6. VDE/ZVEI-Mikroelektronik-Symposium Eine Kursänderung ist nötig!

Das Motto in diesem Jahr: Mikroelektronik - Schlüsseltechnologie für automatisiertes Fahren.
Das Motto in diesem Jahr: Mikroelektronik - Schlüsseltechnologie für automatisiertes Fahren.

Welche Herausforderungen bringt das automatisierte Fahren für Autohersteller und Zulieferer? Und kann Deutschland seine führende Position in der Automobilelektronik auch künftig verteidigen?

Das 6. VDE/ZVEI-Mikroelektronik-Symposium, zu dem am 20. September rund 200 Teilnehmer kamen, widmete sich getreu dem Motto „Mikroelektronik: Schlüsseltechnologie für automatisiertes Fahren“ dem aktuellen Stand der Technik und den Perspektiven auf diesem Gebiet. Die Referenten machten darauf aufmerksam, dass die deutsche Automobilbranche vor massiven Schwierigkeiten steht, wenn sie keinen Kurswechsel in Angriff nimmt.

Denn angesichts neuer Wettbewerber im Mobilitätssektor ist die Technologieführerschaft der deutschen Automobilindustrie und ihrer Zulieferer für die Zukunft nicht in Stein gemeißelt. Um im Automobilbereich führend zu bleiben, sollte künftig die Beherrschung von Big Data und der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien in den Mittelpunkt gerückt werden und auch der Entwicklung neuer kundenbezogener Geschäftsmodelle erheblicher Raum geboten werden.

„Bereits heute kommen Innovationen rund um das Auto zu über 80 Prozent aus Mikroelektronik und Software“, stellte ZVEI-Präsident Michael Ziesemer fest. „Selbst der Elektronikanteil am Produktionswert eines Mittelklassefahrzeugs liegt heute schon bei über 30 %.“  Das hochautomatisierte Fahren stelle für die Elektroindustrie eine besondere Herausforderung dar, weil dafür ein Vielfaches der heutigen mikroelektronischen Sensoren und Aktoren im Auto nötig seien und auch der schnellen Auswertung großer Datenmengen eine entscheidende Rolle zukomme.

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Mikroelektronik-Symposium 2016

Mikroelektronik: Schlüsseltechnologie für automatisiertes Fahren

Derzeit seien die deutschen Hersteller mit ihren Premium-Fahrzeugen insbesondere bei Fahrerassistenzsystemen als Vorläufer der vollautomatisierten Fahrzeuge weltweit führend. Das sei eine günstige Ausgangsbasis. „Aber das Rennen um die Mobilität der Zukunft ist durchaus offen“, ergänzte Ziesemer.

Der VDE-Vorstandsvorsitzende Ansgar Hinz sprach die Gefahren für die deutsche Wirtschaft an, die sich dadurch ergeben könnten, dass große Internet-Konzerne autonome Fahrzeuge auf den Markt bringen. „Einige Anbieter greifen über das autonome Fahren den Kern der deutschen Industrie an.“ Es sei jetzt eine starke Teamleistung von Unternehmen, Politik, Verbänden und Initiativen nötig, um den nächsten Schritt in Richtung „New Mobility“ zu gehen, sagte Hinz.

Die nächste Stufe der Mobilität werde revolutionär sein. Entscheidend sei, dass Europa auch künftig mit Spitzen-Know-how in der Mikroelektronik punktet. Dazu könnte auch das neue Förderprogramm der Bundesregierung beitragen. „Computing, Content, Connectivity“ seien laut Hinz die Schlüsselbegriffe für die Mobilität der Zukunft.

Die Herausforderungen an die Verkehrspolitik  stellte Dorothee Bär, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, dar. Noch immer würden 95 % der Verkehrsunfälle durch menschliches Versagen verursacht. Automatisiertes Fahren könne das Risiko von Verkehrsunfällen durch menschliches Versagen erheblich senken. Nötig seien neben den technischen Voraussetzungen auch Anpassungen rechtlicher Art, wie die Abänderung des internationalen Wiener Verkehrsabkommens.

Außerdem müssten moralische Kriterien bei der haftungsrechtlichen Bewertung von Unfallszenarien einbezogen werden. Das Verkehrsministerium habe nun eine Ethik-Kommission unter Vorsitz des früheren Bundesverfassungsrichters Udo di Fabio eingesetzt, die festlegen soll, wie ein Fahrcomputer bei einem Unfall entscheidet. So dürfe es in Situationen, in denen mehrere Personen betroffen sind, keine einprogrammierten Klassifikationen von Personen geben (etwa Größe oder Alter), die bei der Kollision vorrangig verschont werden sollen.