Intel Research Days 2010 Drahtlose Stromübertragung die Zweite

Bei den Intel Research days 2010 im kalifornischen Mountain View zeigte der Chipgigant eine neue Version seiner bereits 2008 vorgeführten Übertragung von Spannung durch die Luft. Desweiteren wurde eine neue Forschungsgruppe für Bedienkonzepte von Computern vorgestellt.

Mit einer neuen Forschungsgruppe "Interaction and Experience Research" (IXR) will Intel die immer wichtiger werdende Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine verbessern, wo man ja bereits mit MeeGo zusammen mit Nokia ein Linux-OS für Handys entwickel hat. Das neueste Projekt heisst "SENS". Daber sollen über Sensoren, die unter anderem Licht und Bewegungen erfassen, Benutzer in sozialen Netzwerken erkennen können, was ihre Freunde gerade machen. Intel geht dabei so weit, dass sich auch die Bewegungen eines Benutzers per Smartphone auf den Avatar einer Community übertragen lassen. Ob das für alle Aktivitäten wirklich hilfreich ist, ist sicher eine andere Frage.

Bereits 2008 führte Intels CTO Justin Rattner erstmals die Übertragung von elektrischer Energie mit einigen Dutzend Watt Leistung über mehr als einen halben Meter vor. Mit Induktionsspulen, wie sie seit Jahrzehnten kommerzielle Anwendung finden, haben die großen Kupferkonstruktionen aber kaum etwas zu tun. Die Induktion, die beispielsweise bei der Ladestation Touchstone von Palm zum Einsatz kommt, kann nur auf wenige Zentimeter mit hohen Verlusten und bei genauer Ausrichtung funktionieren.

Intel hat die genaue Funktionsweise seiner Technologie noch nicht enthüllt, aber einen Namen gibt es jetzt: WREL, oder "Wireless Resonant Energy Link". Dabei soll laut Intel ein Magnetfeld erzeugt werden - was bei Induktion auch geschieht -, das aber auf bestimmten Trägerfrequenzen schwingt. Diese werden automatisch in Abhängigkeit vom Empfänger moduliert.

Dieser Empfänger kann in der aktuellen Version von WREL bis zu 70 Zentimeter entfernt sein, dabei sollen noch 70 Prozent der Energie übertragen werden können. Zudem kann der Stromaufnehmer auch um 70 Grad in einer Achse verdreht stehen. Bei Induktion klappt die Übertragung nur, wenn Sender und Empfänger fast exakt parallel stehen.

Eine Anwendung sieht Intel beispielsweise in Sendespulen unter einem Schreibtisch. Mobile Geräte mit WREL-Empfänger könnten automatisch geladen werden, wenn sie sich in Reichweite befinden. Die neue Technik soll unschädlich für Lebewesen sein, Fragen nach der elektromagnetischen Verträglichkeit sind aber noch zu stellen, wenn sie marktreif ist. Einen Termin dafür nannte Intel bisher nicht.

Die Forscher zeigten zudem eine Technologie, die das Herzstück eines neuartigen Energie Management Systems für Zuhause darstellt und maßgebliche Energie- und damit Kosteneinsparungen mit sich bringt. So haben die Intel-Experten einen Energie-Sensor entwickelt, der den persönlichen Energieverbrauch im Haushalt regulieren soll. Verknüpft mit einem „Home Information Display“ zeigt der Sensor den Energieverbrauch an und schlägt erfolgsversprechende Lösungen für mehr Energie-Effizienz vor. Sobald der Sensor an der Hausleitung angebracht wurde, misst er unverzüglich den Stromverbrauch jeder elektrischen Ladung im Haus, überträgt den Wert drahtlos auf die Monitoranzeige und sammelt Daten zur weiteren Analyse des Energieverbrauchs aller Haushaltsgeräte.

Nicht neu war hingegen die Präsentation des "Resilient Computing", das schon beim europäischen R&D-Day in Brüssel gezeigt wurde. Fehlertolerante Prozessoren werden dabei schneller, wenn sie auf Kosten der Genauigkeit mit einer höheren Taktfrequenz betrieben werden.

Einen echten Zukunftstraum hat Intel dagegen mit einer Software gezeigt, die Hirnströme misst und über diese Ströme den Computer steuern und damit quasi Gedanken lesen kann. Diese Technik könnte Tastaturen oder Touchpads ergänzen oder vielleicht einmal überflüssig machen. Zudem könnte dies eine vielversprechende Lebenserleichterung für Menschen mit körperlichen Einschränkungen sein.