Pessimistische Analysten widerlegt Infineon mit erfolgreicher Quartalsbilanz

Dr. Reinhard Ploss (Infineon): Dank seiner sachlichen Kommunikation und Fachkompetenz hat sich Ploss nach unserer Einschätzung zum DAX-CEO-Liebling von Bundeskanzlerin und Physikerin Angela Merkel entwickelt und sitzt bei allen deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen mit am Tisch. Infineons Leistungselektronik-Palette passt nach dem Kauf von International Rectifier zudem perfekt zu den Zielen in Chinas neuestem 5-Jahresplan – Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Elektromobilität. Man braucht kein Prophet zu sein, um Infineon weiterhin wachsende Umsätze im Reich der Mitte vorherzusagen.

Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon konnte im abgelaufenen 3. Quartal seines Geschäftsjahres 2015 Wachstum bei Umsatz und Gewinn verbuchen. Er widerlegte damit pessimistische Analysten, welche die Aktie nach einem pessimistischen Ausblick eines Wettbewerbers in den Keller geschickt hatten.

Mit 1,586 Mrd. Euro Umsatz konnten die Neubiberger das Ergebnis im Vorquartal um 7 % steigern. Ein Vergleich mit dem Vorjahreswert ist durch die Integration von International Rectifier nicht möglich.

Der Gewinn stieg gegenüber dem letzten Quartal von 65 auf 109 Mio. Euro, was einem Anstieg von 68 % entspricht.

Bis auf den Geschäftsbereich Chip-Karten, der im Vergleich zu Q2 2015 Umsatzeinbussen in Höhe von 5 % auf 172 Mio. Euro hinnehmen mussten, verzeichneten alle anderen Geschäftsbereiche Zuwächse: Automotive erlöste 621 Mio. Euro (+4 %), Industrial Power Control 269 Mio. Euro (+12 %) und Power Management & Multimarket 517 Mio. Euro (+11 %).

Nach dem Kauf von International Rectifier hat sich die regionale Verteilung des Umsatzes nochmals stark in Richtung Asien verschoben. Während in Europa nur noch 34 % des Umsatzes erzielt wird (davon in Deutschland 16 %), kommt Asien auf 47 %, davon alleine 24 % in China. In China wird somit mittlerweile 50 % mehr Umsatz generiert als in Deutschland, zu Zeiten von Siemens Halbleiter ein seinerzeit undenkbares Szenario.

Die Verkaufsanteile in Japan (7 %) und Amerika (12 %) sind seit langer Zeit nahezu konstant.

Finanziell steht Infineon nach wie vor blendend dar, das Eigenkapital hat sich so gar nochmal von knapp 4,2 auf jetzt 4,4 Mrd. Euro erhöht.

Auch was die Anzahl der Mitarbeiter angeht, hat Infineon einen weiteren Meilenstein überschritten: Mit 35.039 Angestellten wurde Ende Juni 2015 erstmals die Marke von 35.000 überschritten, davon arbeiten 5.670 Personen in Forschung & Entwicklung.

Analysten widerlegt, Aktie bricht trotzdem nochmal ein

Die Quartalsbilanz und der Ausblick für das Folgequartal sind diesmal besonders bemerkenswert, weil Börsianer nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung von Analog-Chip-Hersteller Linear Technology die Infineon-Aktie in den Keller geschickt und innerhalb von nur 1 Tag mehr als 800 Mio. Marktkapitalisierung vernichtet hatten. Wir hatten schon seinerzeit in dem Beitrag "Wie absurd reagiert die Börse?" kommentiert, dass ein Zusammenhang zwischen beiden Firmen nicht erkennbar ist, außer das beide Halbleiter-Chips verkaufen.

Dennoch verlor die Aktie von Infineon im frühen Handel mehr als vier Prozent und stürzte auf 9,92 Euro unter die psychologisch wichtige Marke von 10,00 Euro.

Der Grund: Durch die Übernahme von IRF soll der Erlös im gesamten Geschäftsjahr 2015 um rund 34 Prozent steigen. Bisher hatte Infineon mit einem Anstieg zwischen 34 und 38 Prozent gerechnet. Bestätigt wurde dagegen die Prognose für die operative Marge von 15 Prozent. Gemessen an der neuen Prognose würde der Umsatz im laufenden Jahr auf knapp 5,8 Milliarden Euro steigen. Das operative Ergebnis dürfte sich auf rund 868 (Vorjahr: 525) Millionen Euro belaufen.