Mobilfunk-Prozessoren Texas Instruments zieht sich aus Smartphone- und Tablet-Geschäft zurück

Mit den Krisen bei den Großkunden Nokia und RIM ging es auch mit TIs OMAP-Prozessoren abwärts, während insbesondere Rivale Qualcomm mit seinen Snapdragon-SoCs einen Design-Win nach dem anderen landete. Jetzt will TI mit OMAP-Chips neue Märkte addressieren und diese aus dem Haifischbecken Handy und Tablet zurückziehen.

Die Spatzen haben es schon länger von den Dächern gepfiffen, jetzt hat es TIs Chef des Geschäftsbereiches Emebdded-Processing und Wireless, Greg Delagi, bestätigt: Der texanische Chip-Hersteller wird sich mit seinen OMAP-Prozessoren aus dem “Haifischbecken” Smartphones und Tablets zurückziehen und sich stattdessen mit OMAP und anderen Prozessoren wie Sitara auf Märkte wie Industrie, Automotive und Home-Appliances fokussieren.

In der Tat wurde TI wie kein anderer Halbleiterhersteller von der Krise seiner ehemaligen Vorzeigekunden Nokia und RIM (Blackberry) sowie dem Trend zu integrierten SoCs (Prozessor mit Modem) getroffen. Hatte man mit OMAP in diesen Märkten vor wenigen Jahren noch über 60 % Marktanteil, wird dieser außerhalb des Apple-Universums mittlerweile von dem kalifornischen Rivalen Qualcomm und dessen Snapdragon-Chips beherrscht. Anders als TI, dass in jeder neuen OMAP-Generation – wie auch andere Hersteller - stets auf Cores aus dem Hause ARM setzte (Cortex-A8, -A9 und neuerdings -A15), entwickelte Qualcomm auf Basis einer ARM-Architekturlizenz eine eigene, besonders energiesparende Mikroarchitektur (erst Scorpion, jetzt Krait).

Hatte TI bislang u.a. in einem Whitepaper immer proklamiert, die Trennung von Applikationsprozessor und Modem in zwei Chips würde gegenüber integrierten Lösungen wie Snapdragon Vorteile bringen, erklärte Delagi in einem Webcast mit Finanzanalysten und Investoren in New York nun, dass der Einsatz von TIs Chips in Smartphones und Tablets “weniger attraktiv” sei.

Als Ergebnis dieser Erkenntnis würde TI seine Investitionen repositionieren, der F&E-Prozess müsse zukünftig “anders aussehen”. Delagi führte weiter aus, dass TI plane, seinen Fokus und auch die F&E-Investitionen in Richtung neuer Produkte für Embedded-Processing zu verschieben. Weitere Details gab es zu diesem Zeitpunkt nicht.

Der letzte große Design-Win für TI war das Tablet Kindle Fire HD, das in der 8,9-Zoll-Version von einem OMAP 4470 mit 1,5 GHz und in seiner 7-Zoll-Version von einem OMAP 4460 mit 1,2 GHz angetrieben wird. Die Marktführer Samsung, Apple und Abstrichen HTC setzen jedoch in ihren Erfolgsmodellen keine OMAP-Chips ein und Nokia setzt seit seinem Schwenk auf das Betriebssystem Windows Phone sogar ausschließlich auf Qualcomms Snapdragon.