Kommentar Qualcomm und NXP Chinesen lassen Übernahme platzen und waschen Hände in Unschuld

Gerhard Stelzer Chefredakteur
Gerhard Stelzer, Chefredakteur Elektronik

Das unrühmliche Ende einer zweijährigen Zitterpartie: Qualcomm hat die Übernahme von NXP Semiconductors entnervt abgeblasen, nachdem die chinesische Kartellbehörde nicht rechtzeitig eine Genehmigung erteilt hatte. Nun bieten Chinesen Fristverlängerung an.

Im Herbst 2016 unterbreitete der Mobilfunk-Chip-Riese Qualcomm ein Übernahmeangebot für die niederländische NXP Semiconductors in Höhe von 44 Mrd. Dollar. Qualcomm wollte damit seine relativ einseitige Ausrichtung des eigenen Chip-Geschäfts auf den Markt mit Smartphones beenden und durch die Übernahme von NXP sein Geschäft auf eine deutlich brei­tere Basis stellen. NXP Semiconductors bietet ein erheblich größeres Produktspektrum, sodass NXP-Chips in unterschiedlichsten Anwendungen zu finden sind. Eine besondere Stärke der Niederländer liegt im Automotive-Markt, die vor allem aus der Übernahme von Freescale durch NXP resultiert.

So sind die Begehrlichkeiten von Qualcomm verständlich, mit einer Akquisition zu einem Spitzen-Anbieter im Automotive-Segment aufzusteigen. Zudem passt das Chipkarten-Geschäft gut zu den Mobilfunk-Chips. Vielleicht noch wichtiger: Qualcomm ist zwar im Mobilfunk-Segment seit Jahren in einer technologischen Spitzenposition und konnte diese bis dato auch gut behaupten. Aber die Kalifornier müssen sich in letzter Zeit einem verschärften Wettbewerb mit großen Smartphone-Anbietern stellen. In den Spitzengeräten von Apple, Samsung und Huawei arbeiten heute zunehmend Mobilfunkprozessoren aus deren eigener Entwicklung und dieser Trend nimmt gerade Fahrt auf.Für Qualcomm wäre diese bis dato größte Übernahme in der Halbleiter­industrie durchaus ein interessanter Deal gewesen. Nur dumm, dass die chinesische Kartellbehörde SAMR die von Qualcomm selbst gesetzte Frist verstreichen ließ. Wie das Handelsblatt berichtet, teilte die SAMR zwei Tage später mit, dass sie doch noch Chancen für den Deal sehe, aber der von Qualcomm vorgelegte Plan die Wettbewerbsbedenken nicht habe ausräumen können. Die Überprüfungsperiode ende Mitte August, sei aber bis 14. Oktober verlängerbar. Das heißt im Klartext, die Chinesen hätten Qualcomm nochmals „antanzen“ lassen und zeigen so unmissverständlich, wer den Ton angibt.

 Acht von neun Wettbewerbsbehörden hatten die Übernahmepläne bereits abgesegnet. Nur die Genehmigung der Chinesen stand noch aus. Nun kann man sich bei Qualcomm damit trösten, dass ein Ende mit Schrecken besser ist als ein Schrecken ohne Ende. Wer weiß, was die SAMR in der nächsten Iteration vorgebracht hätte. NXP wiederum darf sich über die Zahlung einer Gebühr von zwei Milliarden Dollar für das Nicht-Zustandekommen der Übernahme freuen. Für Qualcomms CEO Steve Mollenkopf ist das eine schwere Schlappe. Er hatte bis zur letzten Minute gehofft, die chinesischen Behörden würden den Deal durchwinken. Qualcomm wurde zum Spielball im chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung. Die Aktionäre soll nun ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von 30 Mrd. Dollar besänftigen. Ob das Mollenkopfs Position rettet?