Obsoleszenzmanagement Rechtzeitig vorsorgen

Wer obsolete Bauteile einkauft, sollte diese nur von einem Distributor mit den folgenden Zertifizierungen beziehen: AS9120, AS6081, ISO 9001, ANSI/ESD S20.20, ISO 14001 oder OHSAS 18001.

Der durchschnittliche IC-Lebenszyklus liegt bei acht Jahren. Immer schnellere technische Entwicklungen werden diese Zeitspanne aber weiter verkürzen. Eine Herausforderung, die ein Fertigungsbetrieb nur durch gute Lieferanten und klare interne Strukturen meistern kann.

Die Produktlebenszyklen im Endverbrauchermarkt werden immer kürzer, was sich auch auf die Innovationszyklen bei den Herstellern von Elektronikkomponenten auswirkt. Klassische europäische Industriezweige wie die Luftfahrt, die Medizintechnik, die Bahnindustrie oder der Maschinenbau fordern jedoch deutlich längere Verfügbarkeiten. Aus diesem Grund kommt es zu einer kontinuierlich steigenden Zahl von »Product Change Notifications« (PCN) sowie »End-of-Life«-Mitteilungen (EOL) im Arbeitsalltag.

Im Idealfall erhält man die PCNs als smartPCN, einem von der Compo­nents Obsolescence Group Deutschland (COGD) entwickelten Format. Ein einheitlicher Aufbau und standardisierte Inhalte des Industriestandards erleichtern das Auffinden und Erfassen der wichtigsten PCN-Informationen. Dank des verwendeten XML-Formats lassen sich die Daten einfach importieren und leicht verarbeiten (Bild 1). Die COGD schätzt, dass der manuelle Aufwand für die Bearbeitung durch smartPCN 3.0 um rund 75 Prozent sinkt.

Seit Dezember 2017 ist smartPCN 3.0 Bestandteil des VDMA-Einheitsblatts 24903. Dieses entstand unter Mitwirkung mehrerer Mitglieder der COGD, um den manuellen Aufwand für die Bearbeitung von Produktänderungen und Abkündigungen zu verringern und ein umfassendes Verfügbarkeitsmonitoring sowie digitales Obsoleszenzmanagement zu unterstützen.
Komponentenlieferanten geben schon heute täglich bis zu 28 Produktänderungsankündigungen und 22 End-of-Life-Benachrichtigungen heraus, berichtet der Marktanalyst IHS Markit. Dadurch, dass einige der End-of-Life-Mitteilungen eine Frist von weniger als 30 Tagen haben, wird auch die Reaktionszeit bis zum Last-Time-To-Buy-Zeitpunkt (LTB) immer kürzer. All diese Entwicklungen stellen Produzenten von Industrieelektronik vor folgende Frage: Wie lange lassen sich benötigte Baugruppen noch fertigen?

Ein extremes Beispiel ist der Lebenszyklus in der Luftfahrtindustrie. Dort wird teilweise erwartet, dass ein Bauteil oder eine Baugruppe bis zu 50 Jahre verfügbar bleibt. Um diese Anforderungen erfüllen zu können, ist eine umfassende Obsoleszenz-Management-Strategie erforderlich, wie sie etwa von Velocity Electronics entwickelt wurde. Mit ihr will das Unternehmen Lösungen für obsolete oder schwer beschaffbare Bauteile bieten – und aufwendige Redesigns verhindern.

Wie gesund ist meine Baugruppe?

Überalterte Komponenten stellen eine stetig wachsende Gefahrenquelle dar. Die meisten Elektronikproduzenten arbeiten gleichzeitig an vielen aktiven Projekten. Jedes Projekt kann wiederum Tausende Komponenten von unzähligen verschiedenen Lieferanten umfassen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich einige Komponenten in verschiedenen kritischen Phasen ihres Lebenszyklus befinden. Schon ein einziges obsoletes Teil kann das Ende für die Markteinführung oder die Fortführung bedeuten. In Form von Neu­kon­struktionen, Verzögerungen und Zusatz­beständen kann Obsoleszenz die
Branche sehr viel Geld kosten.

Die Überprüfung des Lebenszyklusstatus eines Produkts kommt im Entwicklungs- und Einkaufsalltag oftmals zu kurz. Velocity Electronics hat hierzu den Baugruppen-Check-up entwickelt: Mit seiner Hilfe erhalten Kunden innerhalb kurzer Zeit einen Überblick darüber, welche Bauteile ein potenzielles Risiko darstellen könnten. Gemeinsam mit dem Produktmanagement werden die zu beobachtenden Komponenten analysiert, sodass Interessenten bereits nach ein bis zwei Tagen einen automatisierten Überblick über ihre Bauteile erhalten und so mehr Sicherheit und Planbarkeit für zukünftige Ereignisse haben.

»Wenn eine Baugruppe im Verkauf erfolgreich ist, dann sollte bereits über das Redesign nachgedacht werden. Unser Baugruppen-Check-up ist dazu der ideale Einstieg. Wir benötigen dafür die Stückliste sowie einige Basisdaten zum Produkt, zum Beispiel: Wann wurde mit der Entwicklung begonnen? Wie lange ist die Laufzeit der Baugruppe im Markt geplant? Velocity Electronics steht mit weltweit 200 Mitarbeitern, drei Testhäusern und einem sehr strengen und auditierten Qualitätswesen für Zuverlässigkeit. Auf unseren zertifizierten Service verlassen sich Kunden aus Militär, Raum- und Luftfahrt, Robotik, Industrie, Medizin, Schiene und Automotiv«, erklärt Matthias Pabst, Senior Sales Manager bei Velocity Electronics.

Dabei ist die automatisierte Übermittlung der Änderungsmitteilungen nur ein kleiner Bestandteil der Dienstleistung. Obsoleszenzmanagement bei Velocity Electronics bedeutet darüber hinaus End-of-Life-Bevorratung, Second-Source-Suche, automatische Stücklistenüberwachung, PCN-Management und weltweite Bauteilsuche nach obsoleten oder schwer beschaffbaren elektronischen Bauteilen (Bild 2).

Gleichzeitig kommt eine Prognose­technik zum Einsatz, um die Lebenszyklusdaten der Bauteile vorausschauend zu überwachen und mögliche EOL-Probleme aufzudecken. Dadurch haben Kunden in der Entwicklung und im Design eine größere Sicherheit, dass die ausgewählten Komponenten den Lebenszyklus ihres Projekts überdauern werden. Zusätzlich liefert der Baugruppen-Check-up regelmäßig Neuigkeiten zu Änderungen in den Lebenszyklus­informationen der Komponenten.

Suche nach alternativen Bauteilen

Mithilfe einer internen Datenbank sind die Mitarbeiter von Velocity auch in der Lage, alternative Lösungen für problematische Komponenten vorzuschlagen. Eigene Testhauskapazitäten sowie ein Lieferantenbewertungs- und Qualifizierungssystem gewährleisten, dass auf dem globalen Elektronikmarkt sicher eingekauft wird.

Jeder Wareneingang sollte dabei einen auditierten Qualitätsprozess durchlaufen. Folgende Punkte und Normen sind für jeden Einkäufer von Elektronik zu beachten:

  • COC (Certificate of Compliance) für eine lückenlose Traceability und die für die Branche üblichen Zertifizierungen: ISO 9001, ISO 14001:2004, AS9120, IDEA–ICE-3000 certified Inspectors, IDEA QMS- 9090, ESD Association 20.20 certified, AS 6081, OHSAS 18001:2007, ISO/IEC 17020 und das Arbeiten nach IPC.
  • Desweitern sollte jeder qualifizierte Lieferant folgenden Prozesse abbilden und anbieten können: Tempern, Röntgen, Hochleistungsmikroskopie, Röntgenfluoreszenz-Analyse und Entkapselung von ICs samt Analysebericht.

Langjährige Erfahrung

Die von Velocity Electronics erarbeiteten Handlungsempfehlungen stützen sich auf die langjährige Erfahrung des Unternehmens in der vertragsunabhängigen Distribution und im Obsoleszenzmanagement.

»Da Velocity als unabhängiger Distributor mit Kunden aus allen Branchen arbeitet, haben wir auch ein entsprechend breit gefächertes Erfahrungsportfolio. Wir sehen sofort jede Entwicklung am Markt und können auf eine umfassende Datenbank zurückgreifen. Das zahlt sich aus: Mithilfe unseres Teams können Kunden teilweise 30 Prozent der Produktkosten einsparen«, fasst Johan Dahl, General Manager EMEA, zusammen.

 

 

Die Autorin

Anke Bartel arbeitet seit 29 Jahren in der Elektronikindustrie: zunächst im technischen Einkauf von elektronischen Komponenten, später im Marketing und CRM, als Kundenteamleiterin, Kundencenterleiterin und nun in ihrer Funktion als Produkt Managerin bei Velocity Electronics. Seit zehn Jahren ist sie aktives Vorstandsmitglied der Components Obsolecence Group Deutschland e.V.

 

 

Verbandsarbeit hilft beim Thema Obsoleszenz

Im Industrie-Interessenverband Component Obsolescence Group Deutschland e. V. (COGD) beschäftigen sich Gleichgesinnte mit dem Thema Obsoleszenzmanagement. Ziel ist es, die Folgen der Nichtverfügbarkeit von Komponenten in Produkten zu minimieren oder diesen Fall zu verhindern. Das Obsoleszenzmanagement kann man als Teilaspekt des Life-Cycle-Managements interpretieren. Alle Mitglieder profitieren von dem Zugriff auf sämtliche Präsentationen und gemeinsam erarbeitete Empfehlungen zum Obsoleszenzmanagement, sowohl der COGD als auch der COGUK, die sich 2015 in IIOM (International Institute of Obsolescence Management) umbenannt hat.

Die vierteljährlichen Meetings der COGD mit Fachvorträgen, Berichten über Initiativen von Arbeits- und Diskussionsgruppen sind eine gute Plattform, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Des Weiteren arbeitet der Verband mit über 140 Mitgliedsfirmen in Normungsgremien in Bezug auf die spezifische Problematik mit. Ein weiterer Vorteil für Mitglieder ist die Mitarbeit in Arbeitsgruppen, um für das eigene Unternehmen wichtige Themen einzusteuern und zu bearbeiten.