Wireless Congress 2017 – Nachbericht Beste Aussichten – hohe Herausforderungen

5G ist bereits Realität

Direkt im Anschluss präsentierte Prof. Dr.-Ing. Frank H.P. Fitzek (Bild 3), Deutsche Telekom-Professur für Kommunikationsnetze am Institut für Nachrichtentechnik der TU Dresden, in seiner Keynote „Tactile Internet with Humans in the Loop“ erste Applikationen für den kommenden 5G-Mobilfunkstandard zum haptischen Internet. Eines seiner Beispiele zeigt autonom fahrende Modellautos, die den Abstand zum vorausfahrenden Wagen und das Passieren einer Kreuzung selbst regeln.

 

 

Für Prof. Fitzek ist 5G bereits Realität. Die Hauptverbindungsleitungen der Mobilfunknetze sind auf 5G vorbereitet, es fehlen also eigentlich nur noch die Funkschnittstelle und die Endgeräte. Zugleich prognostizierte er, dass 5G die letzte Generation von Mobilfunkstandards sein wird.

Bisher bedeutete jede neue Mobilfunkgeneration, dass die Netzbetreiber ihre Technik (Hardware) austauschen mussten. Weiterentwicklungen von 5G würden sich dagegen per Software implementieren lassen.

In seinem Keynote-Vortrag legte Prof. Fitzek dar, dass die Mobilfunknetze mit 5G wesentlich verändert werden. So werden 5G-Endgeräte auch eine aktive Rolle im Netzwerk übernehmen können und nicht nur Endknoten sein. Um kurze Latenzzeiten, z.B. für das haptische Internet, realisieren zu können, müssen außerdem die Cloud-Rechner, auf denen die Software für die Applikation läuft, nahe am jeweiligen Endgerät platziert sein. Die Laufzeit der Daten zu einem zentralen Cloud-Rechenzentrum, das sich noch dazu auf einem anderen Kontinent befindet, ist hierfür viel zu groß.

Dezentral platzierte Rechenleistung für Cloud-Applikationen ist ein Ansatz, um die Signallaufzeit zu begrenzen. Mit Edge Cloud bieten die Netzzugangsknoten selbst genügend Rechenleistung für Cloud-Applikationen. Bei diesem Ansatz, müssen Cloud-Applikationen ebenso „mobil“ sein wie das mobile Endgerät und eine unterbrechungsfreie Übergabe von Basisstation zu Basisstation ermöglichen. Statt Daten müssen künftige Mobilfunknetze dann Gleichungen übertragen können.

5G wird allgegenwärtig sein

Welch überragende Bedeutung 5G zukommen wird, verdeutlichte Dr. Ulrich Dropmann (Bild 4), Leiter der Normungsabteilung bei Bell Labs CTO in seiner Keynote „Cellular Technology Evolution for the Internet of Things“ am zweiten Kongresstag, dem 16. November.

Bereits jetzt würden Erweiterungen von LTE wie z.B. LTE Cat-NB1 und LTE Cat-M1 auf lizenzfreie Frequenzbänder wie z.B. 2,4 GHz portiert, um private Netze in Industriebetrieben zu realisieren, z.B. in großen Industriewerken, Häfen und Bergwerken. Die unter dem Namen MultiFire entwickelte Technik soll die Einfachheit von WiFi mit den Vorteilen von LTE verknüpfen, um den Aufwand für die Installation des Netzes und die Administration gering zu halten.

Als nachfolgender Sprecher stellte Hermann W. Reiter (Bild 5), Vetriebsdirektor bei Digi-Key electronics Deutschland, die durch den Wireless-Boom hervorgerufenen Herausforderungen für die Distribution in den Mittelpunkt seines Vortrages „Role of Distribution within the „wireless eruption“ – Inspiring the future“.