Mobilfunk AT&T schluckt T-Mobile USA

Für 39 Mrd. US-Dollar kauft Konkurrent AT&T demnächst die derzeit schwächelnde US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, T-Mobile USA. Damit hätte das US-Unternehmen über Nacht die größte Anzahl an Mobilfunkkunden in den Vereinigten Staaten.

Seit langem schon hat sich AT&T in den USA darüber geärgert, dass in sehr selbstsicheren Anzeigenkampagnen die T-Mobile USA gegen den Mitbewerber AT&T mit markigen Sätzen losging - nach dem Motto: tolle Telefone, aber langsame Netze.

Nun stoppt der US-Telekommunikationsriese, dort (jetzt noch) die Nummer Zwei in diesem Geschäft, ein für alle Mal diese Kampagnen - indem er T-Mobile USA übernehmen wird. Das Ganze für 27,5 Mrd. Euro (39 Mrd. US-Dollar).

Der Mutterkonzern Deutsche Telekom erhält nach Insider-Angaben rund 25 Mrd. Dollar in bar, dazu 14 Mrd. Dollar in AT&T-Aktien. Abgeschlossen sein soll das Geschäft erst im Jahre 2012. Eine milliardenschwere Ausgleichzahlung ist vereinbart für den Fall des Scheiterns des Geschäftes, beispielsweise aus kartellrechtlichen Gründen.

Seit längerem schon wurden von Rene Obermann, dem Vorstandsvorsitzenden der Telekom, zwei große Schwachstellen in seinen Töchterfirmen identifiziert, nämlich T-Mobile UK und T-Mobile USA. Bei ersterer ist man ein Joint Venture mit France Telecom eingegangen, in den USA schien offenbar der Verkauf die beste Option. Denn als Nummer 4 im Markt und angesichts explodierender Datenvolumina wäre ein kostspieliger Netzausbau unumgänglich gewesen. Und genau darin liegt auch der Vorteil des Deals für AT&T,  so die Deutsche Telekom: »AT&T hat steigenden Bedarf an Spektrum, und der Kauf der T-Mobile US ist für den Konzern aus Dallas eine attraktive Lösung, sich zusätzliche Kapazität zu sichern.«

Auch die 35 Millionen Kunden der T-Mobile US sind ein Plus. AT&T hat 95, Verizon 100 Millionen. Damit wird AT&T auch die klare Nummer 1 bei der Kundenzahl. Die Nummer 3, Sprint, liegt mit 50 Millionen Kunden nun bereits weit hinten - für dieses Unternehmen ein schieres Desaster. Damit wird es sicher nicht ganz einfach sein, die Wettbewerbsbehörde zur Genehmigung der Akquisition zu bewegen.

Der aktuelle Börsenwert der Telekom liegt bei rund 42 Milliarden Euro, das heißt: Die Summe, die die Telekom für T-Mobile US bekommt, entspricht 66 Prozent ihres Börsenwertes. Demgegenüber macht der Umsatzanteil der T-Mobile US am Gesamtumsatz des Konzerns rund 26 Prozent aus. In Zukunft wird die Deutsche Telekom mit bis zu 8 Prozent an AT&T beteiligt sein, was ebenfalls eine interessante Perspektive sein wird – angesichts der US-Dividenden.