Qualcomm-Konferenz in Paris 5G – wie ist der Stand?

5G steht in den Startlöchern – wie der Stand zum neuen Mobilfunkstandard in Europa ist, diskutierten Experten in Paris.
5G steht in den Startlöchern – wie der Stand zum neuen Mobilfunkstandard in Europa ist, diskutierten Experten in Paris.

5G steht in den Startlöchern, in Deutschland laufen gerade die finalen Verhandlungen. Der neue Mobilfunkstandard bringt Chancen und Risiken mit sich. Welche das sind und wie es mit 5G weitergeht, diskutierten Experten nun in Paris.

Von 26. bis 27. März 2019 trafen sich Fachleute der Mobilfunkbranche und der Industrie in Paris, um die aktuellen Entwicklungen beim neuen Mobilfunkstandard 5G zu diskutieren. Die technische Umsetzung ist bereits in vollem Gange – laut Wassim Chourbaji von Qualcomm läuft in Europa alles nach Plan. So seien beispielsweise Italien, Spanien und Österreich »5G-ready«, in Deutschland laufen gerade die letzten Gespräche und Auktionen.

Große Bandbreite

Lorenzo Casaccia von Qualcomm gab am ersten Konferenztag einen Einblick in die Welt von 5G und einen aktuellen Stand in Qualcomm’s Tätigkeiten diesbezüglich. So wird es 2019 bereits das 15. Release des neuen  3rd Generation Partnership Project (3GPP)-Standards geben – weitere Releases sind in Vorbereitung. 3GPP ist dabei die weltweite Kooperation zur Standardisierung im Mobilfunk. Die Frequenzbereiche, mit denen 5G ab dem Release 15 arbeiten wird, sind 410 bis 7.125 MHz (Sub-7) und 24.250 bis 52.600 MHz (mmWave), das ist eine 25-fach größere Bandbreite als bei 3G oder 4G. Das untere Frequenzband wird also von 6 GHz (Sub-6) auf 7 GHz (Sub-7) erhöht.

Dabei sollen sogenannte »Dopplereffekte« – von der Ausbreitung von Schallwellen bekannt – vermieden werden. Ein Hauptaugenmerk liegt laut Qualcomm auf der Sicherheit der Systemarchitektur – man müsse Nutzern des Netzwerkes die größtmögliche Sicherheit bieten. Der nächste Schritt bei der Entwicklung von 5G ist das Release 16. Cassacia betont: »der neue Standard ist wichtig, um Industrial IoT und autonomes Fahren weiter voranzubringen«.

Auf dem Weg zu Smart Everything

Am zweiten Konferenztag sprach Dino Flore darüber, wie 5G die Technik-Unternehmen verändern kann und welche Vorteile sich daraus für die Industrie ergeben. Zum einen bieten sich ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten für die Unternehmen, zum Beispiel hin zur Smart Factory. Zum anderen wird der Standard auch das Leben in den eigenen vier Wänden verändern, indem es die Vernetzung von intelligenten Geräten und Einrichtungsgegenständen unterstützt. Außerdem wird 5G neue Maßstäbe beim Mobilfunk setzen. Surf-Geschwindigkeiten wie bei einer Datenleitung, kurze Latenzzeiten bei Echtzeitanwendungen, große Datenkapazitäten und geringe Kosten pro Bit sind zu erwarten.

Qualcomm hat des Weiteren die Datenraten und die Netz-Abdeckung in verschiedenen Umgebungen getestet und konnte an seinem Hauptsitz in San Diego eine komplette Netzabdeckung bei 28 GHz verzeichnen. Dino Flores betont die Wichtigkeit vom 5G-Ausbau: laut ihm soll es möglich sein industrielle- aber auch Heim-Netzwerke bedienen zu können. Außerdem wird 5G neue Möglichkeiten beim  autonomen Fahren bieten.

Europa hinkt hinterher

Malik Saadi von ABI Research mahnte allerdings an: »Europa hat in Hinblick auf Investitionen und die Umsetzung beim 5G-Standard im Vergleich zu China und den USA noch Rückstand«. Er nannte drei Treiber, die wichtig sind, um 5G weiter zu stärken: Standardisierung, Diversifikation und Zusammenarbeit. Mit 5G, so Saadi, werde man weitere Nutzer generieren, Edge Computing ermöglichen und die künstliche Intelligenz weiter voranbringen.