Dresden oder Malysia? Infineon-CEO Bauer stellt die Subventionsfrage

Frank Riemenschneider, Elektronik
Frank Riemenschneider, Elektronik

Nachdem der Chiphersteller Infineon für 101 Mio. Euro Fab-Tools und Gebäude der insolventen Speichertochter Qimonda in Dresden gekauft hat, droht CEO Peter Bauer für den Fall, dass keine Subventionsgelder fliessen, mit einem Export der Geräte nebst 1000 Arbeitsplätzen nach Malaysia. Ich finde: Richtig so!

Eines kann man Peter Bauer sicher nicht vorwerfen: Dass er nicht schon seit Jahren ein „gleiches Spielfeld“ für europäische Chiphersteller, primär natürlich sein eigenes Unternehmen, eingefordert hätte. Insofern ist die Ankündigung bei seiner Singapur-Reise, die neue 300-mm-Fab ggf. in Malaysia zu bauen, wo man Infineon sicherlich gerne mit Subventionen unterstützen würde, nur folgerichtig.

Erst vor 2 Wochen zeigte die alljährliche Konferenz der Organisation SEMI, welche die Hersteller von Fab-Tools vertritt, dass die EU-Politiker zwar erzählen, wie wichtig doch die Chip-Industrie ist, wenn es um konkrete Taten geht, ist alles jedoch extrem kompliziert – schon deshalb, weil sich die EU-Staaten untereinander um Gelder streiten.

In Asien ist das alles viel einfacher: Ohne Regierungsgelder gäbe es in Taiwan weder die Foundries TSMC und UMC noch die ganzen Speicherhersteller. Auch der Koreaner Hynix wäre ohne staatliche Hilfen in dreistelliger Millionenhöhe vermutlich schon mehrfach insolvent gegangen, von der japanischen Industrie, die aus politischen Gründen die Fertigung immer im eigenen Land halten wollte, ganz zu schweigen.

In Deutschland sieht die Sache hingegen so aus: Subventionen bekommen Brauereien, Brummifahrer, Matrosen und die Betreiber von Biogasanlagen – alles extrem wichtige Komponenten für die zukünftigen energiepolitischen Herausforderungen. In zäher Lobbyarbeit haben sich ganze Branchen milliardenschwere Vorteile erarbeitet: Für Speditionen gibt es die „Entlastung des Güterkraftverkehrsgewerbes von der Lkw-Maut“ in Höhe von jährlich 452 Mio. Euro. Die „Förderung von Umschlaganlagen des kombinierten Verkehrs“, also Subventionen für die Container-Industrie kosten jährlich 154 Mio. Euro. Die „Verbesserung der Ausbildungssituation in der Binnenschifffahrt“ nur 3 Mio. Euro, dafür die „Modernisierung der Binnenschifffahrt durch finanzielle Anreize“ nochmals 3 Mio. Euro und „Finanzierungshilfen für den Absatz ziviler Flugzeuge“ jährlich 41 Mio. Euro.

Im Fall Infineon geht es für 1000 Arbeitsplätze und die erste weltweite 300-mm-Fab für Leistungs-Halbleiter, die sowohl bei E-Cars als auch Smart-Grids, beides nach dem Atom-Ausstieg ganz oben auf der politischen Agenda, um eine zweistellige staatliche Millionenpräme – einmalig wohlgemerkt.

Das Entscheidene: Jetzt helfen unseren Politikern keine wohlgemeinten Reden mehr, jetzt müssen sie, da Bauer bis September zwischen Dresden und dem malayischen Kulim, wo Infineon bereits 1200 Mitarbeiter beschäftigt, entscheiden will, Farbe bekennen – hoffentlich im Sinne Dresdens und Europas. Sollte man sich nicht entschieden können, den deutschen Chip-Hersteller zu unterstützen, wäre dies für mich das endgültige Zeichen dafür, dass es für die Halbleiter-Industrie in Deutschland keine Zukunft mehr gibt - unabhängig davon, dass Infineon bereits in 10 Jahren vermutlich 50 % seines Umsatzes in Asien erwirtschaftet. Die wohlklingenden Reden der EU-Politiker wären geplatzt wie ein Luftballon.

Einen Vorwurf, den man Bauer und seinen Kollegen Carlo Bozotti von ST Microelectronics allerdings sicher nicht ersparen kann, ist die Tatsache, dass die beiden führenden europäischen Hersteller es bis heute nicht geschafft haben, eine wirkungsvolle Lobby-Organisation für die Chip-Industrie aufzubauen. Tatsache ist, dass sowohl Infineon als auch ST einzelne Lobbyisten beschäftigen, die unabhängig voneinander in einem Umfeld agieren, wo andere Lobby-Organisationen mit einer drei- bis vierstelligen Anzahl von Vollzeitbeschäftigten antreten. In anderen Organisationen wie dem ZVEI, wo man sich ja auch engagiert, ist die Halbleiterei eben nur ein kleiner Teil des Ganzen.

Im Politik-Dschungel bekommt man ein „gleiches Spielfeld“, das ja übrigens auch ST, SEMI, IMEC und andere namhafte europäische Vertreter fordern, sicher nicht geschenkt – aber zusammen hinreichend viele Vollzeitlobbyisten auf die Beine zu stellen, die gemeinsam die Damen und Herren in Brüssel im Sinn der europäischen Halbleiterei bearbeiten, sollte doch wohl möglich sein.