Elektronik-Zeitreise Der Griff nach dem Digitalbaustein

Ein Plagiatsfall aus den 1960er-Jahren, der letztendlich vor Gericht landete.
Ein Plagiatsfall aus den 1960er-Jahren, der letztendlich vor Gericht landete.

Plagiate sind ein Mega-Problem für die Wirtschaft, und das nicht erst seit gestern. Ein besonders dreister Plagiatsfall ereignete sich 1968. Die Elektronik berichtete.

Nach Abschluß der Europäischen Werkzeugmaschinen-Ausstellung 1967 in Hannover kommt jetzt in die Redaktionen eine Nachricht vom Griff nach dem Digitalbaustein. Eine ausstellende Firma zeigte auf ihrem Stand erstmals Prototypen einer neuen Reihe von Digitalbausteinen.

Der Inhaber einer anderen Firma fingierte (digit = Finger) dort daran herum und bekam einen der Bausteine so fest in den Griff, daß er ihn nicht mehr loslassen konnte. Der Baustein ging mit als »Souvenir d’Hanovre«. Man mag geneigt sein, dies – bei sehr großzügiger Betrachtungsweise – mit der Faszination technischer Kreationen auf gewisse Gemüter zu entschuldigen.

Die weitere Entwicklung ließ jedoch sehr merkwürdige illegale Manipulationen (die Juristen werden das noch ganz anders nennen!) zutage treten, da der „Zweitbesitzer“ nicht allein den Nachbau versuchte, sondern auch in einem Pressedienst die Nachricht über „seinen“ Digitalbaustein der technischen Welt zu kund und wissen gab. Inzwischen hat sich die Staatsanwaltschaft der Sache und des Mannes angenommen und jeder kann sich an seinen digits (Fingern) abzählen, was der Griff nach dem Digitalbaustein – inklusive Abkupfern – kosten wird.

Moral: Klau dir keinen, kauf dir einen!