Die Neuerfindung geht weiter Mit Fusion will AMD Intel endlich wieder Paroli bieten

Dieses Jahr kamen vom Prozessorhersteller AMD die wichtigsten Produkteinführungen seit Opteron und Athlon (Codename „Hammer“) im Jahr 2003. Die Frage ist, werden die neuen Produkte ausreichen, um dem Unternehmen AMD wieder mehr Bedeutung zu verleihen ? Die Aussichten sind nicht schlecht, aber es sind weitere Maßnahmen erforderlich, um AMD aus der Low-Profit-Schiene herauszuholen.

Mittlerweile liefert AMD die Brazos- und Llano-Fusion-Prozessoren aus und bereitet die Bulldozer-basierenden Zambezi-Chips vor, wodurch das Jahr 2011 zu einem wichtigen Meilenstein für die Firma wird. Diese prozessoren sollen endlich die Versprechen des Fusion-Programms einlösen, die man kurz nach dem Kauf des Grafikchip-Herstellers ATI gegeben hatte.

Brazos und Llano wurden speziell für Mobilgeräte entwickelt, statt einfach PC-Prozessoren für diese Anwendungen zu adaptieren. Im Vergleich zu Intels Atom- und Sandy-Bridge-Prozessoren zeichnen sich sich vor allen Dingen durch eine bessere Grafikleistung aus. So konnte AMD im 2. Quartal 2011 seinen Marktanteil und auch die Profitabilität vergrößern.

Wie alles begann

AMD und Intel wurden im Abstand von nur einem Jahr jeweils von ehemaligen Mitarbeitern von Fairchild Semiconductor gegründet, aber die Entwicklung beider Firmen war höchst unterschiedlich. AMD wurde am 1. Mai 1969 unter dem Namen „Sanders Association“ von Jerry Sanders III und Ed Turney gegründet. Das Startkapital wurde durch Investoren, darunter lustigerweise auch Intel-Gründer Robert Noyce, bereitgestellt.

AMD begann das Geschäft mit Mikroprozessoren als Sekundärlieferant (sogenannte „Second Source“), als erstes für den Zilog Z8000 und später für Intels 8086. AMDs erster selbst designter Prozessor war 1975 der Am2900, allerdings handelte es sich dabei nicht um einen kompletten Mikroprozessor.

Hinsichtlich der x86-Strategie wollte man zunächst Intel kopieren und eine etwas bessere Rechenleistung zum selben Preis anbieten. Als sich jedoch Intel entschied, dass man AMD als Sekundärlieferanten weder brauchen noch weiterhin haben wolle, war das Unternehmen gezwungen, seinen eigenen Prozessor zu bauen: Der AMD-K5 im Jahr 1996 war der erste Schritt in die Unabhängigkeit, jedoch auch der Beginn eines langen und steinigen Weges als zweitgrößter x86-Hersteller.

In den letzten 10 Jahren ist AMD von einem Halbleiter-Hersteller mit sehr unterschiedlichen Produkten (u.a. Speicher, embedded-Prozessoren und Kommunikations-Chips) zu einem fabless-Hersteller mutiert, der sich ausschließlich auf x86-PCs und Server fokussiert. In den 80er Jahren gab es sogar eine Zeit, wo AMD sämtliche Technologie im Hause hatte, um ein bedeutender Hersteller im Netzwerk-Markt zu werden: Programmierbare Logik, nichtflüchtige Speicher, RISC- und CISC-Prozessooren und wireless- sowie wired-LAN-Chips.

Das AMD von heute hat mit dem AMD des Jahres 2000 nicht mehr viel zu tun. Wie in Bild 1 ersichtlich ist, gab es 2000 mehr Produktlinien, viel Umsatz mit Speichern und 1999 den Spin-Off des Geschäftes mit programmierbarerer Logik (PLDs und FPGAs) in die Firma Vantis, die später von Lattice Semiconductor gekauft wurde. Zehn Jahre später hatte man auch das Speichergeschäft in die Firma Spansion und das Kommunikations-Chip-Geschäft in die Firma Legarity ausgelagert. Das damalige AMD-Management wollte sich ganz auf den seinerzeit schnell wachsenden PC-Markt wegen der hohen Margen konzentrieren und über die Jahre hat man sich dann von allen Geschäftsbereichen getrennt, die nicht direkt mit PCs oder Servern zusammenhängen.

In der Pokersprache würde man sagen, AMD ging „All in“ und hängte sein eigenes Schicksal an das der PC-Industrie. In seiner Historie wettete AMD häufig große Einsätze, keiner war aber so groß wie beim Kauf des Grafikchip-Herstellers ATI im Jahr 2006.