Gegen negativen Markttrend Infineon wächst weiter

Dr. Reinhard Ploss (Infineon): Dank seiner sachlichen Kommunikation und Fachkompetenz hat sich Ploss nach unserer Einschätzung zum DAX-CEO-Liebling von Bundeskanzlerin und Physikerin Angela Merkel entwickelt und sitzt bei allen deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen mit am Tisch. Infineons Leistungselektronik-Palette passt nach dem Kauf von International Rectifier zudem perfekt zu den Zielen in Chinas neuestem 5-Jahresplan – Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Elektromobilität. Man braucht kein Prophet zu sein, um Infineon weiterhin wachsende Umsätze im Reich der Mitte vorherzusagen.

Während die Konkurrenz mehr oder weniger schwächelt, konnte der deutsche Halbleiterhersteller Infineon konnte im abgelaufenen 3. Quartal seines Geschäftsjahres 2019 gegen den Markttrend ein weiteres Umsatzwachstum verbuchen.

Während sich viele Halbleiterhersteller wie z.B. ST Microelectronics in dem wie es so schön heisst “schwierigen makroökonomischen Umfeld” schwertun und im Vergleich zum Vorjahr Umsatzrückgänge hinnehmen mussten, konnte Infineon mit 2, 015 Mrd. Euro Umsatz das Ergebnis im Vergleich zum identischen Vorjahresquartal  um 4 % steigern.

Der Gewinn ging dabei allerdings von 271 auf 224 Mio. Euro zurück, was die sogenannte Segmentergebnis-Marge von 18,3 % auf 15,7 % absinken ließ. Im Vergleich zum Wettbewerb ist die Umsatzrendite damit jedoch immer noch sehr anständig.

Der Bereich Automotive erzielte getrieben durch die Nachfrage nach Fahrerassistenzsystemen 888 Mio. Euro Umsatz (+6 % gegenüber Q3 2018). Industrial Power Control steigerte sich durch die bereiche Fotovoltaik und Windenergie von 349 auf 357 Mio. Euro Umsatz (+2 %), während Power-Management&Multimarket durch die NAchfrage nach mobilen Endgeräten und einen stärkeren US-Dollar 3 % gewann und jetzt 598 Mio. Euro Umsatz generierte. Lediglich das Sorgenkind Digital Security Solutions musste einmal mehr einen Umsatzrückgang hinnehmen, diesmal um 5 % auf 167 Mio. Euro.

Die regionale Verteilung des Umsatzes erklärt Infineons Erfolg. Während in Europa nur noch 31 % des Umsatzes erzielt wird (davon in Deutschland 15 %), kommt Asien auf 49 %, davon alleine 27 % in China. In China wird somit mittlerweile fast soviel Umsatz generiert wie in ganz Europa zusammen, zu Zeiten von Siemens Halbleiter ein seinerzeit undenkbares Szenario. Die Verkaufsanteile in Japan (8 %) und Amerika (12 %, davon USA 10%) sind seit langer Zeit nahezu konstant. Der Bereich Automotive profitiert von der steigenden Nachfrage nach Hybrid- und Elektrofahrzeugen in Asien (hohe Nachfrage nach Infinons IGBTs), Power Management u.a. von der stiegenden Nachfrage nach Handys in diesen Märkten (neben Gleich- und Wechselspannungswandlern). Ebenso wird in China eine signifikante Ladeinfrastruktur für E-Autos aufgebaut. Industrial Power Control konnte mit seinen Leistungshalbleitern von stiegender Nachfrage nach Photovoltaik, Windenergie als auch Zügen und unterbrechungsfreien Stromversorgungen profitieren. Insbesondere die SiC-MOSFETs sind sehr erfolgreich, z.B. in Wechselrichter-Anwendungen. Wer den Plan der chinesischen Regierung „China 2025“.(hinter der Abkürzung versteckt sich Chinas Masterplan für die industrielle Modernisierung des Landes) gelesen hat – bis 2025 soll der Anteil chinesischer Hersteller an fortschrittlicher Produktionstechnik und wichtigen Werkstoffen auf dem einheimischen Markt auf 70 Prozent ansteigen – kann Infineon dank der “Umsetzungsstärke” in diesem Land im Grunde genommen nur noch bessere Zeiten prognostizieren.

Auch was die Anzahl der Mitarbeiter angeht, ist Infineon weiterhin auf Wachstumskurs: 41.808 Angestellte, davon 7.676 in Forschung & Entwicklung, arbeiteten am 30.6.2019 für den Chiphersteller.

Und noch etwas erfreuliches: Die Investitionen in Forschung&Entwicklung, die zeitweise nur noch 10,6 % vom Umsatz betrugen, wurden mit 12 % vom Umsatz wieder deutlich angehoben.

Zum Thema “Akquisition von Cyress” ist zu sagen, dass der Aufsichtsrat von Infineon und das Board of Directors von Cypress der geplanten Transaktion bereits zugestimmt haben. Zum endgültigen Abschluss der Transaktion bedarf es noch der Zustimmung der Aktionäre von Cypress und der zuständigen Aufsichtsbehörden sowie der Erfüllung weiterer üblicher Bedingungen. Abschluss und Vollzug der Transaktion werden gegen Ende des Kalenderjahres 2019 oder zu Beginn des Kalenderjahres 2020 erwartet.

Zur Finanzierung der Transaktion hatte zunächst eine kleine Bankengruppe verbindliche Kredite zugesagt. Die letztendliche Finanzierungsstruktur ist auf die Beibehaltung des Investment-Grade-Ratings ausgerichtet. Daher beabsichtigt Infineon, die Transaktion zu rund 30 Prozent mit Eigenkapital zu finanzieren. Der Rest soll durch Fremdkapitalinstrumente und vorhandene Barmittel aufgebracht werden. In Hinblick auf den Eigenkapitalanteil der Finanzierung wurde am 18. Juni 2019 eine Kapitalerhöhung gegen Bareinlage durchgeführt. Dabei wurden rund 113 Millionen neue Aktien ausgegeben und ein Nettoemissionserlös von 1,5Milliarden Euro erzielt. Die nach diesem Schritt verbleibende Akquisitions-finanzierung wurde zwischenzeitlich erfolgreich innerhalb eines größeren Bankenkonsortiums syndiziert.

Aktie gewinnt

Infineons Aktie konnte diesmal von den guten Zahlen profitieren, sie gewann zum Börsenstart rund 2,5% gegenüber dem Vortag.

Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet CEO Dr. Ploss eine Spanne von 1 Prozent höheren Umsatz gegenüber dem Vorjahr bis 2 Prozent weniger Umsatz. Die Segmentergebnis-Marge soll rund 14,5 Prozent betragen.