Kommentar Infineon und das 15-%-Problem

Zum ersten Mal seit seiner Ernennung als CEO präsentierte Dr. Reinhard Ploss ein Jahresergebnis des Chipherstellers Infineon. Gegenüber 2011 ging der Umsatz von 4 Mrd. auf 3,9 Mrd. Euro zurück, schwerer wiegt der Gewinneinbruch von 1,1 Mrd. Euro auf nur noch 400 Mio. Euro - und ein Versprechen von Ploss' Vorgänger Peter Bauer an die Aktionäre.

Vor allen Dingen die schlechte Konjunktur in der Industrie und auch das limitierte Automobilgeschäft in Europa macht der Branche zu schaffen, so sind die Fabs von Infineon nur noch zu 80 % ausgelastet und Besserung ist laut Ploss nicht in Sicht. Die Folge ist ein 100 Mio. Euro umfassendes Sparprogramm, bei dem Zeitarbeitsverträge nicht verlängert werden, 1.100 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden, Projekte gestrichen und eine Gehaltserhöhungsrunde um 6 Monate verschoben wurde.

Die wichtigste Nachricht: Entlassungen wird es keine geben, ein objektiv richtiger Ansatz, denn nichts ist sinnfreier, als hochqualifizierte Ingenieure zu feuern und beim nächsten Aufschwung festzustellen, dass man einen „Fachkräftemangel“ erleidet, der zukünftige Innovationen ausbremst.

Der Aktienkurs stieg nach der Rede von Ploss um rund 6 %, offenbar sind auch die Anleger mit den beschriebenen Maßnahmen einverstanden. Betrachtet man Infineon in seinem Wettbewerbsumfeld, stell man zudem fest, dass sich die Deutschen weit besser schlagen als die direkte Konkurrenz, welche ihren Tätigkeitsschwerpunkt in vergleichbaren Märkten hat – dort erlebt man Umsatzrückgänge von z.T. 25 %, von Gewinnen kann die eine oder andere Firma derzeit nur träumen, stattdessen versucht man „die negativen Gewinne zu minimieren“.

Diese Feststellung wird Ploss allerdings nicht helfen, er muss sich aus Anlegersicht vielmehr an der Aussage seines Vorgängers Peter Bauer messen lassen müssen, der einst verkündete, dass man über den Zyklus der Chip-Branche hinweg eine operative Marge von 15 % erzielen wolle.

Helfen könnte nicht nur Infineon die rasche Umsetzung politischer Ziele wie Energiewende und Ausbau der Infrastruktur für E-Mobilität, viel Unterstützung darf man da freilich aus Berlin und Brüssel nicht erwarten. So muss Ploss mit seinen Kollegen einen Spagat schaffen: Einerseits das von Peter Bauer abgegebene Rendite-Versprechen einzulösen und andererseits Infineon nicht kaputtzusparen – die Innovation abzuwürgen, wäre sicher langfristig noch schlimmer als eine für einen überschaubaren Zeitraum geringere Marge, selbst wenn sich diese erst einmal ungünstig auf den Aktienkurs auswirken dürfte.