Interview mit Qualcomm-CEO Jacobs Für immer Fabless?

Qualcomms CEO Dr. Paul Jacobs (links) mit Elektronik-Redakteur Frank Riemenschneider.
Qualcomms CEO Dr. Paul Jacobs (links) mit Elektronik-Redakteur Frank Riemenschneider.

Der kalifornische Chiphersteller Qualcomm schreibt eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen und ist mittlerweile der fünftgrößte Halbleiter-Hersteller weltweit – viele nennen ihn schon den »Intel der Mobilgeräte«. Bei Windows-Phone-Handys haben Snapdragon-SoCs einen Marktanteil von 100 Prozent. Die Elektronik sprach mit CEO Dr. Paul Jacobs über Herausforderungen als Fabless-Hersteller, längere Batterielaufzeiten bei Handys und seine Einstellung über Investitionen in Marketing.

Elektronik: Bei der Einführung der 28-nm-Fertigung hatte wie man hörte Ihre Foundry TSMC ja Probleme mit der Chip-Ausbeute. Sind diese Probleme jetzt gelöst?

Dr. Paul Jacobs: Es waren keine Ausbeute-Probleme, sondern es war einfach mangelnde Fertigungskapazität. Die Nachfrage stieg schneller als erwartet und die gelieferte Waferzahl langsamer als wir angenommen hatten, und zusammen führte das für einige Quartale zu Lieferengpässen. Wir haben darauf reagiert, indem wir eng mit TSMC zusammengearbeitet haben, mehr Kapazität zu bekommen und Geld in zusätzliche andersweitige Kapazitäten investiert, am Ende des Jahres beziehen wir dann Chips von mehreren Foundries (Anmerkung: Laut taiwanischen Medienberichten handelt es sich um Samsung und UMC).

Elektronik: Qualcomm verdient ja viel Geld, ist es nicht an der Zeit, in eine eigene Fab zu investieren, um diesen Abhängigkeiten zu entgehen?

Dr. Jacobs: Aktuell wollen mir mit dem Fabless-Modell weiter machen. Der Grund ist, wenn Sie eine Fab haben, müssen Sie viel Manpower darin investieren, die Fab voll zu bekommen. Wir investieren unsere Management-Kapazitäten lieber darein, darüber nachzudenken, was ist die nächste Technologie. Wir haben mit Sicherheit die Expertise im Haus, eine Fab zu betreiben, wir haben Leute, die Fabs gebaut haben, wir haben Leute, die sich mit Prozesstechnik beschäftigen. Ich glaube aber, dass wir mit dem Fabless-Modell weitermachen sollten. Ich will aber nicht für alle Zukunft ausschließen, dass wir eine Fab bauen. Sage niemals nie.

Elektronik: Sind Sie denn mit Ihrem Einfluss auf die Foundries und auf die Fertigung zufrieden?

Dr. Jacobs: Wir haben eigene Prozess-Ingenieure, die in den Fabs sitzen und da ganz eng mit den Foundries auch was die Prozesstechnik zukünftiger Chips angeht, zusammenarbeiten. Unser Einfluss auf das Design auch dieser Technologien steigt.

Elektronik: Wie sieht der nächste Technologie-Sprung aus?

Dr. Jacobs: Auf der Prozessseite geht es darum, die Rechenleistung weiter zu steigern ohne dabei mehr Energie zu verbrauchen. Damit meine ich nicht eine kleinere Prozessgeometrie, sondern um Veränderung des Prozesses an sich (Anmerkung: Derzeit nutzt Qualcomm TSMCs LP-Prozess, vermutlich wechselt Qualcomm auf den sogenannten High-Performance-LP-Prozess). Für die Foundries geht es natürlich auch darum, kleinere Prozessgeometrien zu erzielen, denn Intel treibt das je sehr schnell voran und darauf muss die ganze Industrie reagieren. Auf der Architekturseite investieren wir massiv in CPU, Modem, also höhere Datenraten, höheren Datendurchsatz, schnellere Grafik, Verbesserungen an der Benutzerschnittstelle, da haben wir noch viel Potential.

Elektronik: Die ARM-Architektur findet ja wegen steigender Energiekosten und Datenmengen derzeit auch Einzug auf in das lukrative Server-Geschäft, Dell hat gerade Geräte mit Chips Ihres Konkurrenten Marvell angekündigt. Wird Qualcomm auch Snapdragon-Chips für Server liefern? Ich nehme doch an, dass Sie schon an Snapdragon-SoCs mit ARMs neuer 64-bit-Architektur arbeiten...

Dr. Jacobs: Definitiv arbeiten wir an der 64-bit-Architektur. Wir haben noch nichts für Server angekündigt, aber es ist sicher ein interessanter Markt und wie Sie sagen, ist es für Datencenter essentiell, Ihren Energieverbrauch zu senken. Daher schauen wir sicher darauf, da energieeffiziente Architekturen aus dem mobilen Geschäft kommen, ist das ja auch nur folgerichtig.

Elektronik: Wie sieht es denn mit der Unterstützung für LTE aus? Das iPad 3 kann ja in Europa nicht betrieben werden...

Dr. Jacobs: Das Problem bei LTE ist die große Anzahl unterschiedlicher Frequenzbänder, die weltweit von verschiedenen Netzwerkbetreibern genutzt werden. Wir unterstützen in unseren Modem-Chips schon heute zahlreiche Bänder, aber wir wollen die Anzahl zweifelsfrei noch erhöhen.

Elektronik: Qualcomm ist jetzt schon der fünftgrößte Chip-Hersteller weltweit. Wie sieht Ihre weitere Wachstumsstrategie aus? In Afrika gibt es ja z.B. noch Potential...

Dr. Jacobs: Sie werden lachen, wir arbeiten mit Partnern zusammen, die Netzwerke in Afrika aufgesetzt haben, wir treiben dort CDMA2000 voran, damit viele Leute Zugang zu Funknetzen bekommen. Auf der Geräteseite geht es darum, die Kosten zu senken, damit wir Low-Cost-Smartphones für den Massenmarkt bekommen – das gilt übrigens nicht nur für Afrika, Brasilien ist ein anderes Beispiel. Ziel muss es sein, Geräte unter 100 Dollar zu bekommen, da investieren wir eine Menge Geld rein.

Elektronik: In Russland investieren Sie auch viel Geld. Wie man hört haben Sie Pläne, dort ein großes Forschungszentrum aufzumachen?

Dr. Jacobs: Da gibt es noch nichts konkretes. In Russland gibt es aber zweifellos viele gute Ingenieure für Hard- und Softwareentwicklung und Mathematiker und natürlich ist das für eine so technikgetriebene Firma wie Qualcomm interessant.