Der große (fast) Unbekannte ROHM Semiconductor will in Europa durchstarten

Der japanische Halbleiterhersteller ROHM Semiconductor erzielt in Europa bislang nur 5 % seines Umsatzes - in den nächsten 5 Jahren will man den EMEA-Umsatz jedoch verdopplen. Erstmals traf sich das Top-Management von ROHM mit einer europäischen Fachzeitschrift, um das Unternehmen einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

Gleich drei Top-Manager hat ROHM aufgeboten, als man sich mit der Elektronik getroffen hat: Toshiki Takano ist Vorstandmitglied, Masaki Sakai vertritt den Aufsichtsrat und Christan Andre ist Präsident der in Willich ansässigen  ROHM Semiconductor GmbH, des EMEA-Ablegers von ROHM Semiconductor, eienr Firma die den weit größten Anteil ihres Umsatzes in ihrem Heimatland Japan erwirtschaftet. Dort steht sie vor der gleichen Herausforderung wie viele japanische Wettbewerber, nämlich dass das Wachstumspotential limitiert ist. Die EMEA-Organisation steht laut Andre nur für 5 % von ROHMs Gesamtumsatz, weshalb man sich großes Wachstumspotential verspricht. Konkret soll der Europa-Umsatz in den nächsten 5 Jahren verdoppelt werden.

ROHM beschäftigt weltweit 21000 Mitarbeiter, davon 3000 Entwicklungs-Ingenieure. Die Firma stellt eine breite Palette von Produkten wie z.B. integrierte Schal­tungen, diskrete Halbleiter, optoelektronische Bauteile, passive Bauelemente und Subsystem-Module her. Unter anderem umfasst diese Auswahl Produkte wie Batterie- und Stromüberwachung, IrDA, Treiber (LED, Displays, Motoren), SiC, Speicher, Druckköpfe, MCUs, Audio, Video, Telekom Optik, Schnittstellen, Optische Verstärker & Analog, MOSFETs, Transistoren, Dioden, Widerstände, Sensoren und LED sowie kundenspezifische Entwicklungen. ROHMs Produkte werden in vielen unterschiedlichen Zielapplikationen wie Automotive, Verbrauchselektronik, Computer & Büroausstattung, Heimanwendungen, Industrie/Weiße Ware, Medizintechnik als auch Kommunikationssystemen eingesetzt.

Inhouse-Fertigung

Das Unternehmen unterhält in Japan, Korea, Malaysia, Thailand, den Philippinen und China Fertigungsstätten. Um Produktqualität und Zuverlässigkeit zu gewährleisten, wird die Mehrzahl von ROHMs Fertigungsausrüstung für den Backend-Prozeß inhouse entwickelt und global eingesetzt, was es dem Unternehmen ermöglicht, weltweit qualitativ hochwertige Produkte zu fertigen und anzubieten. ROHM schenkt auch dem Risikomanagement eine besondere Beachtung, um Kunden eine stete Produktversorgung zu garantieren; das Unternehmen ist mit einem doppelten Backup-System für Datenschutz ausgestattet und die Produktionsbasen für jede Produktkategorie sind dezentralisiert. Was den Fertigungsprozess angeht, hat ROHM sein Fertigungssystem in Voraussicht künftigen Marktwachstums verbessert. Dies versetzt das Unternehmen in die Lage, schnell auf einen Anstieg der Nachfrage zu reagieren. ROHM entwickelt dabei nicht nur Produkte, sondern bietet seinen Kunden auch alle Möglichkeiten eines „One-Stop-Shop“, was heißt, daß Kunden nicht nur Komponenten, aber auch Subsysteme und Gesamtlösungen für eine Vielzahl von Anwendungen erwerben können.  

Um die technische Unterstützung und Qualitätssicherung für Kunden zu verstärken und schnell und präzise auf Kundenanforderungen reagieren zu können, hat ROHM ein Netz von Vertriebs-, Entwicklungs- und Qualitätssicherungs­zentren rund um den Globus aufgebaut. Mit mehr als 170 Mitarbeitern bedient die ROHM Semiconductor GmbH die EMEA-Region (bestehend aus Europa und dem Mittleren Osten) von der Hauptniederlassung und dem Entwicklungszentrum in Willich-Münchheide sowie den Vertriebsbüros in ganz Europa aus. Mehr als 100 Distributoren in ca. 30 Ländern komplettieren dieses Kundenservice-Netzwerk.

Der Firmenslogan "Qualität zuerst" wirkt auf den ersten Blick etwas abgedroschen, tatsächlich hat man aber Prozesse nicht nur für die Fertigung der Endprodukte, sondern auch für Kostenmanagement, Lieferung, Service und die Umwelt installiert. Laut Andre ist ROHM ist überzeugt, dass “Qualität” die Kundenzufriedenheit in all diesen Bereichen ausmacht. ROHM ist ISO9001, ISO/TS16949, ISO/IEC17025 und ISO14001 zertifiziert.

Drei Chips für den Atom-Prozessor

Das "Highlight" für ROHM in jüngsten Vergangenheit war sicherlich die Kooperation mit Intel hinsichtlich eines Chipsatzes für den Atom-Prozessor der Familie E600, der erstmals auf dem Intel-Developer-Forum vorgestellt wurde und seitdem mit großem Erfolg verkauft wird. Auf der PCIM 2011 wurde die neue LED-Treiber-Serie BD8381EFV-M für die Anwendung in Fahrzeugfrontscheinwerfern mit hoher Leuchtkraft vorgestellt. Mithilfe dieser ICs können Entwickler denselben Treiber für die Ansteuerung sowohl in Fern- und Abblendlicht- als auch Tagfahrtlichtscheinwerfern einsetzen. Der Gleichspannungswandler gewährleistet einen stabilen Betrieb über eine große Spannungsbreite hinweg (5-30V) und hebt darüber hinaus die Begrenzung der Anzahl in Serie verbundenen LEDs auf. Die eingebauten Schutzfunktionen (UVLO, OVP, TSD, OCP, SCP) überwachen Spannung, Stromversorgung und Temperatur. Ein Betrieb ohne Mikrocontroller ist ebenso möglich.

Wie fast alle japanischen Hersteller war auch ROHM von dem verheerenden Erdbeben betroffen. Zwar kamen keine Mitarbeiter zu Schaden, auch die Miyagi-Fabrik von OKI Semiconductor hatte keine großen Schäden davongetragen, dennoch musste die Fertigung in der Miyagi-Fabrik und in der Tsukuba-Fabrik am 13. März um 11.00 Uhr morgens wegen Versorgungsproblemen gestoppt werden. Seit Anfang April läuft aber in beiden Werken wieder alles normal.