Renesas Electronics Chiphersteller zukünftig unter staatlicher Kontrolle - reduzierte Umsatzprognose

Renesas Electronics hat sich für die Annahme finanzieller Hilfen durch die staatlich gestützte Innovation Network Corporation of Japan entschieden. Das Unternehmen will dabei bis zu 200 Milliarden Yen (rund 1,88 Milliarden Euro) an Finanzhilfen durch die staatlich gestützte INCJ und einer Gruppe von japanischen Industrieunternehmen erhalten. INJC wird damit neuer Mehrheitseigentümer von Renesas.

Das INCJ wurde im Jahr 2009 als öffentlich-private Partnerschaft zwischen der japanischen Regierung und Großunternehmen gegründet. Es ist mit 156 Milliarden Yen kapitalisiert. Dabei stellt die japanische Regierung in Form des Finanzministeriums 91 Prozent und 26 private Unternehmen die restlichen 9 Prozent des Kapitals. Die japanische Regierung gibt dabei entsprechende Garantien für insgesamt bis zu 800 Milliarden Yen der INCJ Investitionen.

Der unter Druck stehende Chiphersteller Renesas wird 1.250.000.000 neue Aktien an den INCJ und acht seiner Kunden für 120 Yen je Aktie ausgeben. Diese umfassen neben Toyota, Nissan, Keithin, Denso auch die Kamerahersteller Nikon und Canon sowie Panasonic und Yashkawa. Von den rund 97.000.000 Kunden-Aktien werden alleine die Automotive-Großkunden Toyoto (41.666.600 Stück ) und Nissan (25.000.000 Stück ) zusammen knapp 70 % erwerben. Der Preis pro Aktie ist deutlich geringer als der Börsenschlußkurs vom 7.12., dieser betrug 299 Yen.

Der INCJ wird dabei knapp 140 Milliarden Yen für Renesas zur Verfügung stellen und dafür mehr als eine Zwei-Drittel-Beteiligung (69, 16 %) an dem Chiphersteller erhalten, während die Kunden von Renesas insgesamt rund 11,5 Milliarden Yen für knapp 8 Prozent der Anteile an der Gesellschaft bezahlen. Wie Renesas weiter mitteilte, steht der INCJ bereit, weitere 50 Milliarden Yen zu bereitzustellen.

Der Plan übertrumpft damit die Offerte des US-Private-Equity–Unternehmens Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) von Ende September. Damit soll nach der Pleite von Elpida eine weitere Insolvenz in der Branche in Japan verhindert werden. Renesas ist der weltweit fünftgrößte Chiphersteller.

Mit dem erlösten Geld will Renesas von Juni 2013 bis Ende März 2017 bzw. 2018 jeweils 40 Mrd. Yen jährlich in Mikrocontroller, Automotive-Lösungen und Industrie-Chips investieren, dazu pro Jahr 20 Mrd. Yen in Fertigung und bis 2016 jährlich 10 Mrd. Yen, um seine Management-Strukturen effizienter zu machen.  Zudem sollen Fabs in Richtung höhere Erdbebensicherheit  ausgebaut und Multi-Fab-Strategien aufgesetzt werden, um das Risiko von Produktionsausfällen an einem Standort abzufedern.

Renesas hat seit längerem mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Unter anderem belastet die sinkende Nachfrage für Flachbildschirme. Frühere Versuche das Unternehmen zu reorganisieren hatten in Folge der Naturkatastrophe vom 11. März 2011 nur kurzzeitigen Erfolg.

Im Geschäftsjahr 2011/12  musste Renesas Ende März einen Nettoverlust von 62,60 Milliarden Yen ausweisen. Dabei belastete der sinkende Umsatz, der um 22 Prozent auf 883,11 Milliarden Yen zurückging. Es war bereits das zweite Jahr in Folge in dem Renesas einen Verlust auswies.

Die Umsatzprognose für das aktuelle Geschäftsjahr wurde derweil abermal auf nur noch 820 Mrd. Yen (rund 7,7 Mrd. Euro) nach unten korrigiert. Dabei erwartet Renesas einen Verlust in Höhe von 150 Mrd. Yen (1,41 Mrd. Euro).