Interview mit NXP-CEO Rick Clemmer: “Singapur ist ein hervorragendes Testvehikel für die smarte Gesellschaft”

Der Chiphersteller NXP hält zusammen mit ST Microelectronics und Infineon die europäische Fahne im globalen Wettbewerb hoch. Im Exklusivinterview mit der Elektronik erklärt NXPs CEO Rick Clemmer u.a., warum er NXP eine “chinesische Firma mit Sitz in Eindhoven” nannte und warum er Kin Wah Loh, der 2008 als CEO den Speicherhersteller Qimonda in die Pleite führte, als Sales- und Marketing-Chef eingestellt hat.

Elektronik: Herr Clemmer, Sie nannten NXP eine “chinesische Firma mit Sitz in Eindhoven”. Dies klingt auf den ersten Blick etwas befremdlich, können Sie unseren Lesern das näher erklären?

Rick Clemmer: In China haben wir einen Umsatzanteil von 50 %, in Gesamtasien sogar von 65 %. Diese Aussage bezieht sich also darauf, wohin wir die Chips liefern und wo auch die Mehrheit unserer Mitarbeiter sitzt. Nichtsdestotrotz haben wir in Europa tolle Ingenieure, die uns viele innovative Produkte bescheren. Und wie Sie ja richtig festgestellt haben, ist unser Hauptsitz in Eindhoven.

Elektronik: Aus Steuergründen….

Rick Clemmer: Auch aber nicht nur. Europa ist nachwievor sehr wichtig für uns, weil hier Design-Entscheidungen getroffen werden, selbst wenn die Chips dann nach Asien geliefert werden.

Elektronik: Kommen wir zu Ihrer Bilanz. Wie sieht es mit Ihrer Schuldensituation aus, gibt das Licht am Ende des Tunnels?

Rick Clemmer: Aktuell sind es nur noch 2,7 Mrd. Dollar.

Elektronik: Das Problem ist aber, ab 2013 müssen Sie wieder große Beträge zurückzahlen….

Rick Clemmer: Nicht so viel, nur 200 Mio. Dollar und die wollen wir aus den laufenden Einnahmen bezahlen.

Elektronik: Bleibt da noch etwas für Forschung & Entwicklung übrig? Ohne Innovation geht es auch bei NXP nicht, wie sehen Sie das?

Rick Clemmer: Wir werden weiterhin 14 bis 15 % unseres Umsatz in F&E reinvestieren.

Elektronik: Ihr Automobil-Geschäft ist in China überproportional erfolgreich, Sie wachsen dort schneller als Ihre Wettbewerber. Was sind die Gründe?

Rick Clemmer: Besonders im Zubehör- bzw. Nachrüstmarkt ist NXP in China der Anbieter der Wahl. Viele Autos werden z.B. mit Autoradios nachgerüstet, die unsere Elektronik beinhalten. Das ist ein überproportinal großer Anteil unseres Automotive-Geschäftes.in China.

Elektronik: Sie weiterhin auf dem Weg weg von Standardprodukten hin zu sogenannten High-Performance-Mixed-Signal-Chips, wo es höhere Margen gibt…

Rick Clemmer: …viel höhere Margen…

Elektronik: Im Bereich der Leistungselektronik, wo Sie u.a. Leistungsdioden anbieten, gehören Sie ja – diplomatisch ausgedrückt – nicht zu den Marktführern. Es gibt viele Experten, die sagen, wenn man nicht zu den Top-3 in einem Markt gehört, sollte man rausgehen. Gibt es Pläne, dieses Geschäft zu verkaufen?

Rick Clemmer: Es gibt keine konkreten Pläne, aber wenn jemand kommt und einen akzeptablen Preis bietet, sollte man niemals nie sagen, denn dieses Geschäft ist für uns nicht strategisch.