Freescale Technology Forum CEO Rich Beyer will Freescale an die Börse bringen

Nach der Ankündigung eines Börsengangs von NXP will auch Freecale-CEO Rich Beyer diesen Weg gehen, um das Unternehmen von seiner Schuldenlast zu befreien. Derweil entwickelt sich der Markt für Freescale durchwegs positiv.

Die Bilder gleich sich: Nach der Ausgliederung von ihren ehemaligen Mutterkonzernen Phillips bzw. Motorola wurden die Halbleiterhersteller NXP und Freescale mit hohen Schulden durch ihre Eigentümer belastet. NXP bereit seit April einen Börsengang vor, der bis zu 1,5 Mrd. Dollar in die Kassen spülen und die maroden Finanzen sanieren soll. In einem Gespräch mit der Elektronik anlässlich des Freescale Technology Forums bestätigte nun auch Freescale-CEO Rich Beyer, dass er diesen Weg gehen möchte - "wenn die Rahmenbedingungen günstig sind", d.h. sich die Wirtschaft und speziell der zyklische Chip-Markt in einer Hoch-Phase befinden. Wieviel Geld Beyer mit dem IPO erzielen will, ließ er offen.

Am 4. April 2004 nahm Freescale als 100%ige Tochter von Motorola den Geschäftsbetrieb auf, am 16. Juni 2004 ging Freescale an die Börse. Am 1. Dezember 2006 wurde Freescale mit Zustimmung der Aktionäre von einem Investorenkonsortium unter Führung der Blackstone-Gruppe mit Beteiligung der Carlyle Group, Permira und der Texas Pacific Group für 17,6 Mrd. Dollar übernommen und mit hohen Schulden belastet.

Die witrschaftliche Entwicklung von Freescale beschrieb Beyer als extrem positiv: In allen Marktsegmenten (dediziert erwähnte Beyer Automotive, Industrie-Automatisierung, Medizinelektronik und Netzwerktechnik) konnte jetzt schon seit vier Quartalen "erhebliches Wachstum" verbucht werden, zudem erholten sich Freescales Top-Kunden General Motors und Chrysler, die ja bekanntlich kurz vor der Insolvenz standen und nur mit staatlicher Hilfe gerettet werden konnten, schneller als erwartet.

Auch die Fab-Auslastung konnte von 60 % im Jahr 2009 auf nahezu 70 % gesteigert werden. Im übrigen wird Freescale laut Beyer seiner "Dual-Source-Strategie" treu bleiben, d.h. Produkte sowohl intern fertigen als auch bei Foundries wie TSMC oder Globalfoundries in Auftrag geben.

Die positive Entwicklung sieht Beyer auch in diversen Umstrukturierungsmaßnahmen in den letzten 1,5 Jahren begründet, die dazu geführt haben, dass Freescale jetzt mehr Produkte in kürzeren Zyklen auf den Markt bringen kann, die sich zudem besser vom Wettbewerb differenzieren. Darüber hinaus wurde eine klare Wachstumsstrategie entwickelt, bei der F&E-Gelder nach sorgfältiger Analyse in 20 besonders wachstumsstarke Bereiche investiert werden. Schließlich wurde der Entwicklungsprozess selbst modifiziert, um die Zeit zwischen Produktdefinition und Auslieferung zu reduzieren.

Beyer betonte zudem, dass trotz der Einführung der neuen Kinetis-MCUs auf Basis des ARM Cortex-M4 die hauseigene ColdFire-Architektur nicht nur weitergeführt, sondern sogar ausgebaut werden wird. Die Frage, ob Freescale sich ggf. aus dem ColdFire-Geschäft zurückziehen könnte und sich nur noch auf ARM fokussieren wird, was ja auch in den i.MX-Produkten zum Einsatz kommt, beantwortete Beyer explizit mit "Nein".