Interview mit Renesas- President Yasushi Akao »Restrukturierung erfordert Zeit und Geld«

Renesas-CEO Yasushi Akao mit Elektronik-Redakteur Frank Riemenschneider.
Renesas-President Yasushi Akao mit Elektronik-Redakteur Frank Riemenschneider.

Fortlaufende Verluste,das Erdbeben von Fukushima, Personalabbau und Gerüchte über die Übernahme durch den Finanzinvestor KKR: Der Chip-Hersteller Renesas Electronics erlebt aktuell turbulente Zeiten. Wir trafen President Yasushi Akao und sprachen mit ihm über die aktuelle Situation.

Elektronik: Herr Akao, Renesas sieht sich ja aktuell alles andere als einfachen Zeiten gegenüber. Was sind die Gründe, dass Sie jetzt in großem Umfang restrukturieren?

Yasushi Akao: Sehen Sie, letztes Jahr passierten viele Dinge, die negativen Einfluß auf unsere finanzielle Situation hatten. Dazu gehörten natürlich auch die großen Veränderungen in der japanischen Elektronik-Industrie. Wir müssen daher unsere Fixkosten reduzieren. Die Restrukturierung kostet aber Geld.

Elektronik: Im ersten Schritt haben Sie ja das Vorruhestandsprogramm beschlossen, was kostet das und was bringt es wirklich?

Akao: Wie Sie wissen, betrifft das 7.500 Mitarbeiter und wir bilanzieren einen außerordentlichen Verlust in Höhe von 84 Mrd. Yen. (ca. 800 Mio. Euro) Zur Finanzierung haben uns unsere Gesellschafter NEC, Hitachi und Mitsubishi 49,5 Mrd. Yen und vier große Banken 47,5 Mrd. Yen gegeben. Auf der anderen Seite können wir damit unsere Fixkosten pro Jahr um 53 Mrd. Yen reduzieren.

Elektronik: Auf Grund Ihrer Meldungen hatte man immer den Eindruck, dieses Programm betraf nur Japan. Wieviele Mitarbeiter sind außerhalb Japans betroffen?

Akao: Insgesamt haben wir außerhalb Japans 600 Mitarbeiter weniger, davon haben uns die meisten auf normalem Wege verlassen (Anmerkung: gemeint sind reguläre Pensionierungen, Kündigungen der Mitarbeiter etc.). Die Vorruhestandsregelung traf nur auf 130 Mitarbeiter zu.

Elektronik: Sie haben ja auch Fab-Schließungen bzw. –Verkäufe angekündigt, was erwartet uns da?

Akao: Konkret wird die Anzahl der Fabs in Japan insgesamt von 18 auf 9 reduziert, davon im Backend von 9 auf 2 (Anmerkung: Es bleiben also 7 Frontend-Wafer-Fabs und 2 Backend-Lokationen übrig).

Elektronik: Wenn man alle Maßnahmen zusammenrechnet, wieweit können Sie Ihre Kosten damit reduzieren?

Akao: Bis Ende des Geschäftsjahres 2015 um 25 %.

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So will Renesas finanziell gesunden

Um wirtschaftlich zu gesunden, hat President Yasushi Akao verschiedene Maßnahmen eingeleitet bzw. schon umgesetzt.

Elektronik: Die oben erwähnten 97 Mrd. Yen von Ihren Gesellschaftern und Banken reichen aber nicht. Warum brauchen Sie noch mehr Geld?

Akao: Bis die Restrukturierungsmaßnahmen greifen, werden wir ja noch weitere Verluste generieren. Zum Abschluß dieses Geschäftsjahres rechnen wir mit einem Verlust von 150 Mrd. Yen (1,44 Mrd. Euro). Zudem brauchen wir Geld, um unsere Wachstumsstrategie zu finanzieren.

Elektronik:  Es gibt ja noch diese langfristigen Bank-Kredite in Höhe von 161 Mrd. Yen. Was hat es denn damit auf sich?

Akao: Mit diesen langfristigen Krediten wurden kurzfristige Verpflichtungen abgelöst. Man muß aufpassen: Hier wurde kein Geld ausgeschüttet, da haben wir nur die 97 Mrd. erhalten.

Elektronik:  Eine japanische Zeitung berichtete ja, Sie würden eine 2/3-Mehrheit an "Innovation Network Corporation of Japan", einen vom Staat kontrollierten Investment-Fund für 150 Mrd. Yen verkaufen Zusätzlich soll noch ein Firmenkonsortium mit 50 Mrd. Yen einsteigen. Was sagen Sie dazu?

Akao: Ich kann das heute nicht kommentieren. Fest steht, wir brauchen Geld und wir verhandeln, aber es ist noch nichts entschieden.

Elektronik: Es gab ja auch Gerüchte, dass die Heuschrecke KKR Renesas übernehmen will. Stimmt  es, dass KKR nicht mehr zur Disposition steht?

Akao: Ich kann das auch nicht kommentieren. Fest steht jedoch, wir müssen die Interessen unserer Aktionäre, Kunden und den Betrag, den jemand bereit ist, zu bezahlen, bei unserer Entscheidung berücksichtigen. Ebenso natürlich die Strategie eines Investors. Das muss alles sehr genau analysiert werden.

Elektronik: Wann werden Sie denn eine Entscheidung treffen?

Akao:  Was ich sagen kann, auf jeden Fall in diesem Geschäftsjahr (Anmerkung: Dies endet zum 31.3.2013).