DRAM-Industrie Elpida : Ein Unglück kommt selten allein

Der japanische DRAM-Hersteller Elpida hat Ende Februar 2012 im Rahmen der Aufstellung der Bilanz zum Ende des Geschäftsjahres 2011 einen voraussichtlichen Verlust von 488 Mrd. Yen (rund 4 Mio. Euro) ermittelt und daraufhin beim District Court Tokio Gläubigerschutz beantragt.

Die Antragsbegründung schildert den Weg eines DRAM-Herstellers von der Auslagerung bis zur Insolvenz aus der Sicht des Managements nüchtern und ohne Umschweife. Wir geben dieses bemerkenswerte Dokument hier im Wortlaut wieder:

Antragsbegründung

Die im Dezember 1999 gegründete Elpida Memory, Inc. (der ursprüngliche Name lautete NEC Hitachi Memory, Inc.) war das einzige Unternehmen in Japan, das sich auf DRAMs spezialisiert hatte. Nach erfolgter Unternehmensgründung  förderten wir den Vertrieb u.a. durch die Einrichtung von Vertriebsniederlassungen im Ausland und durch die Zusammenarbeit mit einheimischen und ausländischen Unternehmen und erweiterten die Produktion in unserer Fertigungsstätte Hiroshima.

Nach dem Gang an die Börse in Tokio im November 2004 erweiterten wir das Geschäft durch Investitionen in die Fertigungsstätte in Hiroshima und die Gründung eines Joint Ventures, des Unternehmens Tera Probe, das sich auf den Test von Schaltungen auf Wafer-Ebene (Wafer Probe Testing) spezialisierte. Hinzu kamen die Gründung der Akita Elpida Memory, Inc., die die Fertigstellung der DRAM-ICs übernahm (Back-end-Prozess) und die Gründung des Joint Ventures Rexchip für den Front-end-Prozess; dieses Unternehmne wurde später vollständig übernommen.

Als Resultat einer proaktiven Ausweitung der Produktionskapazitäten durch Investitionen in Fertigungsstätten und Anlagen durch die DRAM-Industrie in Erwartung einer steigenden Nachfrage nach DRAM-Chips im Jahre 2006 und der Steigerung der DRAM-Speicherkapazität pro Chip überstieg im Jahr 2007 das Angebot die Nachfrage ganz erheblich. Zu Beginn des Jahres 2007 sanken die DRAM-Preise deutlich, wegen der 2008 einsetzenden globalen Wirtschaftsflaute  fielen die Preise dann nochmals. In dem Ende März 2009 abgeschlossenen Geschäftsjahr mussten wir im Vergleich mit dem Vorjahr einen erheblichen Rückgang des Geschäftsergebnisses konstatieren.

In dieser Situation erhielten wir vom Wirtschaftsministerium die Genehmigung für eine Umstrukturierung unseres Unternehmens nach dem "Act on Special Measures Concerning Revitalization of Industry and Innovation of Industrial Activity". Im Zuge dieser Bewilligung war Elpida im Juni 2009 als ein Unternehmen bewertet worden, dessen Technologie für die Entwicklung und den Entwurf von DRAMs im weltweiten Vergleich mit den höchsten Stand erreicht hatte.

Trotz der Restrukturierung, die darauf zielte, weiterhin an der Spitze der Technologieentwicklung zu stehen, die Produktivität zu verbessern, den Marktanteil durch die Nutzung neuester Forschungsergebnissen und die Entwicklung erstklassiger DRAMs weiter zu vergrößern sowie in modernste Fertiungseinrichtungen zu investieren, um die Produktivität weiter zu steigern, verschlechterten sich die Rahmenbedingungen, u.a. durch das Rekordhoch des Yen gegenüber dem Dollar und einen weiteren Fall der DRAM-Preise wegen der sich verschärfende Konkurrenz in der DRAM-Industrie. Die ohnehin schwierige Situation wurde dann noch durch die Überschwemmungskatastrophe in Thailand verschlimmert; seither stagniert die Nachfrage nach DRAMs.

Unter Berücksichtigung der geschilderten Fakten haben wir die Schlussfolgerung gezogen, dass bei einer Fortsetzung der Geschäftstätigkeit in der bisherigen Form dem Unternehmen in Kürze keine ausreichenden Mittel mehr zur Verfügung stehen werden. Sollte diese Situation eintreten, dann müssen wir zudem damit rechnen, dass der Börsenwert unseres Unternehmens erheblich sinkt und dadurch etwa unsere Kreditgeber einer unangenehmen Situation ausgesetzt werden. Daher fühlen wir uns verpflichtet, die Restrukturierung des Unternehmens unter den Vorschriften des "Corporate Reorganization Acts" fortzusetzen und haben folgerichtig diesen Antrag gestellt.