ZVEI Konjunkturbarometer Deutsche Elektroexporte trotz Wachstumsschwäche mit neuem Rekord

Dr. Andreas Gontermann, ZVEI: »Vor dem Hintergrund des sehr hohen Internationalisierungsgrades unserer Branche machen wir uns  weiter große Sorgen vor einer Eskalation der Handelsstreitigkeiten.«
Dr. Andreas Gontermann, ZVEI: »Vor dem Hintergrund des sehr hohen Internationalisierungsgrades unserer Branche machen wir uns weiter große Sorgen vor einer Eskalation der Handelsstreitigkeiten.«

Dem gebremsten Wirtschaftswachstum in Deutschland zum Trotz erreichen die deutschen Elektroausfuhren einen neuen Rekord. Der Handel mit Osteuropa gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Die Exporte der deutschen Elektroindustrie sind nach dem jüngsten Konjunkturbarometer des ZVEI im Dezember 2019 um 2,8 Prozent gegenüber Vorjahr auf 16,2 Mrd. Euro gewachsen. Im gesamten letzten Jahr legten die aggregierten Branchenausfuhren damit um 2,7 Prozent auf 216,5 Mrd. Euro zu. »Zwar war dies der nunmehr sechste Rekordwert in Folge, allerdings fiel das Wachstum deutlich geringer aus als in den beiden Jahren davor. 2018 lag das Plus noch bei viereinhalb Prozent, 2017 sogar bei elf Prozent«, stellte ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann in Frankfurt fest.

Die Elektroeinfuhren nach Deutschland erhöhten sich im Dezember 2019 um 3,4 Prozent gegenüber Vorjahr auf 15,1 Mrd. Euro. Kumuliert von Januar bis Dezember kletterten sie um 2,5 Prozent auf 196,9 Mrd. Euro. Der Exportüberschuss nahm 2019 gegenüber dem Vorjahr um 800 Mio. Euro auf 19,6 Mrd. Euro zu.

China und die USA waren auch im vergangenen Jahr die beiden mit Abstand größten Abnehmerländer deutscher Elektroexporte. Die Lieferungen in die Volksrepublik legten um 4,3 Prozent auf 21,9 Mrd. Euro zu, die nach Amerika wuchsen um stärkere 7,7 Prozent auf 19,2 Mrd. Euro.

Polen und Tschechien vor Italien und Großbritannien

Die Ränge drei bis zehn werden weiterhin von europäischen Ländern belegt, jeweils vier aus dem Euroraum und dem restlichen Europa. Frankreich (+ 3,0% auf 13,2 Mrd. €) bleibt drittgrößter Abnehmer vor den Niederlanden (- 2,5% auf 10,5 Mrd. €) und Polen (+ 3,0% auf 10,1 Mrd. €). Die zweite Hälfte der Liste mit den Top-10-Abnehmerländern wird von Tschechien (+ 2,4% auf 10,1 Mrd. €) angeführt. Es folgen Italien (+ 3,9% auf 9,8 Mrd. €), Großbritannien (- 10,4% auf 9,1 Mrd. €), Österreich (+ 1,5% auf 9,0 Mrd. €) und die Schweiz (+ 4,4% auf 7,0 Mrd. €). Zusammen fragen die zehn größten Exportbestimmungsländer nahezu die Hälfte aller Auslandslieferungen der deutschen Elektroindustrie nach.

Die deutschen Elektroexporte in die so genannten Visegrád-Staaten – also nach Polen, in die Slowakei, nach Tschechien und Ungarn – beliefen sich im vergangenen Jahr 2019 auf 30,6 Mrd. Euro. Das waren ein Siebtel der gesamten Branchenausfuhren und überdurchschnittliche 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr. »Seit 2009 haben sich die Branchenlieferungen in die vier Länder mehr als verdoppelt. Zusammen genommen wurden hier im vergangenen Jahr rund 40 Prozent mehr abgesetzt als in China«, erklärte Gontermann. Die Elektroeinfuhren aus den Visegrád-Staaten nach Deutschland stiegen 2019 ebenfalls um 3,8 Prozent. Mit einem Volumen von 31,5 Mrd. Euro lagen sie nur leicht höher als die Ausfuhren dorthin, so dass die Handelsbilanz hier mehr oder weniger ausgeglichen war.