Neuer Chef MIPS-CEO will Firma umbauen

Sandeep Vij, CEO von MIPS Technologies

Der neue CEO des Prozessorherstellers MIPS, Sandeep Vij, will die Firma vom reinen Core-Lieferanten in Richtung Lösungsanbieter umbauen. Desweiteren sollen auch Produkte für das untere Ende der Leistungsskala entwickelt werden.

In einem Gespräch mit der Zeitschrift Elektronik hob Vij hervor, dass MIPS, in der öffentlichen Wahrnehmung häufig als Anbieter ausschließlich für Konsumelektronik wie SetTop-Boxen oder MP3-Spieler bekannt, schon heute signifikante Design-Wins in den Bereichen Wireless, Automotive und Industrial habe. So gäbe es schon Handys mit MIPS-Cores zu kaufen.

Auf die wirtschaftliche Situation seines Unternehmens angesprochen, entgegnete Vij, dass die Kredite, die MIPS für den Kauf und anschließendem (Not-)Verkauf der portugisischen Analog-IP-Firma Chipidea aufnehmen musste, bis auf weniger als 10 Mio. Dollar zurückgezahlt seien. Pro Quartal verdiene die Firma 3 bis 4 Mio. Dollar.

Nach den wichtigsten Aufgaben als neuer CEO gefragt, sagte Vij, dass sich MIPS weg von einer reinen Prozessor-Firma hin zu einem Gesamtlösungs-Anbieter entwickeln müsse. Dies bedeute insbesondere einen Ausbau des Ecosystems mit Partnern, die MIPS als »Dirigent eines Orchesters« steuern wolle. Darüber hinaus plant er die Entwicklung von Referenz-Designs, die es den Kunden ermöglichen, ihre Produkte schneller marktfähig zu machen.

In Analogie zum FPGA-Hersteller Xilinx, für den Vij im Rahmen seiner damaligen Tätigkeit die »Billig-Produktlinie« Spartan entwickelte, will er auch bei MIPS Produkte am unteren Ende der Leistungsskala entwickeln. Derzeit zeichnen sich MIPS-Cores primär durch überdurchschnittliche Rechenleistung aus. Hierzu gibt es eine »Kundenroadmap«, die MIPS zusammen mit seinen wichtigsten Kunden erstellt hat und in Kürze vorgstellt werden soll.

Als letzten Punkt erwähnte Vij, dass MIPS' Firmenkultur in Richtung »High-Performance-Culture« entwickelt werden müsse, in der agressive Ziele aufgestellt und verfolgt werden müssten - eine mehr oder weniger versteckte Kritik an seinem Vorgänger John Bourgoin, der sich 2009 in die Rente verabschiedet hatte.

Auf die Dominanz von ARM im Bereich Handys angesprochen, sagte Vij eine signifikante Marktverschiebung voraus. Zum einen könne jeder Handyhersteller dank des Betriebssystems Android, dem er großen Erfolg voraussagte, nun auch MIPS-Cores einsetzen, die zudem objektiv unter Android die höchste Rechenleistung und eine bessere Energieeffizienz als die Konkurrenz erzielen würden. Zum anderen sagte Vij: »Niemand und vor allem kein Handyhersteller mag Monopole« (Amerkung der Redaktion: ARM-Cores finden sich mittlerweile in über 95 Prozent aller Handys).

Aktuell besucht Vij Kunden in aller Welt, um diesen »zuzuhören« und ihre »Bedürfnisse noch besser zu verstehen«.