Erst ausprobieren, dann zahlen Neues Lizenzierungsmodell von Arm-attraktiv für Startups und SMEs

Extreme Low Power: 32 bit RISC-Mikrocontroller mit 2,5 μW/MHz.

Der englische IP-Anbieter Arm erweitert die Möglichkeiten, auf seine Technologie zugreifen und diese lizenzieren zu können. „Arm Flexible Access“ dürfte gerade für Startups,kleine und mittlere Unternehmen attraktiv sein, da es den Zugriff auf IP ohne kostspielige Vorab-Lizenzzahlungen ermöglicht.

„Arm Flexible Access“ ist ein neues Modell, das es SoC-Designteams ermöglicht, Projekte zu initiieren, bevor sie IP lizenzieren und nur für das bezahlen, was sie in der Produktion verwenden. Dadurch haben Unternehmen mehr Freiheit beim Experimentieren, Bewerten und Innovieren. Stellt man während des Projektes fest, dass sich die Ziele geändert haben oder/und andere IP-Blöcke nützlich wären, kann man diese einfach austauschen – bezahlt wird erst vor dem Chip-Tapeout und der Fertigung.

Durch die Konvergenz des unbegrenzten Designzugangs ohne vorherige Lizenzverpflichtung befähigt Arm bestehende Partner und neue Marktteilnehmer, neue Wachstumschancen in den Bereichen IoT, Machine Learning, selbstfahrende Autos und 5G zu nutzen.

Mehrere Partner, darunter AlphaICs, Invecas und Nordic Semiconductor, haben sich für dieses neue Arm-Modell entschieden und haben bereits Zugang zu einer breiten Palette von IP-Produkten, Support-Tools und Schulungen. Arm Flexible Access ergänzt die Standardarmlizenz, die weiterhin die beste Option für Partner sein wird, die Zugang zum gesamten Produktportfolio und zu den fortschrittlichsten IP-Lösungen von Arm suchen.

In der Regel lizenzieren Partner einzelne Komponenten von Arm und zahlen im Voraus eine Lizenzgebühr, bevor sie auf die Technologie zugreifen können. Mit Arm Flexible Access zahlen sie eine vergleichsweise geringe Gebühr für den sofortigen Zugriff auf ein breites Technologieportfolio und erst dann eine Lizenzgebühr, wenn sie sich zur Herstellung verpflichten, gefolgt von Lizenzgebühren für jede ausgelieferte Einheit (Royalties). Dieses Portfolio umfasst alle wesentlichen Intellectual Property (IP) und Tools, die für ein SoC-Design benötigt werden, um die Evaluierung oder den Prototyp mit mehreren IP-Blöcken vor der Lizenzierung zu erleichtern. Die Lizenzgebühren und Royalties sollen sich laut Arm im Vergleich zum traditionellen Lizensierungsmodell im „ähnlichen Bereich“ bewegen, d.h. einen signifikanten Aufschlag für die gewonnene Flexibilität wird es nicht geben.

Bild 1 zeigt einen Vergleich des traditionellen Lizenzmodells (oben) und von „Arm Flexible Access“.

IP, das über Arm Flexible Access verfügbar ist, umfasst die Mehrheit der armbasierten Prozessoren innerhalb der Arm  Cortex-A, -R und -M Familien. Diese CPUs machten 75 Prozent aller in den letzten zwei Jahren unterzeichneten Cortex CPU-Lizenzen aus. Dazu gehören auch Arm TrustZone und CryptoCell Security IP, ausgewählte Mali GPUs, System-IP sowie Tools und Modelle für SoC-Design und frühe Softwareentwicklung. Der Zugang zu den globalen Support- und Trainingsdienstleistungen von Arm ist ebenfalls enthalten.

Nicht inkludiert ist die neueste „Leading-Edge-IP“ wie CPUs des Typs Cortex-A7x oder der neuronalen Netzwerk-Engine (NPU). Der Grund ist, dass diese zunächst als Lead-Kunden wie z.B. Samsung, Qualcomm oder Huawei ausgeliefert wird, also Firmen, die mit extrem großer Expertise, Erfahrung und Man-Power auch als „Testvehikel“ für diese IP dienen. Wenn die IP später auch für breitere Märkte zum Einsatz kommt, wird sie Arm vermutlich ebenfalls in das „Flexible Access“-Programm integrieren.

Wir halten diesen Ansatz für extrem zielführend, da Arms Zielgruppen für dieses Programm sicherlich nicht in allen Fällen die neueste Leading-Edge-IP ohne signifikanten externen Support überhaupt würden integrieren können.

Bild 2 zeigt den derzeitigen Stand der in dem Programm integrierten IP.

Viele Use-Cases abbildbar

Bild 3 und 4 zeigen zwei typische Use-Cases für embedded-Anwendungen, wie sie mit Arm-IP in dem neuen Lizensierungsmodell abbildbar wären. In Bild 3 ist das Blockschaltbild eines komplexen, heterogenen Computing-Systems ersichtlich, wie es z.B. in Industriesteuerungen oder IP-Kameras zum Einsatz kommt. Eine kohärente Multi-Core-CPU/GPU-Verarbeitung und das umfassende Ecosystem der Arm-Software, einschließlich Arm NN für KI, Linux und Trusted Firmware werden ergänzt durch mehrere Mikrocontroller für dedizierte, embedded Steuerungsalgorithmen und erweiterte Sicherheitsfunktionen.

Bild 4 zeigt das Blockschaltbild eines einfachen sicherheitssensitiven Systems, wie es z.B. in IoT-Sensorik, Medizinanwendungen und Smart-Lock-Lösungen zum Einsatz kommt. Neben Security-Features in Mikrocontroller und Peripherie spielt natürlich auch die Energieeffizienz eine große Rolle. Durch die Implementierung eines PSA-zertifizierten Systems, ein Subsystem mit vorvalidierter IP und Software kann die Zeit bis zur Marktreife verkürzt werden. Und über CMSIS-NN ist maschinelles Lernen in der Edge möglich.

Fazit

Das neue Lizensierungsmodell von Arm bringt natürlich viele Vorteile für Firmen jenseits der Samsungs, Apples, Qualcomms & Co. dieser Welt mit sich. Ob man sich freiwillig dafür entschieden hat, oder mehr oder weniger durch die neue RISC-V-Konkurrenz dazu gezwungen wurde (das Modell entspricht vom Prinzip her fast 1:1 dem Angebot des RISC-V-Marktführers SiFive), sei einmal dahingestellt und ist im Ergebnis auch egal: Fakt ist, gerade finanzschwächere kleinere Unternehmen können mit einer kleinen Eintrittshürde SoCs mit 75 % der verfügbaren Arm-IP designen und zahlen am Ende nur für das, was sich im Entwicklungsprozess als nützlich erwiesen und tatsächlich auf dem Chip verbaut wird.

Dass das IP-Angebot von Arm das von SiFive bei weitem übertrifft, ist angesichts des riesigen Ecosystems und der Historie von Arm nicht verwunderlich und offensichtlich. Ein bisheriges Alleinstellungsmerkmal des RISC-V-Startups ist ab sofort mit „Arm Flexible Access“ entfallen, vom objektiven Nutzen für die Embedded-Community ganz zu schweigen. Insofern liegt man wohl nicht ganz falsch, wenn man dem Programm Erfolg prognostiziert. Markteilnehmer wie Nordic Semiconductor, Socionext und MegaChips sind jedenfalls bereits auf den „Arm-Felexible-Access“-Zug aufgesprungen.