Kommentar Wie geeignet ist Ex-Qimonda-CEO Loh als NXP-Vorstand ?

Frank Riemenschneider, Elektronik
Frank Riemenschneider, Elektronik

Seit 1. Oktober ist der Ex-CEO des insolventen Speicherherstellers Qimonda, Kin Wah-Loh, nach einem Ausflug zum chinesischen fabless-Hersteller RDA-Microelectronics fast unbemerkt von der deutschsprachigen Presse Vorstand beim niederländischen Chiphersteller NXP. Macht das für die Holländer wirklich Sinn?

Als Executive Vice President verantwortet Loh bei NXP weltweit Sales und Marketing. Sein Vorgänger Mike Noonen, der Mitte 2008 zu NXP kam, hatte das Unternehmen bereits im Juli verlassen, so dass NXP seitdem ohne Vorstand für Verkauf und Marketing zurecht kommen musste.

Insofern stand CEO Rich Clemmer sicherlich unter hohem Druck, diese erfolgskritische Position möglichst schnell zu besetzen, was angesichts der Tatsache, dass Top-Executives in der Chip-Industrie nicht wie reife Äpfel auf den Bäumen wachsen, mit Sicherheit nicht trivial war. Die Frage ist, ob Loh der richtige Manager ist, das immer noch mit mehr als 4 Mrd. Dollar Krediten belastete NXP erfolgreicher zu machen.

CEO Clemmer begründete die Wahl von Loh u.a. damit, dass NXP das Asiengeschäft ausbauen wolle. Bereits 2010 erzielten die Holländer alleine in China 34 % ihres Umsatzes, weitere 11 % in Singapore, 3 % in Taiwan und 5 % in Korea. In Summe also 53 % in Asien (ohne Japan, das fällt bei NXP unter die „restlichen“ 26 %), während in Deutschland trotz des starken Auto-Geschäftes nur 10 % abfallen und in den USA sogar nur 8 %. Wah-Loh, geboren in Malysia und mit Dienstsitz in seiner Wahlheimat Singapore, ist zweifelsohne eine gute Wahl, wenn es darum geht, in Asien Geschäfte einzufädeln – alleine die kulturelle Affinität wird NXP gegenüber „abgeordneten West-Managern“ Vorteile bringen. Ich selbst habe Loh als Mensch immer als extrem umgänglich und freundlich, ohne Arroganz oder Starallüren, erlebt, ein Mensch, mit dem man Abends gerne mal ein Bierchen trinken geht.

Eine ganz andere Sache sind Lohs Managerqualitäten. Unbestritten kennt er sich in der Chip-Industrie bestens aus, war erst bei Siemens Halbleiter, dann bei Infineon und letztlich als CEO bei Qimonda in unterschiedlichen Rollen als Top-Manager tätig. In dem für NXP so wichtigen Auto- und Chipkartengeschäft hat Loh allerdings wenig Erfahrung: Bei Infineon war er für das Wireless- und Speichergeschäft zuständig, bei Siemens für die Chip-Fertigung in Malysia und Deutschland, lediglich in seiner Rolle als „Regional Manager Asia Pacific“ für Infineon hatte er wohl doch über den Tellerrand hinweggeschaut.

Insider bemängeln jedoch vor allen Dingen Lohs Entscheidungsschwäche. Bei Qimonda hatte er in der Tat vor der Insolvenz länger als 1 Jahr auf die Selbstheilungskräfte des Marktes gehofft, wie er auch uns Journalisten immer wieder bei der Vorstellung der Qimonda-Quartalsergebnisse mitgeteilt hatte. „Der Markt wird sich erholen“, war Lohs Lieblingssatz. Einen Plan B für den Fall, dass seine Vorhersagen – oder sagen wir lieber Hoffnungen - nicht eintreten würden, hatte er nicht, eher war sein Handeln, je kritischer die Lage wurde, durch puren Aktionismus geprägt: So wurden ja u.a. die letzten Mio. Euro durch eine groß angekündigte Partnerschaft mit dem japanischen Speicherhersteller Elpida verbrannt, die wie man später einsehen musste, für beide Seiten nutzlos war und klammheimlich nach nur kurzer Zeit wieder eingestellt wurde.

Zudem soll sich Loh nach Angaben von Sitzungsteilnehmern bei den damaligen Verhandlungen über Staats- bzw. Bankenhilfen für die Rettung von Qimonda mehrfach schlecht vorbereitet und „unengagiert“ gezeigt haben – kamen kritische Rückfragen, soll er manchmal „.wie ein Kartenhaus zusammengebrochen sein“. Und last but not least: Nachdem Qimondas Pleite nicht mehr abzuwenden war, seilte sich Loh als einer der ersten ohne weiteren Kommentar nach Asien ab – was in seinem engsten Umfeld bei Qimonda teilweise doch zu großer Verbitterung geführt hatte. Die operativen Arbeiten im Zusammenhang der Insolvenzverwaltung waren offenbar nicht seine Sache.

Als Executive Vice President könnte Loh eine Führungsebene zu hoch aufgehängt sein – hätte NXP für diese Position einen echten Strategen – wie es Mike Noonen war - gewählt und ließe Loh das Asien-Geschäft entwickeln, wäre es vermutlich die bessere Lösung gewesen. Sie dürfte jedoch ganz pragmatisch betrachtet an 2 Dingen gescheitert sein: Erstens dürfte Clemmer kurzfristig keine Alternative gefunden haben und zweitens diese Rolle für Ex-CEO Loh das Mindeste hinsichtlich Einkommen und Prestige gewesen sein.