175 Jahre Telegramm Bibelzitat revolutionierte die Kommunikation

Am 24. Mai 1844 verschickte Morse sein erstes Telegramm.
Am 24. Mai 1844 verschickte Morse sein erstes Telegramm.

Eigentlich war Samuel Morse vor allem ein talentierter Maler. Doch dann reiste er mit einem Schiff und soll dabei ein Gespräch belauscht haben, das ihn zu einer technischen Revolution inspirierte.

»Was hat Gott bewirkt?« Es ist eine Frage aus der Bibel, über die man lange philosophieren kann. Doch am 24. Mai 1844 – vor 175 Jahren – zeigten diese Worte eines ganz klar: Dass eine Erfindung von Tüftler Samuel Morse auch über größere Distanzen funktionierte. Denn das Zitat aus dem Alten Testament markierte eine technische Revolution. Mehr als 60 km wurden die Worte mit einem Telegrafen von Washington nach Baltimore verschickt. Morse benutzte dabei den ebenfalls von ihm erfundenen Code aus langen und kurzen Tönen. Die Menschheit hatte zum ersten Mal eine solche Nachricht über eine längere Strecke verschickt, sie gilt damit als erstes Telegramm überhaupt.

Dabei schien Morses Weg nicht dafür gemacht, einmal als genialer Erfinder in die Geschichtsbücher einzugehen. Geboren wurde er im US-Bundesstaat Massachusetts im Jahr 1791, als Briefe noch mit Pferden transportiert wurden. Er absolvierte erst eine Lehre als Buchhändler und machte sich dann als Kunstmaler einen Namen. Noch heute sind Bilder von ihm weltweit in renommierten Museen ausgestellt. Später wurde Morse Präsident der amerikanischen Design-Akademie und bewarb sich mehrmals erfolglos um das Amt des Bürgermeisters von New York.

Eine Reise nach Europa aber sollte sein Leben verändern. Auf dem Schiff zurück in die USA 1832 hörte er der Legende nach zufällig ein Gespräch zwischen Mitpassagieren über den Elektromagnetismus. Morses Interesse war geweckt. Wenn Elektrizität in einem Kreislauf sichtbar gemacht werden könne, so die Überlegung, dann müssten auch Botschaften übertragen werden können. Er machte sich ans Experimentieren und kam davon nicht mehr los.

»Um Zeit zu sparen und meine Erfindung voranzubringen, habe ich über
Monate in meinem Studio gelebt und gegessen. Die Lebensmittel habe
ich im Laden gekauft und dann selbst zubereitet«, schrieb er in sein
Tagebuch. Die Worte lassen erahnen, wie besessen Morse von seiner Idee war. Und die Zeit drängte, denn er wusste, dass er nicht der Einzige auf der Suche nach einem funktionierenden Telegrafen war. In Deutschland führten zu dieser Zeit beispielsweise die Wissenschaftler Wilhelm Weber und Carl Friedrich Gauß ähnliche Versuche durch.

Aber Morse bediente sich bei den Versuchen auch seiner Maler-Leidenschaft: Aus einer Staffelei, einem Stift, Teilen einer Uhr und einem Pendel bastelte er ein recht sperriges Gerät. Die Grundfunktion war simpel: Floss kein Strom, zeichnete der Stift eine gerade Linie. Bei Stromimpulsen schlug das Pendel aus, und die Linie erhielt einen Zacken. Die Ausschläge in verschiedener Länge und Kombination konnten eindeutig in Zahlen und Buchstaben übersetzt werden. So wurde die erste übermittelte Nachricht mit einem Telegrafen überhaupt bereits 1837 verfasst: »Gelungener Versuch mit Telegraf September 4. 1837«.

Nach und nach verbesserte Morse seinen Apparat, bis er schließlich gemeinsam mit Kollegen den nach ihm benannten Morsecode erfand. Damit wurden keine Zahlenfolgen mehr übermittelt, sondern aus drei Symbolen bestehende Signale gemorst: kurz, lang und Pause. Mithilfe von Kontakttafeln und einem elektrisch leitenden Stift konnten die Signale über Leitungen versendet werden. »Wir haben
großen Erfolg. Alle Menschen hier reden über unsere Maschine«, schrieb Morse begeistert in einem Brief an seinen Bruder.

Trotzdem suchte der Erfinder lange vergeblich nach Investoren und politischer Unterstützung, bis der US-Kongress schließlich den Bau einer mehr als 60 km langen Telegrafenleitung zwischen Baltimore und Washington genehmigte. Morse verschickte sein berühmtes Bibelzitat und öffnete damit die Tür zur modernen Massenkommunikation.

Heute können Nachrichten jeder Länge und auch Bilder, Tonaufnahmen und Videos innerhalb von Sekunden um den Globus geschickt werden. Besonders beliebt dafür sind Instant-Messenger auf Smartphones wie WhatsApp. Milliarden kurze Nachrichten werden so jeden Tag verschickt. Eine dieser Apps heißt Telegram – und erinnert damit an die Nachricht, mit der vor 175 Jahren alles anfing.