Trends 2019: Mobilfunk 5G wird die Zukunft der Industrie bestimmen

Die Bedeutung von 5G geht weit über die eines schnelleren Mobilfunknetzes hinaus: 5G ist ein wichtiger Faktor für die industrielle Entwicklung und die Digitalisierung unserer Gesellschaft. Davon ist der Vorsitzende der 5G-ACIA, Dr. Andreas Müller, Robert Bosch, überzeugt.

5G ist mehr als nur die evolutionäre Weiterentwicklung von 4G. Der neuen Technik wird zu Recht ein disruptives Potenzial zugeschrieben, das mit vielen neuen Anwendungsbereichen gerade in der Industrie einhergeht. Mithilfe von 5G wird sich die Flexibilität, Wandelbarkeit und Produktivität der industriellen Fertigung deutlich erhöhen. 5G hievt Industrie 4.0 auf ein neues Level, indem es die durchgängige Vernetzung und die digitale Transformation in der Produktion signifikant beschleunigt. Klassische, statische Produktionslinien, die über Wochen oder Monate hinweg dieselben Produkte fertigen, gehören mit 5G der Vergangenheit an.

Das wesentlich Neue an 5G ganz allgemein ist die Vernetzung von jedweden Dingen im Internet der Dinge in Echtzeit mit bisher nicht gekannter Zuverlässigkeit. Das umfasst die Vernetzung von kompletten Produktionsanlagen genauso wie die Kommunikation zwischen Fahrzeugen auf der Straße oder die Anbindung von Sensoren in der Landwirtschaft. 5G-basierten fahrerlosen Transportsystemen, mobilen Robotern, oder auch neuen Assistenzsystemen wie Augmented Reality und Virtual Reality, die den Mitarbeiter vor Ort optimal in seinen Tätigkeiten unterstützen können, gehören speziell in der industriellen Fertigung die Zukunft.

Wie die Vision der Fabrik der Zukunft im Detail auch aussehen mag: eine wesentliche Grundvoraussetzung ist eine sehr leistungsfähige Kommunikationsinfrastruktur, die insbesondere auch eine drahtlose Vernetzung der einzelnen Komponenten mit hoher Zuverlässigkeit, kurzer Reaktionszeit und hoher Echtzeitfähigkeit gewährleistet. Aus heutiger Sicht kann das nur 5G bieten. 5G wird so zum zentralen Nervensystem der Fabrik der Zukunft.

Industrie benötigt zuverlässige lokale Netze

Die Fabrik der Zukunft benötigt lokal eine sehr gute Netzqualität sowie eine gewisse Entkopplung von klassischen öffentlichen Mobilfunknetzen – unter anderem aus Gründen der Sicherheit, Autonomie und Leistungsfähigkeit. Wie genau diese 5G-basierten Fertigungsnetze in Zukunft betrieben werden, ist derzeit Gegenstand intensiver Diskussionen zwischen allen beteiligten Stake­holdern.

So arbeiten die etablierten Mobilfunkprovider an neuen Geschäftsmodellen, um die speziellen Bedürfnisse des produzierenden Gewerbes geeignet zu berücksichtigen. Gleichzeitig gibt es Überlegungen seitens der Endanwender, bei Bedarf zukünftig selbst lokale 5G-Netze innerhalb ihrer Fabriken aufzubauen und zu betreiben.

Dies wird durch den aktuellen Vorschlag der Bundesnetzagentur unterstützt, der bei 5G erstmalig auch lokale Spektrumszuteilungen vorsieht. Im Gegensatz zu WLAN und den anderen derzeit verwendeten drahtlosen Kommunikationssystemen wäre damit ein exklusiver und kontrollierter Zugriff auf Spektrum möglich. Auf diese Wiese lassen sich die für viele industriellen Anwendungen benötigten Dienstgüten überhaupt erst erreichen.

5G-ACIA: Weltweit wichtigstes Forum für 5G im industriellen Kontext

5G ist für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, Industriestandorten und sogar ganzer Volkswirtschaften von großer Bedeutung. Aus diesem Grund wurde im April 2018 die »5G Alliance for Connected Industries and Automation« (5G-ACIA) ins Leben gerufen. Entstanden unter dem Dach des ZVEI zählt die international angelegte Initiative im Dezember 2018 bereits über 40 Mitglieder, darunter auch ausländische Global Player aus den USA und China. In der 5G-ACIA sind sowohl Unternehmen der OT-Industrie, als auch der IKT-Industrie organisiert. Für die gesamte Wirtschaft ist 5G von zentraler Bedeutung und nur branchen- und länderübergreifend lässt sich diese Infrastrukturaufgabe zum Erfolg führen.

 

Dr. Andreas Müller

leitet den Bereich »Communication und Network Technology« innerhalb des Zentralbereichs Forschung und Vorausentwicklung bei Robert Bosch in Renningen bei Stuttgart. Zudem koordiniert er unternehmensweit die Ak­tivitäten von Bosch im Kontext 5G für Industrie 4.0. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Geschäftsbereichen, Werken sowie externen Partnern.

Seit April 2018 ist er zusätzlich Vorsit­zender der neu gegründeten »5G Alliance for Connected Industries and Automa­tion« (5G-ACIA), die sich derzeit zum weltweit zentralen Forum für das Thema 5G in der industriellen Fertigung entwickelt.

Vor seinem Einstieg bei Bosch im Jahr 2011 war Andreas Müller wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Nachrichtenübertragung der Universität Stuttgart, wo er unter anderem bereits an der Weiterentwicklung von 4G/LTE hin zu LTE-Advanced beteiligt war. Darüber hinaus war er zwischenzeitlich als Systemingenieur bei Rohde & Schwarz im Umfeld militärischer Funkkommunikation tätig.