Kommentar Freescale setzt auf ARM: Hat PowerPC fertig?

Linley Gwennap, Chef der Linley Group, brachte es kürzlich auf den Punkt: “Wenn zwei Elefanten kämpfen, möchte man nicht unter ihren Füßen liegen”. Im Kampf zwischen Intel und ARM droht jetzt auch PowerPC zerdrückt zu werden.

Freescale verkündete, zukünftig QorIQ-Prozessoren auch mit ARMs Cortex-A15 und -A7 zu verkaufen. Die Texaner setzten ARM-Cores bisher nur in Kinetis-MCUs und i.MX-Prozessoren ein; QorIQ-Chips wurden bisher mit Power-Cores bestückt. Diese Ankündigung folgt der Entscheidung von zwei anderen Power-Anbietern, ebenfalls ARM-CPUs einzusetzen. Wie auch diese beiden kündigte Freescale an, dass man weitere Power-Produkte entwickeln werde.

Wenn man jedoch Aufwand und Kosten bedenkt, zwei Architekturen zu unterstützen, denke ich, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Freescale auf eine “ARM-Only”-Strategie setzen wird. Im Fall der MCUs erinnere ich an Ex-CEO Rich Beyer, der bei der Ankündigung von Kinetis 2010 hervorhob, wie stark man weiterhin auf ColdFire setze. Auf neue Produkte warten wir seitdem vergeblich; dafür gibt es neue Kinetis-Familien wie Sand am Meer.

Bei QorIQ wird dieser Übergang freilich langsam vollzogen werden. Die neuen ARM-Chips finden sich leistungsmäßig am unteren Ende der Familie wieder, wo bezüglich Kosten und Leistungsaufnahme Werte erreicht werden, die mit e5500 und e6500 unmöglich zu erreichen wären.

Wenn man allerdings schon mal ARM einsetzt und Entwicklungs-Tools für zwei unterschiedliche Plattformen unterstützen muss, kann man auch gleich weitermachen: Produkte mit vier Cortex-A15 könnten die meisten QorIQ-P1- und P2-Chips, die für die Mehrheit aller Verkäufe in dieser Familie stehen, leicht ersetzen.

Das Problem ist, dass der Cortex-A15 in Bezug auf Rechenleistung mit dem Multithreaded-e6500 nicht mithalten kann. Mit ARMs neuester CPU (Codename “Atlas”), die in einer vollständigen 64‑bit-Architektur daherkommt und Ende 2014 in Silizium zu erwarten ist, könnte sich das Blatt wenden. Atlas wird mindestens die Rechenleistung pro Thread liefern wie der e6500 und könnte in P5- und T5-Prozessoren für Control-Plane-Anwendungen zum Einsatz kommen.

Logischerweise hat Freescale derzeit wenig Lust, die Zukunft von QorIQ auf einem ungetesteten Atlas-Core aufzubauen. Aber selbst wenn Atlas in Bezug auf Rechenleistung am e6500 scheitern sollte, wird es von ARM Jahr für Jahr noch stärkere Cores geben, um mit Intel im PC- und Server-Markt konkurrieren zu können. Von diesen Entwicklungen wird Freescale profitieren und es ist nur eine Frage der Zeit, wann Power „ausperformt” wird.

Mit der Abwanderung der ohnehin wenigen Herstellern von Power-basierenden Chips zu ARM bleibt zukünftig IBM als letzter Vertreter dieser Gattung übrig: PowerPC könnte somit ausschließlich in IBM-Servern und Spielekonsolen weiterleben. Das Ende der einzigen RISC-Architektur, die jemals Einzug in den PC-Markt gefunden hat, ist absehbar.