Analysteneinschätzung STMicroelectronics hat Management-Problem

In einer Analyse der kalifornischen Firma Arete Research Services wird dem italienisch-französischen Chiphersteller STMicroelectronics ein desaströses Zeugnis ausgestellt. ST sollte restrukturiert werden, zudem fehlten dem Top-Management neue Ideen.

Die finanziellen Kennziffern von ST sieht Arete als alarmierend an: Während die Chipindustrie 2011 um 4 Prozent gewachsen ist, verlor ST 6 Prozent Umsatz. In den letzten 10 Jahren betrug das jährliche Durchschnittswachstum der Industrie 5,6 Prozent, während ST nur auf 2 Prozent kam. ST machte dafür die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verantwortlich, Arete zufolge sind die Probleme aber hausgemacht:

Zu hohe Investments ins TV-Geschäft, zu viel teure Eigenfertigung und zu geringe Umsätze pro Mitarbeiter. 39 Design-Center, 78 Verkaufsbüros und über 50.000 Mitarbeiter in 36 Ländern generieren hohe Kosten aber nur rund halb so hohe Umsätze wie der strukturell vergleichbare Wettbewerber Texas Instruments (viel eigene Fertigung, etwas Auslagerung in Foundries).

Ein weiteres Problem sind laut Arete fehlende frische Ideen: Von den 25 Top-Managern verbrachten 19 die letzten 10 Jahre ausschließlich bei ST, die durchschnittliche Firmenzugehörigkeit dauere 22 Jahre.

Für 2012 prognostiziert der Analyst einen Umsatzrückgang von 26 Prozent. Zudem stünden Verluste von voraussichtlich 1 Milliarde Dollar bei ST-Ericsson an. Ohne radikale Änderungen sei kein positiver Ausblick für ST möglich, so das bittere Fazit in dem Bericht für Finanzinvestoren.

Den Analysten von Arete zufolge, sollte ST dem anhaltenden Profitabilitätsrückgang mit zwei Maßnahmen begegnen: Austausch des Top-Managements und Trennung des Analog- und Industriegeschäftes von der Konsumelektronik.

Zudem sollte das seit seiner Gründung Verluste generierende Joint-Venture ST-Ericsson (allein 2011 wurden weitere 900 Mio. Dollar Verlust eingefahren) an Apple oder Samsung verkauft werden. Einige Elemente aus dem Applikationsprozessor-Geschäft könnte ST in sein Geschäft für Konsumelektronik überführen und den Rest dieses Bereiches schließen. Ein großes Problem sei die Abhängigkeit von Nokia, das ja bekanntlich eigene große Probleme hat.