Erstes Quartal besser als der Markt Halbleiterhersteller Infineon spürt Marktschwäche

Dr. Reinhard Ploss (Infineon): Dank seiner sachlichen Kommunikation und Fachkompetenz hat sich Ploss nach unserer Einschätzung zum DAX-CEO-Liebling von Bundeskanzlerin und Physikerin Angela Merkel entwickelt und sitzt bei allen deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen mit am Tisch. Infineons Leistungselektronik-Palette passt nach dem Kauf von International Rectifier zudem perfekt zu den Zielen in Chinas neuestem 5-Jahresplan – Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Elektromobilität. Man braucht kein Prophet zu sein, um Infineon weiterhin wachsende Umsätze im Reich der Mitte vorherzusagen.
CEO Dr. Reinhard Ploss kam mit einem blauen Auge davon: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020 erlebte er einen geringeren Umsatzrückgang als befürchtet.

Der Chip-Hersteller Infineon musste im 1. Quartal seines Geschäftsjahres 2020 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum einen Umsatzrückgang von 7 Prozent verbuchen. Auch der Gewinn schrumpfte, allerdings steht Infineon damit besser als der MArktdurchschnitt dar. Der Aktienkurs explodierte geradezu.

Mit 1,918 Mrd. Euro Umsatz schrumpfte der Vorjahreswert von 1,970 Mio. Euro um 7 %, der Gewinn sank von 254 auf 210 Mio. Euro und damit um 17 %. Da diese Zahlen besser als erwartet sind, stieg der Aktienkurs bis zum Mittag um mehr als 10,5 %.

Der Geschäftsbereich Automotive schrumpfte von 846 auf 829 Mio. Euro, der Gewinn  von 117 Mio. Euro auf nur noch 67 Mio. Euro, also 43 % weniger als vor 12 Monaten. Power-Management verlor um nur 4 % beim Umsatz (von 617 auf 593 Mio. Euro) und 6 % beim Gewinn (von 155 auf 146 Mio. Euro).

Bei Industrial Power Control standen 5 % Umsatzreduktion von 352 auf 334 Mio. Euro und eine Gewinnreduktion um 10 % von 69 auf 62 Mio. Euro zu Buche.

Bei Digital Security Solutions, in der jüngeren Vergangenheit das Sorgenkind, standen dagegen ein Umsatzwachstum von 149 auf 158 Mio. Euro (+ 6 %) und ein Gewinnwachstum  von 16 auf 22 Mio. Euro (+38 %) zu Buche.

Die sogenannte Segmentmarge sank im Vergleich zum Vorjahr von 18,2 auf 15,5 %, wobei mit 24,6 % die mit Abstand höchste Rendite im Bereich Power-Management erzielt werden konnte. Die Profitabilität im Bereich Automotive brach dagegen ein: Statt 13,8 % ein Jahr zuvor konnte hier jetzt eine Marge von nur noch 8,1 % erzielt werden, die geringste von allen Geschäftsbereichen. Mit 15,5 % lag die rendite allerdings deutlich über den vom Vorstand in Aussicht gestellten 13 %.

Mit 40.992 Mitarbeitern hat Infineon die 41.020 zum Ende Q1 2019 wieder leicht unterschritten, interessant ist jedoch, dass im Bereich F&E fast 400 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Die Schlußfolgerung ist daher, dass in Nicht-Entwicklungsbereichen rund 400 Arbeitsplätze abgebaut wurden.

Auf jeden Fall geht Infineons Wachstum in Asien und speziell China ungebremst weiter: Mit 988 Mio. Euro wurden 51 % seines Umsatzes dort erzielt, alleine 29 % in China und 37 % in Greater China. Der Umsatzanteil in Deutschland betrug mit  248 Mio. Euro nur noch 13 %, der niedrigste Umsatzanteil in Infineons Firmengeschichte. In Amerika und Japan betrug er 10 respektive 7 %.

Vorsichtiger Ausblick für 2020

Laut CEO Dr. Reinhard Ploss sieht sich Infineon einem schwierigen Umfeld gegenüber. Nichtsdestotrotz sind Investitionen in Höhe von 1,3 Mrd. Euro geplant und ein Umsatzwachstum von 5 % erwartet – alles unter der Annahme, dass der Coronavirus keine “signifikante negative Wirkung” auf die Geschäftsentwicklung hat.