Mikroelektronik-Trendanalyse bis 2022 Unerwartet starkes Wachstum im letzten Jahr

Das Jahr 2017 lief für die Halbleiterindustrie noch besser als es der ZVEI in seiner jährlichen Mikroelektronik-Trendanalyse im vorigen Jahr prophezeite. Mit einem Marktvolumen von 412 Mrd. US-Dollar wurde bereits 2017 die 400-Mrd.-Marke überschritten.

In der vorherigen Mikroelektronik-Trendanalyse, die der ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. letztes Jahr veröffentlichte, wurde das Marktwachstum noch wesentlich niedriger eingeschätzt als es sich jetzt tatsächlich für das Jahr 2017 ergeben hat. Bis 2021 sollte der Weltmarkt für Halbleiter auf 389 Mrd. US-Dollar steigen – so die damalige Prognose – und sich das langfristige Marktwachstum auf vier Prozent einpendeln.

Nun wurde bereits im Jahr 2017 mit 412 Mrd. US-Dollar ein Marktvolumen erreicht, das die ehemalige Prognose aus 2016 deutlich übersteigt – und sogar dazu führt, dass die Prognose für das langfristige Marktwachstum um einen Prozentpunkt nach oben gesetzt wird. In den kommenden fünf Jahren soll der Halbleitermarkt nun sogar auf 500 Mrd. US-Dollar wachsen.

Der Grund für das unerwartet hohe Wachstum von 21,6 Prozent gegenüber 2016 liegt nach Aussage von Dr. Ulrich Schaefer, Marktexperte Mikroelektronik des ZVEI (Bild), am hohen Preisanstieg bei Halbleiterspeichern. Es handele sich um das größte Wachstum seit der Jahrtausendwende. Dr. Schaefer präsentierte die aktuelle Ausgabe der »Mikroelektronik-Trendanalyse bis 2022« des ZVEI der Fachpresse in München.

Werden die Speicher-ICs ausgeklammert, dann errechnet sich für das Jahr 2017 ein Marktwachstum von 9,9 Prozent – ein zwar deutlich niedrigerer Wert, aber dennoch weit über dem durchschnittlichen jährlichen Wachstum für die Jahre nach 2000, das nun einen Mittelwert von 4,4 Prozent erreicht. Letztes Jahr errechnete sich dieser langfristige Mittelwert noch auf 4 Prozent.

Größtes Marktsegment: Speicher-ICs

Die hohe Nachfrage und der hohe Preis bei Speicher-ICs führen dazu, dass Speicher-ICs im Jahr 2017 einen Marktanteil von 30,1 Prozent erreichen. Mit einem Zuwachs von 61,5 Prozent gegenüber 2016 verdrängen Speicher-ICs in 2017 die Logik-ICs von der Spitzenposition.

Logik-ICs erreichen 2017 mit einem Anteil von 24,8 Prozent nur noch Rang zwei. Mit weiter sinkendem Marktanteil folgen Mikroprozessoren und -controller mit 15,5 Prozent an dritter Stelle.

Im 10-Jahres-Trend können aber alle Marktsegmente ein positives jährliches Wachstum vorweisen, am deutlichsten der Bereich Halbleitersensoren mit 24,3 Prozent und die Opto-Halbleiter mit 10,8 Prozent.

Schlusslicht mit nur 1,5 Prozent jährlicher Wachstumsrate sind die Mikroprozessoren und -controller, die damit sogar unter den für diskrete Halbleiter errechneten Wert von 2,5 Prozent jährlicher Wachstumsrate fallen.

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Mikroelektronikmarkt 2017

Aktuelle Entwicklung des Mikroelektronikmarkts in der »Mikroelektronik-Trendanalyse bis 2022« des ZVEI.

China bleibt größter Abnehmer

Im Jahr 2016 setzte sich China mit einem Marktanteil von 31,8 Prozent vor die Region Asien-Pazifik als größter Abnehmer für Halbleiter an die Spitze. 2017 konnte China seinen Marktanteil mit 31,9 Prozent halten, was einem Marktvolumen von 131,5 Mrd. US-Dollar entspricht. Dahinter steht ein Zuwachs um 22,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der ZVEI prognostiziert China für die Jahre bis 2022 weiterhin das größte Wachstum der betrachteten Regionen, mit 4,6 Prozent pro Jahr auf 165 Mrd. US-Dollar im Jahr 2022. Damit wird China einen Anteil von einem Drittel am Weltmarkt erreichen.

Lediglich die Region Amerika konnte 2017 ihren Marktanteil von 19,3 Prozent in 2016 auf 21,5 Prozent in 2017 erweitern. Den wesentlichen Beitrag dazu lieferten die USA, deren Halbleitermarkt 2017 ein Volumen von 81,6 Mrd. US-Dollar erreichte, was mit einer Steigerung um 36,5 Prozent der höchsten Zuwachsrate des letzten Jahres entspricht.

Für alle anderen Regionen hat der ZVEI in seiner Mikroelektronik-Trendanalyse rückläufige Marktanteile für das vergangene Jahr verzeichnet, am deutlichsten mit -1,2 Prozentpunkten für die Region Asien-Pazifik.

Für Europa, das mit einem Marktvolumen von 37,7 Mrd. US-Dollar zwar 2017 eine Steigerung um 17,1 Prozent gegenüber 2016 verzeichnete, bleibt dennoch nur ein weiter schrumpfender Marktanteil – von 9,6 Prozent in 2016 auf 9,3 Prozent.

Dem europäischen Halbleitermarkt wird für die kommenden fünf Jahre ein Wachstum auf 45 Mrd. US-Dollar zugetraut. Mit 3,1 Prozent jährlichem Wachstum – die niedrigste Wachstumsquote der fünf vom ZVEI betrachteten Regionen – bleibt der europäische Marktanteil für Halbleiter bei neun Prozent – fast gleichauf mit Japan, denen mit 3,8 Prozent jährlicher Wachstumsrate für 2022 ein Volumen von 44 Mrd. US-Dollar vorhergesagt wird.

Taiwan ist jetzt größter Halbleiter-Produktionsstandort

Im letzten Jahr hat Taiwan, mit einem Anteil von 20 Prozent an der weltweiten Produktionskapazität von 24,5 Mio. Wafern, Japan als größten Standort für die Halbleiterproduktion überholt. Die Fertigungsstätten in Japan erreichten im Jahr 2017 nur einen Anteil von 19 Prozent.

Die Halbleiterfertigungen in China konnten nach den Zahlen des ZVEI auch im letzten Jahr ihren Anteil am Weltmarkt ausbauen, auf 15 Prozent, und rückten damit erstmals auf Platz drei vor, den sie sich noch mit Südkorea teilen. Der Anteil chinesischer Unternehmen liegt bei drei Prozent.

Für die EU verzeichnete der ZVEI einen leichten Anstieg des Marktanteils bei der Halbleiterproduktion, von 8,7 Prozent im Jahr 2016 auf 8,9 Prozent in 2017 – auch die in Deutschland ansässigen Produktionsstätten konnten ihren Marktanteil steigern, von 3,1 Prozent auf 3,2 Prozent.

Südkorea und Taiwan führen bei Strukturen unter 25 nm

Zwar konnten japanische Halbleiterfabriken im letzten Jahr ihren Marktanteil im Bereich von 40 nm – 25 nm von 11 Prozent auf 22 Prozent verdoppeln, die führende Rolle haben aber weiterhin die Produktionsstätten in Taiwan mit einem Anteil von 34 Prozent. Südkoreanische Fertigungen waren letztes Jahr noch kaum in diesem Segment vertreten, mit einem Anteil von lediglich zwei Prozent. 2017 jedoch konnten sie ihren Marktanteil auf sieben Prozent ausbauen.

Im Bereich der Fertigung <25 nm halten Südkorea mit einem Marktanteil von 35 Prozent und Taiwan mit einem Marktanteil von 19 Prozent die führende Rolle. Gegenüber 2016 konnten die Fertigungen in Taiwan ihren Marktanteil ausbauen – von 13 Prozent auf 19 Prozent.

Automobilindustrie bleibt wichtigste Abnehmerbranche in Europa

Die Automobilindustrie bleibt in Europa die wichtigste Abnehmerbranche für Halbleiter, mit einem Anteil von 33 Prozent. Hier verzeichnet der ZVEI in seiner Mikroelektronik-Trendanalyse ein sehr starkes Wachstum im letzten Jahr.

Bezogen auf den Wert des Jahres 2000 betrug die Steigerung 2017 213 Prozent. Das zweitwichtigste Segment für Europa, Industrie, glänzt ebenfalls mit einer deutlichen Steigerung. 2016 nannte der ZVEI in seiner Mikroelekronik-Trendanalyse die Zahlen für Deutschland – sie fehlen in der aktuellen Version.

Trotz dieser beiden positiven Entwicklungen beharrt der gesamteuropäische Halbleitermarkt weiterhin neun Prozent unter dem im Jahr 2000 erreichten Volumen. Schuld daran sind die Rückgänge in den Segmenten Computer, Konsumelektronik und Kommunikationstechnik.

In Relation zur Entwicklung des Weltmarktes fallen die beiden europäischen Wachstumsmärkte für die Halbleiterindustrie allerdings bescheiden aus. Das weltweite Wachstum im Bereich Automobilindustrie erreichte nämlich stolze 297 Prozent – bezogen auf das Referenzjahr 2000 – und für die weltweite Industrieelektronik berechnet der ZVEI ein Plus von 217 Prozent gegenüber dem Jahr 2000.