Kauf von Intels 5G-Modems Apples Milliarden-Deal für die 5G-Zukunft

Apple will sich durch den Zukauf der Smartphone-Modem-Sparte von Intel von Zulieferer Qualcomm unabhängig machen.

Intels 5G-Modem-Bereich wandert mehrheitlich zu Apple – samt Mitarbeitern und Patenten. Diese Nachricht gaben die beiden Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss bekannt. Für Qualcomm sind dies keine guten Nachrichten.

Mit dem rund eine Milliarde Dollar schweren Deal werden rund 2.200 Mitarbeiter zu Apple wechseln, ein großer Teil davon – es handelt sich um den ehemaligen Wireless-Bereich von Infineon bei München – in Deutschland. Intel wird weiterhin die Möglichkeit eingeräumt, Mobilfunk-Modems zum Beispiel für PCs, autonome Autos sowie vernetzte Geräte im Internet der Dinge zu entwickeln, teilten die Unternehmen mit.

Damit holt sich Apple nach CPUs und GPUs eine weitere Schlüsseltechnologie seiner iPhones ins eigene Haus. Es ist davon auszugehen, dass Apple das Modem in die SoCs seiner A-Chips integrieren wird und damit ähnlich aufgstellt sein wird wie Qualcomm mit seinen Snapdragon-SoCs.

Inkludiert in den Deal sind auch mehr als 17.000 Patente, darunter wichtige Protokolle für Mobilfunkstandards, Modemarchitekturen sowie Funktionsweisen von Basisband-Prozessoren.

Apple hatte erst vor kurzem einen langen Patentstreit mit dem Chipkonzern Qualcomm beigelegt. Ein Teil des Deals ist, dass Qualcomm Modem-Chips für kommende iPhone-Generationen liefern wird. Mit diesem Deal ist abzusehen, dass Apple zukünftig auch eigene Smartphone-Modems entwickeln wird.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters will Apple schon 2021 ein 5G-Modem aus Eigenentwicklung in Geräten einsetzen. Für das 2020 erwartete 5G-iPhone muss Apple auf Qualcomm-Chips zurückgreifen. Im April hatte man sich nach einem langem und erbittert geführten Patentstreit mit Qualcomm geeinigt, da 4G-Modem-Lieferant Intel nicht in der Lage war, schnell genug 5G-Modems zur Marktreife zu bringen.

Da das in der Einigung inkludierte Lizenzabkommen zwischen Apple und Qualcomm  einen Zeitraum von mindestens sechs Jahren betrifft, dürfte die damit einhergehende Vereinbarung über Chip-Lieferungen die gleiche Dauer haben. Insofern kann man wohl davon ausgehen, dass Apple die eigenen Basisband-Prozessoren zu Beginn nur in bestimmten Modellreihen wie Einstiegsmodellen und älteren iPhone-Generationen einbauen wird, während für die High-End-Geräte wohl bis auf weiteres auf Qualcomm-Chips zurückgegriffen werden wird. Diese Strategie ergibt Sinn, um Funktionsweise und Kompatibilität mit den unzähligen globalen Mobilfunknetzen sicherstellen zu können.

Die Beendigung des Einkaufs von Imaginations ehemaligen PowerVR-GPUs durch Apple hatte seinerzeit zur Insolvenz und Zerschlagung von Imagination geführt. Dieses Schicksal droht Qualcomm zwar nicht, dennoch schrumpft der Mobiltelefon-Markt für die Kalifornier immer mehr, nachdem schon große Hersteller wie Huawei, Samsung und nun auch Apple eigene SoCs incl. Funktechnolgie entwickeln.