist technisch extrem anspruchsvoll und die Konkurrenz aus den USA und aus Asien ist uns bereits auf den Fersen. Daher hat das BMBF die wichtigsten Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft in Forschungsprojekten zusammengebracht, um unsere Spitzenposition zu halten und weiter auszubauen. Wichtig ist dabei vor allem der enge Austausch zwischen Elektrotechnik, Maschinenbau und IKT. Dies war zunächst eine große Herausforderung – die Forscher mussten erst einmal eine gemeinsame Sprache entwickeln. So versteht ein Maschinenbauer unter Reaktionsschnelligkeit etwas ganz anderes als ein Softwareentwickler. Das klappt nach einigen Anlaufschwierigkeiten mittlerweile aber sehr gut.

Aus innovationspolitischer Perspektive ist für das BMBF entscheidend, dass die neuen im ZDKI-Programm entwickelten Techniken und Prozesse auch den kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommen. Für sie bietet die Digitalisierung die große Chance, sich mit hochinnovativen Funktechniken im internationalen Wettbewerb erfolgreich zu behaupten. Somit leistet das ZDKI-Programm einen Beitrag, den Wirtschaftsstandort Deutschland zukunftssicher aufzustellen.

Elektronik: Wie geht es weiter? Baut das BMBF sein Engagement in Sachen Industrie 4.0 aus?

Dr. Lange: Netzwerke sind das zen¬trale Nervensystem der Digitalisierung. Eine wichtige Rolle wird hierbei dem kommenden Mobilfunkstandard 5G zufallen. Daher ist der ZDKI-Forschungsschwerpunkt auch nur der Auftakt unserer Forschungsinitiative „Industrielle Kommunikation der Zukunft“. Anfang 2017 hat das BMBF zu den Themen „5G: Industrielles Internet“ sowie „5G: Taktiles Internet“ zwei weitere Forschungsschwerpunkte gestartet. Gemeinsam mit dem ZDKI-Programm ist es das Ziel der beiden neuen Schwerpunkte, die Entwicklung eines 5G-Ökosytems voranzubringen, von dem der gesamte Bereich Industrie 4.0 – Stichwort Internet of Things – profitieren wird. Mit diesem neuen Maßnahmenpaket baut das BMBF sein Engagement im Bereich Industrie 4.0 deutlich aus.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Lange  (Elektronik).