Bulldozer fährt gegen die Wand Neuer AMD-Prozessor kann offenbar nicht mit Intels Core-Chips mithalten

Wir hatten es ja schon nach der Vorstellung von Intels Sandy-Bridge-Mikroarchitektur vermutet, jetzt ist die Gewissheit da: AMDs Bulldozer-Architektur ist Intel im Hinblick auf Rechenleistung/Watt hoffnungslos unterlegen, zumindest was das Spitzenmodell FX-8150 angeht.

Seit 2007 bastelt AMD an seiner neuen Architektur. Der nach mehreren Verschiebungen jetzt vorgestellte FX-8150 ist das mit 3,6 GHz getaktete Spitzenmodell, das laut AMD über acht Cores verfügen soll. Eigentlich handelt es sich um 4 Module, die jeweils 2 Integer-Einheiten aufweisen und 8 Threads abarbeiten.

Unsere Kollegen von der PC-Presse haben den FX-8150, der rund 240 Euro kosten soll, gegen Intels Core-I5-2500K mit 3,3 GHz (4 Cores und 4 Threads, rund 180 Euro) und Core-i7-2600K (3,3 GHz, 4 Cores, 8 Threads dank Multithreading, rund 270 Euro) antreten lassen. Zudem wurde noch AMDs Vorgänger-Chip Phenom II X6, eine mit 3,3 GHz getakteter 6-Core-Prozessor mit 6 Threads, mitverglichen.

Insgesamt wurden 12 Benchmark-Tests aus den Bereichen Video-Wiedergabe und –Transcoding, Web-Browsing, Verschlüsselung, DirectX9, Datentransfer von und zum Speicher, Starten von Anwendungen, 3D-Spiele oder Gleitkommazahlenverarbeitung abgearbeitet.

Das Ergebnis: Von 28 Einzeltests gewann der Core-i7 deren 17 (davon ein geteilter 1. Platz), der Core-i5 sieben, der FX-8150 fünf (davon ein 1. Platz geteilt) und der Phenom überraschenderweise noch Einen (AIDA64 Extreme, FPU VP8). Dafür belegte der FX-8150 acht letzte Plätze, besonders im Bereich der Gleitkommazahlen-Verarbeitung zeigte er sich sehr schwach.

Desaströs schneidet der FX-8150 bei der Leistungsaufnahme ab. Schon im Idle-Modus von Windows 7 in der 64-bit-Version werden auf einem Board mit 8 Gbyte DDR3-Speicher und einer AMD-Radeon 5870-Grafikkarte 87 W gemessen, der Core-i7 begnügt sich in derselben Konfiguration mit 71 W und der Core-i5 mit 69 W. Der nicht wie die anderen drei in einem 32-nm-Prozess sondern in einem 45-nm-Prozess gefertigte Phenom kommt auf 109 W.

Noch bitterer wird es unter Vollast, einer Primzahlenberechnung: Hier maßen unsere Kollegen 253 W für den FX-8150, während beim Core-i5 nur 149 W und beim Core-i7 164 W fällig wurden. Der 45-nm-Phenom liegt mit 304 W freilich noch höher.

Die wichtigste Maßzahl für die Qualität eines Prozessors ist die Rechenleistung pro W. Da der FX-8150 deutlich mehr als die Intel-Chips aufnimmt (unter Vollast fast 50 % mehr als ein Core-i7) und auch noch eine geringere Rechenleistung aufweist, schneidet er hier natürlich besonders schlecht ab.

In wenigen Monaten bringt Intel zudem die neue Ivy-Bridge-Architektur mit in 22-nm-Prozessen gefertigte und auf FinFET-Transtoren basierenden Prozessoren heraus, welche die Leistungsaufnahme bei gleicher Rechenleistung laut Intel nochmal mehr als 30 % drücken soll. Trifft dies ein, wird der Abstand zumindest zum FX-8150 noch größer – ohne dass AMD etwas entgegensetzen könnte, denn eine FinFET-Fertigung steht bei Globalfoundries, dem Auftragsfertiger von AMD, wie bei TSMC nicht vor dem 14-nm-Node an. Es hätte also seitens AMDs mehr oder weniger einer „Wunder-Mikroarchitektur“ bedurft, um den Fertigungsvorsprung von Intel in den nächsten 3-4 Jahren einigermaßen kompensieren zu können. Dies ist Bulldozer nach diesen Meß-Ergebnissen jedoch sicher nicht.