Millionenverluste für Renesas Schlechtes Geschäftsjahr: Ex-Infineon-Vorstand nun bei Renesas

Renesas‘ Firmenzentrale im Tokyoer Stadtteil Toyosu.
Renesas‘ Firmenzentrale im Tokyoer Stadtteil Toyosu.

Das Geschäftsjahr 2019 verlief für den Chip-Hersteller Renesas einmal mehr schlecht. Naben einem Umsatzrückgang rutschten die Japaner wieder in die Verlustzone. Dafür konnte Ex-Infineon-Vorstand Arunjai Mittal für den Aufsichtsrat gewonnen werden.

Mit nur noch 5,84 Mrd. Euro Umsatz sank der Umsatz des Vorjahres (6,15 Mrd. Euro) trotz der IDT-Akquisition im März 2019 um 5,1 %, der Vorjahresgewinn in Höhe von 415 Mio. Euro wandelte sich in einen Verlust in Höhe von rund 47 Mio. Euro. Folgerichtig kann den Aktionären keine Dividende ausgezahlt werden.

Die Neustrukturierung in zwei Haupt-Geschäftsbereiche „Automotive“ und „Industrial/Infrastructure/IoT“ führte zu folgenden Ergebnissen: Der Umsatz im Bereich Automotive ging um 4,8 % auf knapp über 3 Mrd. Euro zurück, der Industrie/IoT-Bereich um 4,9 % auf 2,68 Mrd. Euro.

Alleine das Geschäft mit Renesas größtem Kunden, dem Distributor Ryosan, der alleine für 10,5 % des Umsatzes steht, ging von 770 Mio. Euro  auf rund 611 Mio. Euro zurück.

Für den Rückfall in die Verlustzone sind viele Faktoren verantwortlich, so Sonderabschreibungen für das Early-Retirement-Programm, aber auch die hohen Fixkosten für Renesas Chip-Fabriken, die nach wie vor unter Unterauslastung leiden: Im Schnitt liegen die 150-mm-, 200-mm- und 300-mm-Fertigungen bei nunmehr unter 60 %.

Den größten Umsatzrückgang musste Renesas einmal mehr in seinem Heimatmarkt Japan hinnehmen: Gleich um 13 % sanken die Verkäufe auf 2,13 Mrd. Euro, der Grund dafür ist, dass nach dem Erdbeben viele Kunden das Thema Risiko-Sharing neu bewerteten und die bis dahin oft rein japanischen Lieferketten vom Chip bis zum Auto neu überdachten. Was des einen Freud – Firmen mit Chip-Fabriken außerhalb Japans – war des anderen Leid, neben Renesas können auch ROHM & Co. ein Lied davon singen.

Die eher konjunkturell bedingten Umsatzrückgänge in China (-1,82 %), Europa (-4,85 %) und USA (-1,5 %) muten dagegen vernachlässigbar an, im Rest Asiens außerhalb von China und Japans stieg der Umsatz sogar um 10 % an.

97 Mio. Euro investierte Renesas 2019 in Restrukturierungsmaßnahmen seines Geschäftes, immerhin rund 1 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung – dies sind 17,7 % vom Umsatz, ein angesichts der wirtschaftlichen Lage überraschend hoher Anteil.

Ein Margenproblem hat Renesas vor allen Dingen im Automotive-Geschäft:  8,3 % sind nicht wirklich viel, allerdings geht es den Japanern damit genauso gut oder schlecht wie dem Wettbewerb, Infineon musste sich im letzten Quartal (Oktober-Dezember 2019) sogar mit 8,1 % zurfriedengeben.

Immerhin konnte Renesas Ex-Infineon-Vorstand Arunjai Mittal für seinen Aufsichtsrat gewinnen. Der smarte Inder galt lange Zeit als natürlicher Nachfolger von CEO Dr. Reinhard Ploss und verabschiedete sich seinerzeit aus persönlichen Gründen Richtung Heimat, was am Campeon zu mehr als nur einer Träne in der Belegschaft geführt hatte.

Mittal steht für eine gelungene Internationalisierung des in der Historie sehr deutsch geprägten Chipherstellers, der aus dem Halbleiterbereich von Siemens hervorgegangen ist. Mittlerweile erzielt Infineon 27 % seines Umsatzes in China.

Eine Internationalisierung ist auch für Renesas essentiell: Nachdem der japanische Markt für lokale Hersteller immer weiter schrumpft,  ist Wachstum speziell in China, Europa und den USA unerlässlich – derzeit steht  ganz Asien incl. China für genau denselben Umsatzanteil wie Japan ganz alleine.