Übernahme von Wolfspeed Infineon kauft SiC-Know-how zu

Besiegeln die Übernahme:
Dr. Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender von Infineon, und Chuck Swoboda, Chairman und CEO von Cree.
Besiegeln die Übernahme: Dr. Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender von Infineon, und Chuck Swoboda, Chairman und CEO von Cree.

Es ist die zweite Übernahme eines Marktbegleiters innerhalb von zwei Jahren: Infineon kauft den Leistungshalbleiter-Spezialisten Wolfspeed für 850 Mio. Dollar. Das bringt beiden Unternehmen Vorteile.

Erst im Juli 2014 kaufte Infineon den Konkurrenten und GaN-Spezialisten International Rectifier für 3 Mrd. Dollar. Mit der Übernahme sicherte sich Infineon das Know-how von IR in Sachen Galliumnitrid für Leistungshalbleiter. Zu den weiteren Produkten der amerikanischen Firma zählten IGBTs und IPMs (Intelligent Power Modules) sowie Leistungs-MOSFETs und Digitale Power-Management-ICs. Diese Bereiche konnten bestens in Infineons Angebot an diskreten IGBTs und Leistungs-Modulen integriert werden. Mit der Übernahme von Wolfspeed, der Power-Sparte von Cree, erweitert Infineon sein Produktportfolio u.a. um SiC-MOSFETs, Si-IGBTs und HF-Bausteine auf Basis von GaN und steigt nun zum Marktführer bei Leistungshalbleitern auf SiC-Basis auf. Ebenfalls ein Kriterium für den Kauf dürfte die Wolfspeed-eigene Fertigung von Siliziumkarbid-Rohscheiben für Leistungshalbleiter und HF-Bauelemente sein.

Mit der Übernahme von Wolfspeed verfolgt Infineon zudem die Verwirklichung des strategischen Ansatzes „Vom Produkt zum System“. Das Unternehmen möchte seine Kunden vermehrt bei der Entwicklung ihrer Systeme unterstützen. Dabei sehen die Münchner im Bereich SiC vor allem Vorteile für Anwendungen mit hohen Anforderungen an die Leistungsdichte, z.B. bei erneuerbaren Energien oder in der Automobilindustrie. Mit den kommenden Mobilfunkstandards wird die Infrastruktur Frequenzen bis zu 80 GHz unterstützen müssen. Hier sieht sich Infineon mit Wolfspeeds GaN-auf-Si- (bis 10 GHz) sowie GaN-auf-SiC-Verbindungshalbleitern (bis 80 GHz) nunmehr gut gerüstet. Auch hier ist das Ziel, die Nummer 1 am Markt zu werden.

Für Cree ist der Verkauf der Geschäftssparte, zu der neben der HF- und Leistungselek­tronik auch das Geschäft mit SiC-Substraten für Leistungs-, HF- und Edelsteinanwendungen zählt, ein weiterer Schritt hin zu einem reinen LED-Anbieter. Das Unternehmen hatte bereits 2015 angekündigt, sich auf das LED-Beleuchtungsgeschäft zu konzentrieren und hatte die Power-Sparte als Wolfspeed ausgegliedert und an die Börse gebracht. Ein Zeichen am Markt, dass die Power-Sparte wohl zum Verkauf stünde. Daraufhin traten mehrere Unternehmen mit dem Wunsch zum Erwerb dieser Sparte an das Unternehmen heran. Das Übernahme­angebot von Infineon war laut Cree die beste Wahl für Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden. Mit dem Geld aus dem Verkauf möchte der LED-Hersteller seinerseits nun ausgewählte Firmen kaufen und zusätzliche Aktienrückkäufe finanzieren.