Mobile World Congress Qualcomm will menschliches Gehirn nachbilden

Qualcomm präsentierte auf einem Anlysten-Tag den Snapdragon-805-Prozessor, ein LTE-Chipset Cat. 6 und einen Internet-Prozessor.

Der Halbleiterhersteller Qualcomm will mit neuen Hochleistungs-SoCs den Mobilgeräten künstliche Intelligenz einhauchen. Desweiteren wurden auch ein 3D-Fingerabdruckscanner und LTE mit 600 Mbit/s gezeigt.

Qualcomm hatte sich mit dem Zeroth genannten Projekt das Ziel gesetzt, mit einem Chip das menschliche Gehirn und Nervensystem nachzubilden, um immer komplexere Vorgänge technisch abbilden zu können.

Zeroth-basierte Produkte wie der angekündigte Snapdragon-820 sollen dabei nicht nur die menschliche Wahrnehmung nachbilden, sondern auch lernfähig sein. Anstatt Prozesse mit tausenden Zeilen Code vollständig zu programmieren, soll der Chip am Ende selbst Entscheidungen treffen.

Dazu haben Neuro-Wissenschaftler mathematische Modelle entwickelt, wie der Transport von Informationen in neuronalen Netzen wie dem Nervensystem funktioniert. Die sogenannten Spiking neural Networks (SNN) sind bei Datentransport sehr effizient und sollen künftig auch auf Chip-Ebene funktionieren.

Ein Beispiel für den sinnvollen Einsatz dieser Technologie ist die kontextbezogene Bildoptimierung. Wie in Bild 1 ersichtlich ist, wurde eine Armbanduhr erkannt und desweiteren festgestellt, dass sich keine Person auf dem Foto befindet. Dieser Prozess wird zukünftig in Echtzeit abgearbeitet.

Bild 2 zeigt hingegen zwei Personen. Durch die Lernfähigkeit des Chips in Kombination von vom User zuvor eingegebenen Informationen stellt dieser fest, dass es sich bei der rechten Person um Qualcomms SVP Raj Talluri handelt.

Die neuen Qualcomm-SoCs sollen zudem auch fortschrittlichere Authentifizierungsverfahren unterstützen. Ständig aktive Sensoren sollen die Umgebung des Nutzers erfassen und seine Bedürfnisse vorhersehen. Die Audiowiedergabe will Qualcomm durch Anpassungen an Umgebungsgeräusche und die Erkennung von Kopfbewegungen verbessern. Die Sprach- und Audioerkennung soll es Geräten erlauben, anhand bestimmter Umgebungsgeräusche vorgegebene Aktionen auszuführen oder auch natürliche Sprache zu verarbeiten.

Qualcomm hat für die Zeroth-Plattform eine Software-Suite entwickelt, die Hardware-Komponenten eines Smartphones nutzt, um diese intelligenten Funktionen zur Verfügung zu stellen. Zeroth ist sogar in der Lage, Gesichtsausdrücke zu erkennen und darauf zu reagieren.

Dass die benötigten mathematischen Modelle extreme Anforderungen an die Rechenleistung stellen, ist unzweifelhaft. Der Snapdragon-820 wird daher vermutlich mehr als zwei der eigens entwickelten 64-bit-ARMv8-Kryo-CPUs (griechisch: Eis, soll zeigen, dass es sich um ein „cooles“ Design handelt) beinhalten, gerüchteweise soll es es sich um ein Octa-Core-Design ohne big.LITTLE-Prozessing handeln, bei welchem alle acht „big“ Cores in Abhängigkeit der Arbeitslast individuelle Frequenz- und Spannungsregelung erhalten.

Details zum Snapdragon-820 gab Qualcomm nicht bekannt, der Chip soll jedoch bereits im 2. Halbjahr 2015 bemustert werden und dürfte daher 2016 in ersten Smartphones auftauchen. Fest steht lediglich, dass er in einem FinFET-Prozess (zu 99 % in Smasungs/Globalfoundries‘ 14-nm-Prozess) gefertigt werden wird.