Besserer Netzzugang Breitband-Internet: Satellitentechnik weiter optimiert

Derzeit haben in Europa von rund 170 Mio. Haushalten immer noch etwa 6 Prozent keinen vernünftigen Breitband-Internetzugang. Neue Satelliten-Technologien sollen hier helfen.

Allein 1,3 Mio. Haushalte in Deutschland haben laut dem jüngsten Breitbandatlas vom Dezember 2009 keine Zugangsmöglichkeit zu einem Breitbandanschluss mit mindestens 1 Mbit/s. Die Dunkelziffer ist nach Einschätzung von Fachleuten sogar noch deutlich größer. Viele Landgemeinden hängen gar noch am Tröpfel-ISDN mit 64 kbit/s. In vielen Ländern Europas sieht es nicht viel anders aus, wenngleich z.B. Österreich technologisch weiter ist als Deutschland, wo man bereits VDSL2 einsetzt.

Die Satellitenindustrie kann diese Situation lindern - und sie tut dies auch schon seit längerem. Man ist dabei allerdings schon von dem früheren Modell mit Telefonleitungs-uplink-Rückkanal abgekommen, der ja äußerst umständlich war. Denn die Boden-Modems mit ihren Sendern sind mittlerweile so leistungsfähig, dass auch der direkte uplink zum Erdtrabanten problemlos in High-speed gelingt. Das Ganze mit Satellitenschüsseln von 60 cm bis 1 m Durchmesser.

Die Eutelsat Communications und ViaSat Inc., ein weltweit aktiver Anbieter innovativer Satelliten-Netzwerksysteme aus den USA, stellen mit »Tooway« über ein Netz von 58 Partnern jetzt ein neues Zwei-Wege-Breitbandsystem für Endverbraucher in  Deutschland und 25 weiteren europäischen Ländern bereit. Mit dabei ist die Eutelsat-Breitbandtochter Skylogic.

Die Hardwarekosten des Tooway-Dienstes, der im downlink bis max. 3600 kbit/s und im uplink bis max. 384 kbit/s arbeitet, sollen deutlich unter den bisherigen Kosten professioneller Breitbandzugangssysteme liegen. Genutzt werden Ka-Band-Frequenzen auf dem Eutelsat-Satelliten HOT BIRD 6 (Position: 13 Grad Ost), außerdem Ku-Band-Kapazitäten auf dem Satelliten EUROBIRD 3 (Position 33 Ost). Die für den Dienst benötigten Hub-Services erbringt Skylogic über den »Teleport SkyPark« in Turin.

Die Hardware des Tooway-Systems besteht aus einer 68-cm-Satellitenantenne für das Ka- Band bzw. einer 1-m-Antenne für das Ku-Band sowie dem LNB. Zudem gehört ein 2-W-Sender in der Außeneinheit für den uplink dazu - damit lassen sich sogar Daten theoretisch mit bis zu 1 Mbit/s versenden.

Bei der Ka-Band-Lösung sind der LNB und der Verstärker in einem gemeinsamen Transceiver-Gehäuse integriert. Die Satellitenantenne ist flexibel einsetzbar und ermöglicht den Multifeed-Empfang der verschiedenen Orbit-Positionen. Die Inneneinheit, die mit dem LNB bzw. Transceiver per HF-Kabel verbunden ist, ähnelt in der Größe einem normalen Kabelmodem. Der computerseitige Anschluss erfolgt ab dieser Inneneinheit über ein normales 10/100-Mbit-Ethernet.

Übertragungstechnische Basis ist das Zwei-Wege-Breitband-System SurfBeam DOCSIS 1.1 (Data Over Cable Service Interface Specification) von ViaSat, das sich in  Nordamerika bereits bewährt hat und dort weit über 500.000 Nutzer zählt.

Eigentlich für die Breitband-Kabelindustrie entwickelt, um leitungsgebunden Daten in Hochgeschwindigkeit im Hin- und Rückkanal zu versenden, wurde das DOCSIS-Verfahren nun auch auf die Wireless-Übertragung transferiert. und ermöglicht die neuen Dienste.