ST Microelectronics Umstrukturieren bis der Arzt kommt

Frank Riemenschneider, Elektronik

Es wurde einmal mehr unruhig um den italienisch-französischen Chiphersteller ST Microelectronics: Laut einem Pressebericht steht ein Verkauf unprofitabler Geschäftsbereiche zur Disposition, was ST allerdings unverzüglich dementierte - allerdings ist ST zumindest zum Teil selbst für diese Unruhe verantwortlich.

Abgesehen davon, dass die Regierungen von Italien und Frankreich, zusammen mit 27,5 % an der ST-Holding beteiligt, wohl wenig Interesse an einem mit den Verkäufen verbundenen Arbeitsplatzabbau hätten, zeigen die regelmäßigen Spekulationen um ST, wie nervös die Investoren sind.

Das größte Problem von ST ist das Joint-Venture ST Ericsson, dessen fortlaufenden Verluste Quartal für Quartal die Bilanz von ST belasten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ST-Ericsson wieder auf die Beine kommt, halte ich persönlich für sehr gering – im profitablen Smartphone- und Tablet-Geschäft haben Qualcomm, Samsung & Co. die europäische Konkurrenz längst abgehängt. Es war eine gute Entscheidung von Infineon, seinen Wireless-Bereich zu verkaufen und es war eine gute Entscheidung von Texas Instruments, sich mit dem OMAP-Applikationsprozessor aus dem Smartphone-Markt zurückzuziehen. Auch ST-Ericsson bzw. seine Eigentümer sollten langsam erkennen, dass dieser Zug abgefahren ist.

Es gibt neben dem Problem ST-Ericsson jedoch noch eine zweite Frage: Wie hilfreich sind ständige interne Umstrukturierungen im Top-Management, die ST wie kein zweiter Chip-Konzern praktiziert oder soll man sagen fast schon zelebriert? Alleine im Geschäftsbericht 2011 wurden 18 (!) Umbesetzungen im Bereich der Excutives dokumentiert (S.90/91), zuletzt wurden am 13.9.2012 weitere 6 Umbesetzungen bzw. Beförderungen angekündigt.

Eine gewisse Stabilität, von vielen Chip-Herstellern als erfolgskritisch beschrieben, täte auch ST Microelectronics gut. Jeder Manager braucht eine gewisse Zeit, um in eine neue Aufgabe hineinzuwachsen. Statt sich mit sich selbst zu beschäftigen, sollte sich ST m.E. wieder mehr um seine Kunden und Distributoren kümmern, um diesen die Vorteile der eigenen Produkte zu erklären – davon hat ST nämlich reichlich und es ist schade, dass dies in der öffentlichen Wahrnehmung bei den ständigen internen Diskussionen und Gerüchten untergeht.