Ranking von Dax-Chefs Infineons CEO Dr. Ploss abgeschlagen auf Platz 25

Dr. Reinhard Ploss, CEO von Infineon: »Trotz des anhaltend schwierigen makroökonomischen Umfelds gehen wir davon aus, dass wir unsere Ziele für das laufende Geschäftsjahr erreichen.«
Dr. Reinhard Ploss, CEO von Infineon

In einer exklusiven Umfrage der Kollegen vom Handelsblatt wurden 12.000 Fach- und Führungskräfte zu ihrer Sicht auf die Chefs der deutschen Dax-Konzerne befragt. Das Ergebnis ist für Infineons CEO Dr. Reinhard Ploss ernüchternd – und das völlig zu Unrecht.

Dreißig mehr oder wenig illustre Konzerne versammeln sich im deutschen Aktienindex Dax, geleitet werden sie von noch mehr oder eben auch weniger erfolgreichen Managern. Infineons Chef Dr. Reinhard Ploss gehört sicherlich – egal welche Kennzahlen man zu Grunde legt – zweifelsfrei zu der erfolgreichen Gruppe, was sich allerdings in der Handelsblatt-Umfrage nun gar nicht abbildet.

Auf Platz 25 landete Ploss abgeschlagen im Gesamtergebnis, während z.B. Mercedes-Chef Ola Källenius, der gerade eine Gewinnwarnung nach der anderen sowie den Abbau von bis zu 15.000 Arbeitsplätzen angekündigt hat, auf Platz 3 landete. Auch Lufthansa-CEO Carsten Spohr, der seit Jahren versucht, auch seine treuesten Kunden mit immer fieseren Sparprogrammen zu vergraulen, auf Platz 7 und die neuen SAP-Chefs Christian Klein und Jennifer Morgen, die erst kürzlich ins Amt gewählt wurden und deren Impact auf SAP derzeit somit sicherlich mehr als nur limitiert ist, konnten sich mit den Plätzen 5,6 und 7 weit oben platzieren.

Ploss nicht wirklich bekannt

Schaut man sich die Einzelwertungen an, wird relativ schnell klar, warum Ploss nur auf Platz 25 zu finden ist. Schon bei der Bekanntheit sieht es durchwachsen aus: Nur für 50,9 % der 12.000 befragten Fach- und Führungskräfte ist der Infineon-CEO „kein Unbekannter“, der Sieger in dieser Kategorie, Herbert Diess von VW, kam immerhin auf 73,9 %. Hier zeigt sich das generelle Problem im B2B-Business: Meinungsmachende Journalisten sind eher auf Firmen im B2C-Bereich fokussiert, weil Meldungen darüber bei den Lesern einfach mehr Klicks generieren – einen Infineon-Chip zu kaufen, ist nunmal für weniger Menschen (=Leser) interessant als ein Auto zu erwerben.

Wirtschaftsentwicklung positiv beeinflusst

Die nächste Frage lautete „Wie stark haben diese CEOs die Wirtschaftsentwicklung im letzten Jahr positiv beeinflusst?“. Hier konnte sich Ploss immerhin auf Platz 16 platzieren, was letztendlich natürlich – nimmt man nur Källenius auf Platz 10 und Spohr auf Platz 11 als Maßstab – immer noch weit unter Wert ist.

Ploss nicht innovativ?

Was die Frage nach der Innovationskraft der CEOs angeht und insbesondere die Antworten darauf, stellt sich allerdings spätestens hier die Frage, ob Infineons Kommunikationsabteilung, die ja seit 1.1.2020 mit Bernd Hops einen neuen Leiter hat, in den vergangenen Jahren Infineons Produkte und Entwicklungen optimal kommuniziert hat: Der CEO und Part-Time-CTO Dr. Ploss, der wohl wie kein Zweiter seiner Dax-Kollegen tief in die Technologie herabsteigt, landete mit 7,8 % der Antworten auf Platz 17, während Lufthansas Spohr, dessen „Innovationen“ primär in Kürzungen beim Kundenservice und Meilenprogramm „Miles&More“ bestanden, mit 14,6 % immerhin Platz 8 erreichte.

Infineon nicht nachhaltig

Noch düsterer sieht es bei der Nachhaltigkeit aus: mit 3,2 % landete Ploss abgeschlagen auf Platz 26, dem Rubrikensieger Kasper Rorsted von Adidas, attestierten immerhin 16,7 % der Befragten, nachhaltig zu handeln. Natürlich werden bei der Chipfertigung zwangsläufig Chemikalien eingesetzt, warum dies allerdings weniger nachhaltig sein soll, als die extremst CO2-intensive Zementproduktion, kann sich niemandem ernsthaft erschließen. Bernd Scheifele, CEO von Heidelberg Cement, landete tatsächlich immerhin auf Platz 24. Und dann ist da noch der unglückliche Werner Baumann, CEO von Bayer und bis zum Hals in die Umwelt-Gift-Thematik Glyphosat nebst diesbezüglichen Massen-Prozessen verstrickt. Er schaffte es auf Platz 12, immerhin 8,6 % der Befragten attestierten ihm Nachhaltigkeit.

Fast niemand möchte für Dr. Ploss arbeiten

Hört man sich hinsichtlich der Firmenkultur bei Infineon um, wird der Chef fast nur gelobt – was man z.B. von der Telekom nicht wirklich sagen kann. Nichtsdestotrotz würden nur 5,3 % der Befragten gerne für Ploss arbeiten, während dies bei Telekom-Chef Timotheus Höttges immerhin für 11 % zutrifft. Der Infineon-CEO landet auch in dieser Kategorie mit Platz 23 im hinteren Drittel.

Tatsächlich geht es noch schlimmer: Auf die letzte Frage der Handelsblatt-Kollegen, welchen CEO die Befragten denn einmal persönlich treffen möchten, findet sich der Infineon-Chef auf Platz 27 wieder – mit 4,2 %. Dies ist exakt derselbe Wert wie für Bernd Scheifele von Heidelberg Cement. Wenn man sich vorstellt, der eine CEO erzählt etwas über Mikrochips, der andere etwas über Zement (fairerweise muss man zugeben, dass die Firma auch weitere „sexy Produkte“ wie Transportbeton und Asphalt herstellt), muss man doch ganz objektiv feststellen, dass irgendetwas in Infineons Kommunikationsstrategie suboptimal gelaufen sein muss.

Fazit

Natürlich mag es viele Gründe geben, warum Infineons CEO Dr. Reinhard Ploss in der Handelsblatt-Studie weit unter Wert geschlagen wurde. Einen kann man jedoch definitiv ausschließen: An der Aktienkursentwicklung kann es nicht liegen, denn dort hat z.B. die Lufthansa in den letzten 12 Monaten von 22 auf 14,50 Euro verloren, während Infineon von 19,40 auf 21,60 Euro zugelegt hat. Auch dass Ploss als Chef eines B2B-Konzerns nicht die Bekanntheit einer B2C-Firma hat, ist nachvollziehbar.

Was allerdings zu denken gibt, ist die schlechte Bewertung im Punkt Innovation. Offenbar ist es immer noch nicht durchgedrungen, dass kaum ein Dax-Konzern als Enabler für Innovation steht wie Infineon und dort eben auch gerade der Herzblut-Techniker Dr. Reinhard Ploss. Rubrikengewinner Oliver Zipse (31,2 % der Befragten attestieren ihm Innovation) von BMW ist nur ein Beispiel, Elmar Degenhard von Continental ein anderes. Das Image als Nicht-Innovator schlägt sich vermutlich auch in dem geringen Interesse an einem Treffen mit Ploss nieder. Aber auch die ungerechtfertigt schlechte Bewertung im Punkte Nachhaltigkeit würde mir in den aktuellen Zeiten zu denken geben, von der Siemens-Zentrale zum Campeon ist es nur ein kurzer Weg für die sogenannten Klima-Aktivisten.

Besonders bitter ist auch die Tatsache, dass sich gerade die Handelsblatt-Leser aus überdurchschnittlich beruflich erfolgreichen Mitbürgern/innen rekrutieren, bei denen man eine vergleichsweise gute Information aus niveauvollen Medien voraussetzen darf.

Infineons neuem Kommunikationschef Bernd Hops kann man diese wenig erfreulichen Ergebnisse nicht zuschreiben, er ist ja erst seit dem 1.1.2020 in Amt und Würden. Stand heute ist  Infineons CEO nicht nur zu unbekannt, sondern sollte auch so wahrgenommen werden, wie es den Tatsachen entspricht: Als Innovator auf allerhöchstem technischen Niveau, der viele Innovationen seiner Kunden überhaupt erst ermöglicht – inklusive Energiespar-Produkten, die z.B. durch höhere Wirkungsgrade der Leistungselektronik für Nachhaltigkeit und weniger CO2-Emissionen stehen.