Flops in der Elektronik-Geschichte Was der Markt nicht wollte

Die Elektronikwelt ist extrem innovationsfreudig und produziert seit rund 60 Jahren permanent neue Produkte. Es verwundert nicht, dass nicht jede Neuheit auch gleich den Zuspruch der Anwender findet. Manche Produkte wirkten auf den ersten Blick sehr vielversprechend und fanden dennoch nicht genügend Käufer. Und wenn der Preis nicht stimmte, verschwand so manche Innovation genauso schnell wieder, wie sie auftauchte.

Eine Definition dahingehend, wann ein Produkt als Misserfolg einzustufen ist, dürfte schwierig sein. Der Hersteller selbst wird am wenigsten geneigt sein, sein Produkt als „Loser“ zu disqualifizieren. Und die Anwender, die das Produkt nicht haben wollten, hatten dafür Hunderte von Gründen. Jeder Unternehmer fürchtet jedenfalls das Risiko, ein Produkt zu vermarkten, das zu keiner Zeit die getätigten Investitionen wieder einbringt.

Intel Itanium als „Itanic“ verspottet

HP begann Ende der 80er Jahre mit der Entwicklung einer völlig neuen Serverprozessor-Architektur, welche die parallele Ausführung mehrerer Befehle zugleich erlauben sollte. Dieses Unterfangen erwies sich jedoch als zu ambitioniert, so dass HP 1994 Intel ins Boot holte. Gemeinsam wollte man das erste Produkt dieser nun IA-64 getauften 64-Bit-Architektur, den Merced, noch 1997 auf den Markt bringen. Doch auch Intel hatte sich damit übernommen, denn erst am 29. Mai 2001 wurde der Merced als „Itanium“ offiziell vorgestellt - erste Server mit dem Prozessor waren jedoch noch nicht zu haben.

Der Chip lief mit 733 und 800 MHz und war viel zu langsam: Konkurrierende RISC-Architekturen und sogar x86-Prozessoren waren dem Itanium zumindest ebenbürtig, teilweise gar voraus. Der Merced war für diese schwache Performance zu teuer, seine Programmierung extrem aufwendig und klassischer 32-Bit-Code lief (anders als bei AMDs späterer 64-Bit-Architektur) nur in einer sehr langsamen Software-Emulation. Immer wieder musste Intel die angepeilten Verkaufszahlen senken. Die meisten Probleme wurden zwar mit späteren Itanium-Versionen behoben - doch der schlechte Ruf haftete dem oft in Anlehnung an die gesunkene Titanic als „Itanic“ verspotteten Monsterprozessor auch Jahre später noch an.

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Flops aus der Elektronik-Geschichte

4 Flops aus der Elektronik-Geschichte

Das Bildtelefon kam zu früh

Die Idee des Bildtelefons ist so alt wie das Fernsehen. 1936 bereits wurde der erste öffentliche Fernsehsprechdienst zwischen Berlin, Nürnberg und München eingeführt. Aus öffentlichen Fernsehsprechstellen konnte man damals miteinander bildtelefonieren. Später wurden weitere Versuche zur Etablierung der Bildtelefonie gemacht - beispielsweise 1985 mit dem Projekt BIGFON (Broadband Integrated Glas-Fiber Optical Network) der Deutschen Bundespost.

Die Übertragung der Bild- und Tonsignale erfolgte digital über ein Netz mit 140 Mbit/s in bester Fernsehqualität. Große Firmen wie IBM und Daimler nutzten dieses Netz damals zur interaktiven Schulung von Mitarbeitern in ihren Niederlassungen. Dieses Netz wurde um 1992 abgeschaltet. Für das analoge Telefonnetz und später das ISDN wurden zeitweise noch Bildtelefone mit kleinem Display angeboten, die jedoch wegen hoher Anschaffungskosten und geringer Bildqualität keinen sonderlichen Markterfolg hatten.

Laser-Tastatur Celluon Laserkey

Eine nicht alltägliche Möglichkeit zur Dateneingabe bot Mitte 2007 die Laser-Tastatur Laserkey CL800BT von Celluon. Die Projektion der Tastenfelder auf den Tisch wirkte spektakulär, zauberte das handliche Gerät doch per Laser eine QWERTZ-Tastatur auf den Tisch. Theoretisch stand und steht damit Nutzern von Palm- oder Windows-Mobile-Geräten eine vollständige Tastatur zur Verfügung. Die Verbindung zwischen dem Projektionsgerät und dem Datengerät erfolgte entweder per Bluetooth oder über ein serielles Kabel, das der Executive-Version der Laser-Tastatur beigelegt wurde.

Wer Aufmerksamkeit haben wollte, der war mit dem Laserkey für rund 185 Euro Listenpreis bestens bedient. Denn die projizierte Tastatur hatte auf alle umstehenden Personen eine magische Anziehungskraft. Besonders bei schwachem Licht kam die rote, virtuelle Tastatur zur Geltung. Seine Energie bezog der Projektor aus einem Lithium-Ionen-Akku, der über ein mitgeliefertes Ladekabel geladen wird. Auf den großen Durchbruch wartet das Gerät auch heute noch; angesichts des besagten Preises dürfte das aber niemanden verwundern!